Heavylift / Breakbulk

  • Roh-Holz oder ganze Holzhäuser mit den «Flying Whales»?

06.04.2018 Von: Andreas Haug


EPC
Artikel Nummer: 22741

Fliegende Wale und Rhinozerosse

Mit Flying Whales tritt jetzt ein französisches Luftschiffkonzept an, das im Gegensatz zu anderen über eine starre Hülle verfügt. Derweil sind Weisse Nashörner kürzlich auf konventionellere Art nach Russland gereist.


 

Auch wenn sie sich bisher noch nicht wirklich bewähren konnten, rücken Luftschiffe als Alternative für den Schwerlastverkehr in den letzten Jahren immer mehr ins Blickfeld. Ihre Vorteile liegen auf der Hand: Sie sollen sehr grosse und schwere Ladungen dort bewegen, wo es wenig bis gar keine logistische Bodeninfrastruktur gibt. Airlander 10 (vgl. ITJ Daily vom 29.08.16) oder dem Hybrid Airship (vgl. ITJ 27-30/2017, S. 13) ist gemeinsam, dass sie auf ein inneres Traggerüst verzichten. Im Gegensatz dazu versucht Aeros mit seinem Aeroscraft in Kalifornien, den amerikanischen Traum von einem neuen Starrluftschiff zu verwirklichen (vgl. ITJ 49-52/2012, Special S. 13) – und wird nun von Flying Whales, einem Konsortium unter französischer Führung, eingeholt.

 

«Die Struktur erlaubt uns, einen starken Antrieb zu installieren», erklärt Sébastien Bougon, der Präsident des zur Zeit noch bei Paris firmierenden Unternehmens. So soll das Large Capacity Airship LCA60T mit Elektromotoren, die ihren Strom aus Dieselgeneratoren beziehen, Lasten bis zu 60 t Gewicht mit einer Geschwindigkeit von 100 km/h befördern. Dank graphenbasierter Ultrakondensatoren des estnischen Investors Skeleton Technologies werden dabei nur 10% des Treibstoffs verbraucht, den Lasthubschrauber heute benötigen. Die Nutzlast der beiden grössten, des US-amerikanischen CH-47 und des russischen Mi-26, sind aber auf 11,5 bzw. 20 t begrenzt. Wie bei diesen soll die Ladung frei unter dem Rumpf hängend transportiert werden können. Zusätzlich wird das 140 bis 150 m lange LCA60T aber auch einen 75 m langen und 8 m breiten Laderaum aufweisen und damit genug Raum für Rotorblätter von Windkraftanlagen bieten.

 

 

Verwirklichung und Ende eines Traums

Im März hat nun das u.a. von der Forstverwaltung Frankreichs initiierte Luftschiff, an dem mittlerweile auch der chinesische Luft- und Raumfahrtkonzern Avic beteiligt ist, einen handfesten Schub von staatlicher Seite erfahren. Als Teil einer landesweiten Liste förderungswürdiger Zukunftsprojekte fliessen ihm seitens der französischen Investitionsbank Bpifrance 25 Mio. EUR zu. Insgesamt 61 Mio. EUR sind wohl nötig, bevor sich ein Prototyp in den Himmel erhebt, was 2021 erfolgen soll. Die Serienproduktion von langfristig rund 150 Exemplaren für den europäischen und asiatischen Markt ist dann in Istres bei Marseille geplant, unweit von Marignane, wo das Hauptwerk von Airbus Helicopters steht.

 

Von Israel nach Südrussland sind unterdessen zwei Breitmaulnashörner der südlichen Unterart geflogen. Volga-Dnepr Airlines, die vom Speziallogistiker Charter Green Light Moscow mit dem Projekt betraut wurde, setzte eine IL-76TD-90VD ein, um die grossen, aber empfindlichen Gäste von Tel Aviv nach Rostow am Don zu transportieren. Als Teil eines internationalen Schutzprogramms bewohnen sie nun einen der grössten russischen Zoos. Dieses Glück ist der nördlichen Unterart der Spezies verwehrt: Wie sogar in den Publikumsmedien zu lesen war, ist am 19. März das letzte männliche Nördliche Breitmaulnashorn in Kenia eingegangen.