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  • Die erste Ausgabe der Zeitschrift, 15. Juli 1939.

18.07.2014 Von: Christian Doepgen


Flashback
Artikel Nummer: 6823

Globalisierung im Blut

Die erste Ausgabe des International Transport Journal erschien am 15. Juli 1939 in Basel. Grund genug für uns, einen Blick zurück zu werfen zu den Anfängen am Vorabend eines Weltkrieges, den Aufbau- und Wirtschaftswunderjahren über die fortschreitende Internationalisierung bis hin zu den heutigen Tagen der digitalen Revolution und wirtschaftlichen Globalisierung.


Franz Rittmann heisst der Gründervater, der nicht nur an der Wiege des ITJ stand, sondern seine Entwicklung über ein halbes Jahrhundert lang prägte. Nach Lehr- und Wanderjahren in Speditionen in der Schweiz und Belgien gründete er 1934 in Basel eine Firma für Güterbahntarife, für den damaligen Verkehrsträger Nr. 1. Bedingt durch die Besetzung Österreichs durch Deutschland war es Rittmann 1938 möglich, seinem guten Bekannten Prof. Alexander Freud in Wien (Bruder des Psychoanalytikers) den «Allgemeinen Tarifanzeiger» abzukaufen, der dadurch einer Enteignung entging. Am 15. Juli 1939 erschien in Basel die erste Ausgabe der Zeitschrift mit acht Seiten, deren markantes Erscheinungsbild in Rosarot der Grafiker Fritz Bühler entworfen hatte. Der 31-jährige Rittmann wirkte als Verleger, Journalist und Verkäufer in einer Person.

 

Krieg und Aufbau

Trotz Kriegsausbruch und der Einberufung der Mitarbeiter zum Militärdienst brachte der Verleger den Titel weiterhin im 14-tägigen Rhythmus heraus. Neben einer Fülle von Einzelnachrichten aus der internationalen Speditions-, Schifffahrts- und Verladerszene standen Eisenbahntarife, Zoll- und Devisenbestimmungen im Mittelpunkt der Berichterstattung. Die Fachzeitschrift profitierte von ihrem Status als einzige internationale Informationsquelle für Transporttarife und konnte so die Kriegsjahre überbrücken.

 

Ab 1945 erschien das ITJ auch in französischer Sprache, die Mitarbeiterzahl wuchs. So begann u.a. Robert Federspiel als Redaktor für Seeschifffahrt, während der Verkäufer Leon Koechly die Tradition der ebenfalls weltweit tätigen Verkaufsabteilung des ITJ begründete.

 

Inhaltliche Ausgestaltung

In den Folgejahrzehnten verbreiterte der Titel sein Themenspektrum. Die Einführung des Containers revolutionierte das Reedereiwesen und Federspiel sprach bereits in den 70 er Jahren in seiner Kolumne «Vom Topp gesehen» von der «’Jumboisierung’ des Containerschiffs, das in der internationalen Linienschifffahrt eine neue Wettbewerbssituation schaffen wird.» Die wachsenden technischen Möglichkeiten rückten die Logistik in den Vordergrund und die Luftfracht entwickelte sich zur eigenen Rubrik. Mit dem Siegeszug des Lkw nahm auch der Strassentransport einen grösseren Raum ein.

 

Einen besonderen Stellenwert geniesst naturgemäss die Berichterstattung von internationalen Märkten, die mit den so genannten «Länderrubriken» begann und sich heute neben den zahlreichen geografisch angelegten Specials übers Jahr zur Rubrik «Aus den Regionen» in jeder einzelnen Ausgabe fortentwickelt hat.

 

Aufstieg zur Dreisprachigkeit

In den frühen 70er Jahren wurde Guido Trevisan in die Geschäftsleitung berufen. Mit seinem Verkaufsteam hat er ein weitgespanntes Beziehungsnetz im internationalen Transportwesen aufgebaut. Eine englische Kurzfassung des ITJ, der «Overseas Digest», wurde in die deutsche und französische Ausgabe eingeheftet, sowie separat nach Grossbritannien und Übersee versandt. Einige Jahre später wurde diese Kurzfassung durch die Länderrubriken Grossbritannien, Nord-und Südamerika, Mittelost, Afrika und Asien ergänzt und als «Overseas Edition» herausgeben.

 

1991, im 53. Jahrgang der Zeitschrift, zog sich Rittmann zurück und verkaufte den Verlag an die Basler Zeitung (BaZ), wo das ITJ auch gedruckt wurde. Er hatte Angebote aus Holland und Deutschland ausgeschlagen, da er den Schweizer Standort für unabdingbar hielt.

 

Weiterer Ausgriff und digitaler Arm

In den Jahren der Zugehörigkeit zur BaZ wurde der Farbdruck eingeführt mit drei separaten Ausgaben mit identischem Inhalt in Englisch, Französisch und Deutsch für eine Leserschaft in inzwischen 131 Ländern. Zusätzlich begann die Veröffentlichung ausgewählter Ausgaben in weiteren Sprachen. Heute erscheinen jedes Jahr Specials auf Russisch, Spanisch und Portugiesisch, im November 2014 erstmals eine italienischsprachige Beilage.

 

Im Jahr 2002 erhielt der Titel mit dem ITJ Daily sein publizistisches Pendant als Online-Newsletter, der werktäglich in englischer Sprache aktuelle Nachrichten versendet. Zehn Jahre nach seiner Entstehung unterzogen wir den «Daily» einem Relaunch. Er wartet seitdem u.a. auch mit visuellen Elementen und bebilderten Beiträgen auf. Zusätzlich kommen alle Print-Ausgaben des ITJ als E-Paper heraus.

 

Seit 2005 gehört das ITJ zur Südwestdeutschen Medienholding (SWMH) und damit zur Fachzeitschriftentochter des Süddeutschen Verlags in München. Das nächste Jubiläum – 10 Jahre Zugehörigkeit zur SWMH – liegt also in Reichweite. Das Team des ITJ bedankt sich bei Lesern, Abonnenten und Inserenten für ihr teilweise jahrzehntelanges Interesse, ihre Kritik und ihre Unterstützung.

  

 

 

 

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