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  • Onlineshopping wird die Logistikbranche weiter beschäftigen.

18.07.2014 Von: Jutta Iten


Flashback
Artikel Nummer: 6838

Alle können nicht alles machen

Der globale Logistikmarkt ist in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gewachsen. Das Einsetzen der Krise im Jahr 2008 führte jedoch dazu, dass die Situation neu beurteilt werden muss. Dabei sind mehrere Faktoren, die sich von «aussen» aufdrängen, aber auch interne Abläufe oder Strategien, zu berücksichtigen.


Untergehen wird die Logistik, ein wichtiger Motor der Wirtschaft, nicht – das steht bereits fest. Auch wenn sich das Konsumverhalten der Menschen ändert oder auch das Umweltbewusstsein stärker wird und damit Forderungen seitens der Kunden nach «grüner» Logistik sich mehren. Die Menschen werden nach wie vor Güter kaufen wollen, die es nicht vor ihrer Haustür gibt.

 

Onlineshopping

Apropos Haustür: Onlineshopping ist eines der veränderten Konsumverhalten, die eher noch zunehmen werden. Hier müssen sich die Logistikfirmen reorganisieren, um ihren Anteil am Transportaufkommen der auf diese Weise georderten Waren zu behalten. In diesem Zusammenhang spielt die so genannte letzte Meile eine grosse Rolle, das heisst die individuelle Beförderung der Güter zum Endverbraucher statt wie bis anhin in ein grosses Distributionszentrum.

 

Weitere wichtige Massnahmen, die von vielen grossen, mittleren und auch kleinen Unternehmen getroffen werden (müssen), liegen in der Investition in die Nachhaltigkeit der Logistik. Der Klimawandel vor allem in Asien (China und Indien) wird nach Aussage der Deutschen Post derzeit als eines der grössten Probleme der Welt betrachtet. Die Verringerung von CO2-Emissionen koste zunächst Geld und solle mit Hilfe von überstaatlichen Regulierungen durchgesetzt werden. Sämtliche Logistikgeschäftsfelder (See- und Lufttransporte sowie insbesondere auch die Beförderung auf dem Landweg) seien davon betroffen.

 

Dazu möchten wir anmerken, dass die Deutsche Post bei weitem nicht das einzige Unternehmen ist, das in die umweltfreundliche Logistik investiert und anschliessend versucht, diese Bemühungen zusätzlich als Werbeinstrument einzusetzen und Kunden an sich zu binden oder neu zu gewinnen. Gemäss einer Umfrage ist immerhin bei knapp 60% der Geschäftskunden die «grüne» Offerte ein entscheidender Faktor. Marktbeobachter gehen davon aus, dass dieser Prozentsatz in den nächsten zehn Jahren stark steigen wird.

 

Individualisierung der Dienste

Trotz aller Umweltfreundlichkeit der Konsumenten bleibt aber natürlich unter anderem der Preis ein wichtiger Faktor bei der Auftragsvergabe. Daher genügt das «grüne» Instrument im heiss umkämpften Markt bei weitem nicht und wird durch andere Massnahmen ergänzt. So steht derzeit die Intensivierung individueller Dienstleistungen bei vielen Logistikunternehmen hoch in Kurs. Das beginnt bei den kleinen und mittleren Unternehmen, die sich auf gewisse Transporte konzentrieren bzw. Nischenmärkte suchen. So mehren sich beispielsweise die Firmen, die nur Kunstgegenstände transportieren. Dies ist immer noch ein gutes Geschäft, da Messen heutzutage zwar kürzer, aber nicht weniger häufig abgehalten werden.

 

Ähnliche Entwicklungen sind auch bei grösseren Unternehmen wie beispielsweise der schweizerischen Panalpina zu beobachten. Letztere betont, dass ihre wichtigsten Standbeine die globale Luft- und Seefracht sind, also auch eine Spezialisierung im weiteren Sinn. Dies äusserte Peter Ulber, CEO der schweizerischen Panalpina, in einem mit Swissquote Magazine geführten Interview. Er erwähnte u.a., dass eine Konzentration auf bestimmte Tätigkeitsfelder wichtig sei und man nicht versuchen solle, alles für alle Kunden anzubieten.

 

Die Revolution steht noch bevor

Ulber hält dies jedoch nicht für die wichtigste Entwicklung in der Logistik- und Transportbranche und glaubt vielmehr, dass die wirkliche Revolution in diesem Tätigkeitsfeld noch gar nicht stattgefunden hat. Er glaubt, dass sich die Logistikwirtschaft neu erfinden muss. Ein Beispiel sei das Nearshoring. International tätige Unternehmen würden ihre Produktion zurück in die Heimat holen, so dass die Produkte sehr viel näher beim Endkunden zusammengebaut würden. Damit würden Unternehmen wie Panalpina künftig immer stärker an der Endfertigung und an Testphasen beteiligt sein, zeigt sich Ulber überzeugt.

 

Es wird also spannend in einer Branche bleiben, die wie kaum eine zweite die Wirtschaft und damit den Wohlstand der Menschen in aller Welt beeinflusst.     Jutta Iten

 

 

 

 

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