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21.04.2017

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Artikel Nummer: 18664

17-18/2017 Wo geht's hin?


Europa ist in eine heisse Phase eingetreten, deren Ergebnisse direkt auf die Geschäftsbedingungen der meisten unserer Leser einwirken werden: Im März haben die Niederländer ihr Parlament gewählt und wurde der EU-Austrittsprozess des Vereinigten Königreichs in Gang gesetzt, nun stehen die französischen Präsidentschaftswahlen an, bevor dann auch die Deutschen im September über eine neue Regierung entscheiden. Das sind alles mehr oder weniger vorhersehbare Ereignisse. Dass die Europäer aber auch vermehrt mit dem Unberechenbaren rechnen sollten, zeigte sich in den letzten Wochen leider wieder, etwa vor dem Parlament in London, in der U-Bahn von St. Petersburg, in einer belebten Strasse in Stockholm oder auf dem Weg ins Fussballstadion von Dortmund.

 

Doch bleiben wir in Frankreich! In den Wahlprogrammen der elf Kandidaten für das höchste Amt, das die «Grande Nation» zu vergeben hat, spielen Logistikfragen und Antworten darauf keine besondere Rolle. Es sieht danach aus, als ob der Gütertransport auch im Land der Mode und der Eleganz weniger «sexy» ist als der Personentransport. Trösten wir uns mit der Binsenweisheit des parlamentarischen Systems, nach der konkrete Wahlversprechen hinterher häufig nichts mehr sind als heisse Luft. In groben Umrissen lässt sich freilich schon nachvollziehen, dass ein Kandidat, der für die Freizügigkeit der Waren und Personen im Rahmen des europäischen Binnenmarktes eintritt, mehr Zustimmung in der Transportbranche erhält, als etwa ein – egal ob «links» oder «rechts» stehender – Konkurrent, der in der globalisierten Welt (wieder) Grenzen errichten will und vom Prinzip «nationaler Präferenz» träumt.

 

Vom grossen Coup träumen dürfen am Abend des 23. April wahrscheinlich noch zwei der elf Kandidaten, bevor dann der zweite Wahlgang am 7. Mai die Entscheidung um den Einzug in den Elysée-Palast bringt. Was es technisch dazu braucht und welche Aspekte die Wahllogistik berücksichtigen muss, ist ein weites Feld: Es beginnt beim strategischen Anbringen der Wahlplakate, geht über die Versorgung der Wähler mit Stimmzetteln und Umschlägen und endet bei der Bestückung der Wahllokale mit Registern, Kabinen und Urnen. Digital werden schliesslich nur die händisch erfassten Ergebnisse übermittelt und zentralisiert. Wie altmodisch, diese Demokratie...

 

Eine anregende ITJ-Lektüre – auf Bildschirm oder Papier – wünscht Ihnen

 

Andreas Haug
Ressortleiter Luftfracht

 

 

 

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