Heavylift / Breakbulk

  • Patrick Dick, The-Freight

23.08.2017 Von: Christian Doepgen


Artikel Nummer: 19803

Stetig ist der Wandel

Die Übernahmen und personellen Wechsel innerhalb der Unternehmen des Schwergutsektors reissen nicht ab und ein Ende ist nicht absehbar. Schwere Marktbedingungen sind dabei nur ein Parameter. In vielen Unternehmen gibt die Gründergeneration das Szepter an Nachfolger weiter, während andere die aktuelle Lage nutzen, um ihr Netzwerk und ihr Profil zu arrondieren.


Es gibt sie noch, die gute alte organische Entwicklung: Nachdem man in Laos Fuss gefasst hat, geht die Silamas Gruppe den nächsten Schritt und weitet ihre Aktivitäten nach Myanmar aus. Die Schwertransport-Gruppe aus Thailand greift dabei auf die Unterstützung eines Altgedienten der Branche, Patrick Dick, und eines örtlichen Partnerunternehmens zurück. Das neue Büro befindet sich in Rangun, bis 2005 Hauptstadt Myanmars und heute noch das industrielle Herz des Landes.

 

Mit behördlicher Genehmigung wird neben dem umfangreichen technischen Gerät im Wert von mehreren Millionen USD, u.a. 56 Achslinien modularer Hydraulik-Trailer, auch geistiges Kapital für den Schwergutverkehr eingeführt. Es ist geplant, Fachleute auch aus dem Hauptsitz der Gruppe in Bangkok zum Training der örtlichen Mitarbeiter einzusetzen. Dick hat bereits vor Jahrzehnten Schwerguttransporte im damaligen Burma abgewickelt. Mit Suntac Technologies, einem Bauunternehmen in Myanmar, stehen auch bereits lokale Auftraggeber in den Startlöchern.

 


Expansion in Südostasien

Die gesamte Region ist für Wachstum gut, gerade im Schwergutsegment. Mitte August hat die Deugro-Gruppe bekanntgegeben, dass sie P.T. Rolitrans übernimmt. Nach dem Ausgriff in den Oman 2016 hat das Traditionsunternehmen Deugro, 1924 in Deutschland gegründet und heute mit Hauptquartier im Schweizerischen Pfäffikon, damit den Schritt in den indonesischen Markt vollzogen.

 

Auch das übernommene Unternehmen ist kein Neuling in der Branche. 1982 gegründet und damit 35 Jahre im Geschäft, bringt das in der Hauptstadt Jakarta domizilierte P. T. Rolitrans langjährige Erfahrung im indonesischen Schwergutverkehr für das neue Mutterunter- nehmen ein. Sven Hergemoeller, Vorstandsvorsitzender der Deugro-Gruppe, sieht die Übernahme als strategischen Schritt «in einen der vielversprechendsten Regionen im asiatisch-pazifischen Raum» an. Der Übergangszeitraum für Mensch und Material wird bis Ende des Jahres dauern, dann soll die Integration in die Standorte von Deugro erfolgen.

 

Ähnlich sieht es auch bei der in Rhoon in den Niederlanden domizilierten Steder Group aus. Die bisherigen Aktivitäten in Südostasien legten die Gründung einer eigenen Niederlassung in Singapur nahe, die im August offiziell verkündet wurde. Der Standort, von Steder als das «maritime und logistische Epizentrum» der Region identifiziert, wird künftig von  Dirk Ghys aus den Niederlanden geleitet. Als Dienstleistungen neben der Projektlogistik, die man mit den Aktivitäten aus der Niederlassung in Dschibuti verknüpfen will, bietet die Gruppe in Zusammenarbeit mit einem Partnerunternehmen Leistungen als Hafen- und Schiffsagentur sowie im Charter- und Vermittlungsgeschäft an.

 


Personelle Weichenstellung

Andere Unternehmen bereiten den Boden für die nächste Generation vor. Bei Hansa Meyer Global haben kürzlich Beirat und Gesellschafter neue Strukturen geschaffen. Das Schwergutunternehmen mit Sitz in Bremen hat Marc-Oliver Hauswald als zweiten Geschäftsführer der beiden Gesellschaften Hansa Meyer Global Holding (HMGH) und Hansa Meyer Global Transport (HMGT) berufen. Zuvor war Hauswald unter anderem bei der Buss Port Logistics und Imperial Logistics International tätig. Er tritt an die Stelle von Oliver Rupps, der das Unternehmen im Frühjahr 2017 verlassen hatte, um in die Seifert Logistics einzutreten.

 

Während Henrique Wohltmann, 2016 ernannt, erster Geschäftsführer bleibt, wird Urgestein Jörg Knehe bis Ende des Jahres von seinem Posten zurücktreten. Knehe, einer der Gründer von Hansa Meyer Global Holding vor 29 Jahren und geschäftsführender Gesellschafter, wird Januar 2018 Mitglied des Aufsichtsrats und bleibt der Unternehmensgruppe als Berater erhalten.

 

Einen kompletten Wechsel der Führungsebene führt hingegen zur Zeit die Omers Private Equity (OPE) bei der V.Group durch, nachdem man im Dezember letzten Jahres die Mehrheit der Anteile von Advent International, der bisherigen Muttergesellschaft, erworben hat. V.Group, ein Grosser im Schiffs-management auch im Offshore- und Versorgungssegment mit Hauptsitz auf der Isle of Man, wird von nun an von Ian El-Mokadem als CEO und Martin Gaard Christiansen als CCO geführt. Beide werden ihre Positionen «im Herbst» übernehmen, bis zum Beginn des vierten Quartals soll der Wechsel vollzogen sein.

 

El-Mokadem wird von Exova zur V.Group wechseln, einem Anbieter von Prüf- und zugehörigen Beratungsdiensten, und war vorher für die Compass Group, Centrica und Accenture tätig. Christiansen kommt von Wrist Ship Supply, einem Anbieter aus dem Schifffahrts- und Offshore-Sektor, und hat über 25 Jahre bei der A.P. Moller-Maersk Gruppe gedient.

 

Die zahlreichen Übernahmen und Personalwechsel belegen, dass sich der Sektor weiterhin im Umbruch befindet und auf die veränderten Marktbedingungen einstellt. Hier steckt Potenzial für den Aufbruch – wie er sich auch in dem Entschluss mancher Unternehmen widerspiegelt, neue Regionen zu erschliessen. Der Mutige geht voran.