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  • Nr. 45-46/2010.

23.05.2014 Von: Antje Veregge


Flashback
Artikel Nummer: 6296

Der Boom lässt auf sich warten

Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise seit dem Jahr 2008 hat dazu geführt, dass die maritime Wirtschaft Wachstumschancen verstärkt in Schwellenländern identifiziert. Im Jahr 2010 war die Euphorie über die dortigen Geschäftsbedingungen, insbesondere in den Bric-Staaten, allerdings grösser als heute. Das zeigt sich deutlich am Beispiel Brasiliens.


Die Schifffahrtsbranche setzt auf Schwellenländer als Hoffnungsträger für bessere Geschäftsergebnisse. Was bereits im Jahr 2010 in aller Munde war, gilt heute unverändert. Insbesondere von einem Wachstum der Bruttosozialprodukte in den Bric-Staaten versprach man sich noch vor vier Jahren gute Renditen.

 

In einem Beitrag über die Investitionsvorhaben des in den Niederlanden ansässigen Terminalbetreibers APMT zitierten wir Christian Moller Laursen, Vizepräsident der Maersk-Tochter. Dieser betonte, dass in den neuen Märkten für Häfen- und Terminalbetreiber Auslastung und Wachstum nur darauf warteten, abgeschöpft zu werden, und zwar auf einem vielfach höheren Niveau als in den entwickelten Ländern. Das stimmt theoretisch: Innerhalb der vergangenen zehn Jahre haben die Bric-Länder ihren Anteil am weltweiten Bruttosozialprodukt von 18 auf 28% gesteigert.

 

Gute Geschäftsergebnisse versprachen sich Terminalbetreiber insbesondere in Brasilien, dem grössten lateinamerikanischen Land gemessen an Fläche und Wirtschaftskraft. Hier liegt Analysten zufolge das meiste Wachstumspotenzial an den nördlichen und nordöstlichen Küsten des Landes. Um dieses nutzbar zu machen, ist jedoch eine verbesserte Infrastruktur unumgänglich. Dazu gehören vorrangig neue Strassen- und Flughafenanbindungen, aber auch ausgebaute oder zusätzliche Seehäfen. Allerdings verweigerte die brasilianische Regierung APMT und anderen privaten Betreibern kürzlich Vorrechte bei Ausschreibungsprojekten für den Betrieb von Containerterminals im Norden und Nordosten des südamerikanischen Staates. Das Argument war, dass die Regierung ihre Wirtschaft auf unabhängiger Basis stärken wolle. APMT hatte geplant, in Suape, in der Nähe von Recife, sowie in Manaus zu investieren. Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff hat in diesem Zusammenhang ein Investitionsprogramm in Höhe von ca. 100 Mrd. USD mit privatem Kapital initiiert. Bislang haben vor allem Flughäfen und Strassen von dem neuen Infrastrukturplan profitiert.

 

Um «das Wachstum abzuschöpfen», muss demnach noch einiges in Bewegung kommen. Aber Hoffnung ist in Sicht: Der Hafenminister Antonio Henrique Silveria hat angekündigt, dass Bieterverfahren für private Unternehmen in Kürze starten sollen, obwohl der brasilianische Finanzhof sein Veto eingelegt hat. Die Hafenbehörde Rotterdam hat in der Zwischenzeit eine Vereinbarung mit dem Terminal Presidente Kennedy (TPK) Logistica für den Bau eines neuen Hafens in Vitoria geschlossen.     

 

 

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