Heavylift / Breakbulk

08.09.2016 Von: Christian Doepgen


Artikel Nummer: 15875

Der Mix macht’s

Dass Grösse zwar wichtig, aber nicht alles ist, erläuterte Raymond Fisch, bei BBC Chartering Senior Vice President Strategic Projects, im Gespräch mit Christian Doepgen. Es kommt auch auf Effizienz und Marktnähe an.


 

Nach den Schätzungen der Analysten wird der Schwergutmarkt bis Ende 2017 unter fortgesetzt preislichem Druck bleiben. Wie geht BBC Chartering mit diesen Rahmenbedingungen um?

Unser Ziel ist es, in erster Linie das bestmögliche Angebot von Schiffen in jedem Markt zu gewährleisten. Dadurch entsteht Mehrwert für Eigentümer wie für Frachtkunden.

 

Die Faktoren, nach denen Tonnage heute beschafft wird, haben sich verändert. Wir haben unser Strukturen entsprechend angepasst und flexibilisiert, um eine wachsende Zahl von Schiffen unter verschiedenen Vertragsarten abzubilden. Inzwischen wickeln wir mit etwa 170 Einheiten aller Grössen eine Vielzahl von Projekten weltweit ab. Um die Effizienz der Prozesse zu sichern, arbeiten wir stetig an Verbesserungen unserer strategischen Ressourcen – dem Netzwerk, der Flotte und der Dienstleistungsorganisation.

 

Wie sieht Ihre Bilanz nach über zehn Jahren Erfahrung mit Semi-

Liniendiensten (im Rahmen von Allianzen) aus? Gibt es neue Pläne?

Unser Semi-Liniendienst ist das Ergebnis unserer Bemühungen, weltweit flexible Transportlösungen für Projektladung zur See anzubieten. Unser Gesamtnetzwerk mit hoher Frequenz ist so mit der Zeit aus der Kombination von Volumenkontrakten und Einzeldiensten erwachsen. Um unser Angebot, eine Transportlösung für jeden Hafen, jede Ladung («any port, any cargo») greifbarer zu machen, haben wir den Namen «apac-service» eingeführt.

 

Als Plattform und Netzwerk hat sich «apac-service» bewährt. Denen, die diesen Ansatz als «Shared Economy» in der Schifffahrt bezeichnen, widersprechen wir nicht. Die grosse Anzahl von Mehrzweck- und Schwergut-Schiffen (MPP/HL) in unserem Netzwerk sorgt jederzeit für die bestmögliche Bereitstellung von Kapazitäten im Markt. Darüber hinaus können wir für Projekte mit besonderen Anforderungen rasch die erforderlichen Kapazitäten verlegen und einen Premium-Service leisten.

 

BBC betreibt nach der Schätzung von Dynamar die grösste Tonnage- kapazität. Wie sieht hier Ihre Politik aus?

Heute betreiben und managen wir eine Flotte von ca. 170 Schiffen mit einer Gesamtkapazität von 2,1 Mio. dwt. Die Zahlen der unabhängigen Analysen sind da nicht immer ganz aktuell. Zurzeit decken wir mit unseren MPP/HL-Flotte Ladekapazitäten von 3500 dwt bis 20 000 dwt und Krankapazitäten von 120 t bis 900 t ab. Der Grossteil der Flotte besteht aus kompakteren, flexibleren Schiffen mit hoher durchschnittlicher Krankapazität, aber auch grös-sere Schiffseinheiten sind erfolgreich in unserem «apac-service» unterwegs.

 

Im allgemeinen betreiben wir Tonnage auf Lang- und Kurzzeitbasis und reflektieren mehr oder weniger das Zeitcharter-Arbitrage-Risiko. Den aktuellen Marktbedingungen entsprechend erhöhen wir derzeit unsere Kapazitäten und begrenzen gleichzeitig unser wirtschaftliches Risiko. Konkret heisst das: keine neuen langfristigen Zeitcharter-Verträge, ein opportunistischer Ansatz bei Spotchartern und eine zunehmende Zahl von Schiffen, deren Management wir übernehmen. Wir bezeichnen dies als einen risikoeffizienten und wertorientierten Gesamtansatz im Flottenbetrieb. Für neue Allianzen und Kooperationen sind wir daher immer offen, wenn diese Mehrwert schaffen. Die Kombination unseres «apac-service» mit Premium-Schwergut-Diensten bietet Raum für Effizienzgewinne durch den bestmöglichen Einsatz der Kapazitäten in unserem Netzwerk.

 

Chipolbrok und Intermarine bringen neue Schiffe in den Markt. Welche Neubauten haben Sie geplant?

Im heutigen anhaltend schwachen Marktumfeld fallen Neubauten im MPP/HL-Segment bescheiden aus, manche angekündigten Programme wurden auf Eis gelegt oder gar gestrichen. Obwohl der Markt moderne und innovative Tonnage durchaus benötigt, bietet das niedrige Ratenumfeld kaum Motivation für Investoren. Ein angeschlagener Finanzsektor mit einer restriktiven Kreditpolitik und ein schwacher Verschrottungsmarkt kommen hinzu.

 

Dennoch engagiert sich BBC Chartering in einem wegweisenden Neubau-Programm, das massgebliche Standards für die nächste Generation von MPP/HL setzt. Zusammen mit einem Konsortiums von Eignern haben wir ein zukunftsorientiertes, umweltgerechtes Schiff mit einer Kapazität von 12 500 dwt und einer Hubkraft von 500 t entwickelt. Das Design zielt auf die Optimierung von Ladungsumschlagund Treibstoffeffizienz. Hohe Ansprüche, die die erste Einheit BBC Birte H, die im Mai 2015 vom Stapel lief, belegen konnte. Im Rahmen dieses Programms sind in den kommenden Jahren gesamt sechs Einheiten zur Ablieferung geplant.

 

Ein Kernaspekt der Schiffe ist die Hubkraft der Krane. Welche Dimension lässt sich am besten vermarkten?

Krane gehören zu den wichtigsten Komponenten für MPP/HL. Bei Neubauten gibt es einen klaren Trend zu höherer Hubkraft, die auch heutzutage benötigt wird. Wir müssen aber eingestehen, dass der Wettbewerb von älterer, weniger leistungsfähiger und günstiger Tonnage dominiert wird. In Bezug auf die erforderliche Flexibilität schätzen wir zwar, dass ein Schiff mit 500 t Hubkraft 98% aller Anforderungen im Projektgeschäft erfüllen kann, diese Flexibilität liegt preislich jedoch derzeit über dem Marktniveau. Dennoch sind wir überzeugt, dass sich der Schiffstyp mit 12 500 dwt mit 500 t Hubkraft als Arbeitstier im MPP/HL-Segment weiter etablieren wird.

 

Welche Kapazität am besten zu vermarkten ist, ist dennoch nicht eindeutig zu beantworten. Als Dienstleister liegt unser Schwerpunkt auf dem Tonnage-Mix, um damit unseren Kunden effiziente, flexible und leistungsstarke Dienstleistungen bieten zu können. Unser Service-Portfolio ist auf die gesamte Bandbreite von Transportlösungen ausgelegt, von leichter Ladung bis hin zur Schwerstladung sowie komplexen Lieferketten und Kontraktvolumina.

 

In 2016 haben Sie bislang in London und Esbjerg neue Niederlassungen gegründet. Wie sieht Ihre mittelfristige Strategie der regionalen Präsenz aus?

Unsere Kunden vertrauen uns nicht zuletzt aufgrund unserer Marktnähe. Für uns ist es eine Verpflichtung, dort zu sein, wo uns unsere Kunden benötigen. So können wir schnell und flexibel reagieren, um erforderliche Ressourcen für Projekte zur Verfügung zu stellen.

 

Im Rahmen unserer Standortpolitik decken wir Ladeumschlag und Entscheidungszentren ab. Unsere regionalen Zentralen Houston, Leer (Deutschland) und Singapur unterstützen dann unsere möglichst marktnahen, operativen Aktivitäten. So sind wir flexibel und können dennoch Kontinuität gewährleisten.

 

Welche externen und internen Qualitätsstandards messen Sie?

Qualitativ hochwertige Dienstleistung zur erbringen, ist der zentrale Wert für uns. Das Leistungspektrum, das erforderlich ist, um individuelle Transportlösungen für jede Ladung zu erbringen, bedingt einen zweckmässigen Ansatz zur Gewährleistung sämtlicher HSEQ-Aspekte, sowie ein grundlegendes Verständnis für die Komplexität des Geschäfts.

 

Unsere Flotte wandelt sich, die Besatzungen und die Eigner der Tonnage wechseln. Zudem steht jeder Transport vor einer Reihe von eigenen Anforderungen. Die Qualität definiert sich je nach Handels-, Ladungs- und Service-Anforderungen und kann daher nicht an einer Kennzahl allein festgemacht werden. Ein grosser Teil wird durch das International Safety Management (ISM) in der Qualitätskontrolle an Bord der Schiffe abgedeckt, ein anderer Teil durch das ISO-System an Land. Wir versuchen auch hier, unseren Kunden entgegenzukommen und ermöglichen kundenspezifische Audits. Hier können sich unsere Kunden vergewissern, dass wir unser Möglichstes tun, um ihren eigenen hohen Standards gerecht zu werden.