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  • Hamburg will den ITS-Weltkongress 2021 an die Elbe zu holen.

11.08.2017 Von: Christian Doepgen


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Artikel Nummer: 19609

Kluges Konzept für alle Verkehre

Die Digitalisierung bei Logistik und Verladern treibt die Ideen der ITS («Intelligent Transport Systems») voran. Deren globale Initiatoren sollen sich 2021 in Hamburg ein Stelldichein geben. Die Ziele der Metropole erläuterte Wirtschaftssenator Horch im Gespräch.


 

Das Stichwort klingt abstrakt, ist aber das Gebot der Stunde: Es lautet ITS («Intelligent Transport Systems») und steht für digitale Mobilitätskonzepte von Menschen und Gütern, die Verkehrsinfrastruktur, Informations- und Fahrzeugsysteme umfassen. Die Logistik spielt in der ITS eine tragende Rolle, was aber noch nicht bei allen Playern dieser Branche angekommen ist.

 

In den Regionen Asien-Pazifik, Amerika und Europa seit den 1990er Jahren aktiv, haben sich in der Ertico-ITS Europa mit Sitz in Brüssel bislang mehr als 100 Partner der öffentlichen Hand, der Privatwirtschaft und der Wissenschaft zusammengetan, um bessere Lösungen für die Mobilität von heute und morgen in einer Welt zu entwickeln, die u.a. auf Herausforderungen wie den oft zitierten «Verkehrsinfarkt» reagieren muss. Die Unternehmen unter den Initiatoren entstammen acht Sektoren, wobei die Branchen Telekommunikation und Automobil besonders stark engagiert sind.

 

 

Kongresse als Informationsdrehscheiben

Wem das immer noch zu abstrakt ist, sei die Teilnahme an einem der jährlichen ITS-Kongresse in Amerika, Asien-Pazifik oder Europa anempfohlen, auf denen neue Lösungen vorgestellt und diskutiert werden. Der Autor dieser Zeilen hat sich dem Selbstversuch im Juni 2017 auf dem 12. europäischen ITS-Kongress im französischen Strassburg unterzogen – und stiess dabei u.a. auf die ausgeprägte Präsenz der Stadt Hamburg.

 

Die Hafenstadt an der Elbe bewirbt sich für die Ausrichtung des ITS-Weltkongress 2021 und findet dabei viel Unterstützung, auch z.B. von französischer Seite. Dass vor allem Logistikmetropolen ein grosses Interesse daran haben, diese globale Veranstaltung auszurichten, lässt sich an den aktuellen Gastgebern Montreal in 2017, Kopenhagen in 2018 und Singapur in 2019 ablesen. Welche Pläne seine Stadt mit der Bewerbung verbindet, schilderte Hamburgs Senator für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, Frank Horch, gelernter Schiffsbauingenieur, dem ITJ im Gespräch vor Ort in Strassburg.

 

Senator Horch, warum macht es Sinn, so zahlreiche Themen unter dem Begriff ITS zu bündeln?

Der einheitliche Ansatz ITS schafft eine ganz andere Ausgangsposition. So können unter anderem Tätigkeitsfelder, die üblicherweise nur wenig öffentliche oder privat- wirtschaftliche Aufmerksamkeit erfahren, mehr Unterstützung erhalten. Entscheidend aber ist der Ansatz, die Gesamtheit der Mobilität – Verkehr und Logistik – zu verknüpfen und Lösungen zu entwickeln, die effizient, intelligent und nachhaltig sind. Das ist mehr als eine Strategie – es ist eine neue Philosophie.

 

Treten Sie damit nicht in Konkurrenz zu bestehenden Akteuren, z.B. zur Logistik-Initative Hamburg?

Im Gegenteil, wir stehen im engen Austausch und die Träger der Logistik-Initiative gehören zum Kreis der Befürworter unserer ITS-Aktivitäten. Im Spannungsfeld der Logistik geht es darum, abgestimmte Wege zu gehen. So speist die Logistik-Initiative wichtige Eckpunkte, u.a. im Bildungs- und Weiterbildungsbereich, in die ITS-Konzepte ein. Es geht künftig auch um die Arbeitswelt 4.0, die wir im Auge behalten müssen.

 

Die Logistik beklagt oft, dem Personenverkehr nach-geordnet zu werden. Sind ITS die Antwort darauf?

Auf jeden Fall sind ITS eine Antwort auf diese Herausforderungen. Ich denke als Beispiel an den oft grossen Aufwand, der im Gütertransport auf der letzten Meile entsteht. Intelligente Verkehrssysteme schaffen dagegen auch intermodale Lösungen, die die Ware unmittelbar bis ins Depot führen. Das Potenzial ist gewaltig.

 

Ist die Hafenwirtschaft in Hamburg nicht bereits mit ihren digitalen Ansätzen weit gediehen?

Die Initiative «Smart Port» der Hamburger Hafenverwaltung HPA ist ganz sicher ein Vorreiter. Eine intelligente Lösung für den Verkehrs- und Warenfluss im Hamburger Hafen, Roads (Roadwork Administration and Decision System) können Sie live hier an unserem Stand in Strassburg erleben. Auf einer digitalen Karte werden geplante Bauvorhaben des Transportsektors mehrere Jahre vor Starttermin so abgebildet, dass man die Auswirkungen auf die Verkehrsströme erkennen und minimieren kann.

 

Diese enorme Erleichterung für die Planung und Koordination aller Partner ist kein Einzelfall. Auch das Hamburg Vessel Coordination Center (HVCC) leistet eine solche Arbeit für Gross-, Feeder- und Binnenschiffe in unserem Hafen. Allein diese Beispiele zeigen, wie viele Möglichkeiten sich der Logistik bieten.

 

Welche Auswirkungen versprechen Sie sich davon, wenn Hamburg den ITS-Weltkongress 2021 ausrichtet?

Wir erwarten einen grossen Pull-Effekt über Hamburg und sein Umland hinaus. Ich denke hier u.a. an die Binnenwasserwege, deren Verkehre wir forcieren wollen. Mit der ITS Frankreichs und Catherine Trautmann, Vorstand des Binnenhafens Strassburg, haben wir hier eine Vereinbarung über gegenseitige Unterstützung getroffen. Die Entwicklung eines Netzes europäischer Güterzentren als die Plattform kontinentaler Logistik ist eines unserer wichtigsten Ziele.

 

Der Standort Hamburg kann seine traditionell enge Verbindung über Korridore nach Zentral- und Osteuropa bis Russland im Rahmen der ITS ausspielen. Daneben ist Schanghai unsere Partnerstadt und Hamburg eines der Tore Chinas nach Europa. Die internationalen Impulse eines ITS-Weltkongresses in Hamburg werden 2021 weit reichen. Wir sind also auf die Entscheidung gespannt, die Ende Oktober in Montreal bekanntgegeben wird. 

 

Das Interview führte Christian Doepgen.