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  • Nr. 1/1975.

28.03.2014 Von: Jutta Iten


Flashback
Artikel Nummer: 5608

Ölkrise beendet Schifffahrtsboom

Wie ein roter Faden zieht sich die Problematik der Treibstoffkosten durch die jahrzehntelange Berichterstattung des ITJ. Während in den siebziger Jahren vor allem die finanzielle Seite Anlass zu Diskussionen gab, spielen heute bekanntlich nebst den anfallenden Kosten insbesondere die Umweltfreundlichkeit bzw. –verträglichkeit der benutzten Treibstoffe eine grosse Rolle.


1973 hat die Organisation der erdölfördernden Länder (Opec) beschlossen, dass die Förderung von Rohöl um rund 5% reduziert werden müsse. Der Ölpreis stieg daraufhin im Oktober 1973 von 3 USD pro Barrel auf über 5 USD (+70%). 1974 überschritt der Ölpreis weltweit die Zwölf-Dollar-Marke. Neben Privatautos waren Flugzeuge, Lkw und Schiffe gleichermassen betroffen. Die Logistikwelt und insbesondere auch die Reeder in den Industriestaaten standen, nach einem wirtschaftlichen Hoch, ganz im Bann dieser Probleme. Aus politischen und wirtschaftlichen Erwägungen wurden verschiedene Überlebens-Massnahmen vorgenommen, um sich von der grossen Abhängigkeit von fossiler Energie zu lösen und Alternativen zu finden. In der Retrospektive wird deutlich, dass die geplanten und getroffenen Massnahmen sich oft nicht stark von denjenigen unterscheiden, über die wir in den gegenwärtigen Ausgaben des ITJ berichten.

 

Der damalige ITJ-Schifffahrtsredaktor Heinz Stürner, der viele Jahre in der wöchentlichen Kolumne Cargo, Ship and Harbour über das Geschehen in der Schifffahrt berichtete, nahm das Thema Ölkrise mehrmals auf. 1975 schrieb er: «Konjunkturelle Tendenzen, besonders in den Relationen Europa–Fernost und Japan–USA machen sich vermehrt bemerkbar, und im Seehandel mit dem Mittleren Osten sind die Dinge derart im Fluss, dass die eingesessenen Linienreedereien alle Mühe haben, sich den Erfordernissen laufend anzupassen. Jedenfalls haben sich die ölversorgungsbedingten Verminderungen von Abfahrtsfrequenzen und Drosselungen der Schiffsgeschwindigkeiten im Laufe der zweiten Jahreshälfte 1974 wieder beheben lassen… Die 1974er Engpässe in der weltweiten Linienschifffahrt haben dem Trend nach Kooperation und Fusion hingegen einen wesentlichen Auftrieb verliehen. Weder können die Kosten modernster Linienfrachter und deren Betrieb von individuell operierenden Reedereien allein getragen werden, noch können Einzelreedereien ausschliesslich mit eigenem Schiffspark effiziente Fahrpläne gewährleisten.»

 

Heute, nach der Weltwirtschaftskrise und dem andauernden Bemühen, den Treibstoffverbrauch aus Kosten- wie auch aus Umweltgründen zu reduzieren, berichten wir ebenfalls laufend über Rationalisierungen, slow-steaming und über höchst ungewöhnliche Allianzen und Kooperationen. Hoffen wir, dass die Schifffahrt heute mit diesen Initiativen auf dem Weg in eine bessere Welt ist.

  

 

 

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