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  • ITJ No. 47 / 1947.

14.02.2014 Von: Andreas Haug


Flashback
Artikel Nummer: 4980

«Plötzlich geschah etwas Unerwartetes»

115 t Gewicht, 65 t (geplante) Nutzlast, 66,6 m Länge und 97,5 m Spannweite – verglichen mit dem grössten Vollfrachter der Welt, der AN-225, und dem grössten in Serie produzierten Flugzeug, der A380, kann sich die heute in McMinnville, OR zu besichtigende H-4 Hercules durchaus sehen lassen. Doch Planung und Bau (18 Mio. USD) waren selbst für einen Milliardär zu viel.


«Das Flugzeug hat, im Gegensatz zu Schiff, Eisenbahn und Lastwagen, durch den Krieg gewonnen», urteilte Transport-Chefredaktor Franz Rittmann am 16. Februar 1945, also noch vor der Einstellung der Kampfhandlungen. In der Tat hat die technologische Entwicklung während des Weltkriegs dem Düsenantrieb zum Durchbruch verholfen, und der Versand von Luftpost und -fracht erlebte trotz oder gerade wegen der Wirren der Jahre 1939–1945 einen ungeheuren Aufschwung. Gegen Kriegsende war sogar der Trend zu Vollfrachtern erkennbar, während das Konzept des Flugboots eine echte Alternative für den Langstreckenverkehr darstellte.

 

Zu spät für einen Einsatz im Krieg kam das grösste Flugboot und das nach seiner Spannweite grösste Flugzeug der Geschichte. Zwar hatte der US-amerikanische Industrielle Howard R. Hughes im November 1942, «zu einer Zeit also, in welcher der deutsche U-Bootkrieg seinen Höhepunkt erreicht hatte», woran der ausgewählte Artikel fünf Jahre später erinnerte, den Auftrag zum Bau eines Grossflugzeugs erhalten. Doch erst ab Juni 1946 konnte die Montage der «Hercules HK-1» beginnen. «Anfangs November [1947] gab Hughes nun bekannt, dass die Maschine zu Schwimmversuchen bereit sei.» Bei der dritten Probefahrt am 2. November im Hafen von Long Beach – die 45 km kurze Überführung vom vom Hangar ans Meer kostete 55 000 USD – enfalteten die acht Motoren die volle Kraft ihrer Leistung von 24 000 PS und entwickelten eine Geschwindigkeit von 160 km/h. «Plötzlich geschah etwas Unerwartetes: die Maschine hob ganz sanft vom Wasser ab und flog in einer Höhe von etwa 20 m eine Strecke von rund 1½ Kilometer.» Der innerhalb des Bodeneffektes durchgeführte Flug sollte der einzige bleiben, denn die geplante Serienproduktion des Ungetüms wurde angesichts des fraglichen Kosten-/Nutzen-Verhältnisses verworfen.

 

Zur Serienreife gelangten aber einige andere Flugboote, die Luftfahrt- und -frachtgeschichte geschrieben haben. Dazu zählen insbesondere die sieben Maschinen des Typs Martin JRM Mars, deren Entwicklung 1938 begann und deren Erstflug 1942 stattfand. Sie sollten während des Kriegs zwischen der US-Westküste, Hawaii und den weiter westlich gelegenen pazifischen Inselgruppen, die ihnen ihre Namen gaben, für den Transport von Truppen und Fracht eingesetzt werden. Caroline Mars, das als letztes 1948 ausgelieferte Flugzeug der Familie, konnte am 8. September 1948 einen neuen Rekord aufstellen, als es rund 30 t Frachtgut – mehr als bei heute eingesetzten Kurzstreckenfrachtern wie B727 oder B737 – über 600 km weit beförderte. Nach dem Einsatz für die US-Marine wurde sie wie ihre Geschwister zu langlebigen Löschflugzeugen umgerüstet: Hawaii Mars II etwa wurde erst im Herbst vergangenen Jahres in Kanada endgültig aus dem Verkehr gezogen.     

 

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