Heavylift / Breakbulk

  • Luftschiffe sollen v.a. den Schwergutmarkt aufmischen.

09.05.2016 Von: Andreas Haug


Artikel Nummer: 14540

Auftrieb für alte Schwergutträume

Aller Anfang ist schwer, mögen sich die britischen Macher von Hybrid Air Vehicles (HAV) manches Mal gedacht haben, seit sie vor fast zehn Jahren ihre Firma gründeten. Mit der im März getätigten Bestellung durch die ebenfalls englische Straightline Aviation scheint nun der Durchbruch für eine zivile Nutzung der Technologie, die Elemente von Flugzeug, Helikopter und Luftschiff verbindet, geschafft zu sein.


An den «knackigen Hintern» mögen sich manche unserer Leser noch erinnern: Vor viereinhalb Jahren (ITJ 49-52/2011, Special S. 21) schien das damals noch zusammen mit dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern Northrop Grumman vermarktete Luftschiff bei der US-Armee einzuschlagen. Nach der Revision des Verteidungshaushalts 2013 wurde dieses Projekt jedoch abgeblasen, und auch Discovery Air Innovations, ein ziviles Unternehmen, das es in der Öl- und Gas-Exploration im unwirtlichen Norden Kanadas einsetzen wollte, nahm 2012 von der Investition Abstand. Die Gründer von HAV liessen sich davon nicht beeindrucken, kauften das Material für 301 000 USD – knapp 1% des Urspungspreises – zurück, entwickelten es zusammen mit dem neuen Partner Lockheed Martin weiter und feierten 2014 die Wiederauferstehung ihres Luftschiffs als Airlander 10.

 

Sein neuer Name erklärt auch schon seine Haupteigenschaft: Mit einer Nutzlast von zunächst 10 t – in Planung ist bereits eine noch stärker Version namens Airlander 50 – soll das jetzt schon längste Fluggerät der Welt (91 x 34 m) bis zu drei Wochen am Stück in der Luft bleiben können und als ideale Ergänzung des Transportmixes dienen: Mit 150 km/h wesentlich langsamer als Hubschrauber oder Flugzeuge ist das Luftschiff sparsamer (s.o.) in Umgebungen, wo grosse und schwere Ladungen nur sehr kompliziert oder einfach gar nicht aufgenommen oder abgesetzt werden können. Straightline Aviation, die ab 2018 ihre zwölf Einheiten für 480 Mio. USD übernimmt, möchte damit den weltweiten Frachttransport «dramatisch verändern».      

 

 

 

 

Mehr zum Thema