Heavylift / Breakbulk

  • Mit dem FTV 300 können 60 m lange Flügel bewegt werden.

09.09.2015 Von: Christian Doepgen


Artikel Nummer: 11455

Einsatzraum Zentralamerika

In der heterogenen Region Zentralamerika entwickelt sich der Markt der Projektlogistik stetig, aber je nach Land in unterschiedlicher Geschwindigkeit. Wie Daco Heavy Lift de Centroamerica geschäftlich und technisch aufgestellt ist, um den Trends zu folgen, erläuterte Ralf Grosskopf im Interview Christian Doepgen.


Herr Grosskopf, wie sieht eigentlich Ihre Verbindung zu Daco Heavy Lift in Zentral- amerika aus?

Wir sind über die Dacotrans International SPF Luxemburg an der Firma beteiligt. Zunächst war Dacotrans de Centroamerica vor allem als Spedition tätig. Es folgte eine allmähliche Verlagerung der Aktivitäten zur Projektlogistik hin, weswegen wir mit der Daco Heavy Lift de Centroamerica heute Schwertransporte und Projektlösungen z.B. für komplette Industrieanlagen anbieten.

 

Was haben Sie im Rahmen der Erweiterung Ihrer Aktivitäten gelernt?

Wir haben ein erstes Projekt – der Not gehorchend – durchgezogen und praktisch alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Es handelte sich um Kessel von etwa 90 t Gewicht für eine Zuckerfabrik, das wir mit gemieteten Hydraulikfahrzeugen aus den USA transportiert haben. Das hat zwar ein Vermögen gekostet, uns aber eine wichtige Frage beantwortet: Ohne die geeignete Ausstattung an Fahrzeugen geht es nicht.

 

Welche Lehren haben Sie bezüglich der technischen Ausstattung gezogen?

Wir haben u.a. in 48 Achslinien von Goldhofer investiert, zusätzlich in Schwerlast-Zugmaschinen von Mercedes. Letzterer Hersteller unterhält in Zentralamerika eine Vertretung. Unser jüngstes Kronjuwel ist der FTV 300 «Bladelifter» von Goldhofer, den wir seit der Jahreswende 2014/2015 einsetzen.

 

Es muss aber nicht immer der letzte Schrei sein. Mit gebrauchten Zugmaschinen, von denen wir u.a. drei in exzellentem Zustand von Friderici übernehmen konnten, haben wir auch gute Erfahrungen gemacht. Die Fahrzeuge müssen vor allem vor Ort gewartet werden können.

 

Wie viel haben Sie investiert?

Ich schätze, dass wir heute mit den Fahrzeugen bei einem Investitionsvolumen von nahezu 10 Mio. USD angekommen sind. Viel vom Gewinn wird reinvestiert, da wir den Aufwind im Markt spüren und unsere Stellung verstärken wollen.

 

Wie wirkt sich die Ausstattung auf die Positionierung von Daco im Markt aus?

Wir dürfen sagen, dass wir für den mittelamerikanischen Raum südlich von Mexiko bis einschliesslich Panama mit 140 Mitarbeitern der grösste Anbieter sind. Alleinstellungsmerkmale gibt es aber nicht – heute ist jeder Auftrag umkämpft.

 

Wohin gehen die Trends im Projektmarkt in Zentralamerika?

Natürlich sieht die Entwicklung regional unterschiedlich aus. Neben Grossprojekten wie Industriewerken haben wir früh gespürt, dass die alternativen Energien, v.a. Anlagen für Windenergie, hier einen bedeutenden Aufschwung nehmen.

 

Von welchen Projekten können Sie uns im Windkraftsegment berichten?

In Costa Rica haben wir vor über zehn Jahren die ersten Module für Windkrafttürme transportiert. Vor etwa fünf Jahren waren es z. B. 50 Türme des spanischen Herstellers Gamesa nach Honduras. Auftraggeber war u.a. auch die indische Suzlon-Gruppe, für die wir Ausstattung von Dänemark nach Nicaragua verbracht haben. Dieser Markt ist ein wichtiges Standbein für uns.

 

 

Wo liegen die Schwierigkeiten?

Ich möchte es an einem konkreten Beispiel erläutern. Im Hochland von Guatemala haben wir 2014 ein Projekt für die zwölf Türme eines Windparks akquiriert. Die Infrastruktur hat sich in den meisten Ländern seit 30 Jahren kaum verbessert, und abseits der Hauptstrassen sind wir zur Ertüchtigung von Fahrbahnen und Brücken gezwungen, um Rotorblätter von bis zu 60 m Länge an den Zielort zu bringen.

 

Mit dem neuen «Bladelifter» von Goldhofer können wir die Kosten für den Strassenbau stark reduzieren, die bei einem Projekt bis 1,5 Mio. USD betragen können. Bisher sind wir regional die einzigen mit einem solchen Fahrzeug.

 

Trifft das nur für Windkraftprojekte zu?

Keineswegs. Zur Zeit sind wir an der Errichtung eines Zementwerks in San Juan de la Sacatepéquz bei Guatemala-Stadt beteiligt, das eine Kapazität von 4500 Tagestonnen erreichen soll. Für den Stahlbau werden allein ca. 1000 Lkw-Ladungen aus Mexiko herangeführt. Hinzu kommen Maschinenteile aus Europa, die bis zu 125 t schwer und 7 m breit sind.

 

Das Werk wird auf nahezu 2000 m ü. d. M. errichtet, weil dort das Rohmaterial für den Zement gefördert werden kann. Wir haben nicht nur schlechte Strassen, sondern auch Steigungen von bis zu 22% zu überwinden.

 

Arbeiten Sie mit Daco ausschliesslich aus eigener Kraft?

Nicht allein. 2013 haben wir mit einem langjährigen Kooperationspartner im Rahmen eines Aktientauschs das Unternehmen Central American Crane Company aus der Taufe gehoben. Mit dieser neuen Einheit sind wir gut beschäftigt.

 

Worin liegt der Nutzen?

Bislang hatte dieses Unternehmen Krane mit einer Hubkraft von 40 bis 120 t in Projekte eingebracht. Jetzt verfügen wir über einen gemeinsam erweiterten Bestand von Liebherr-Kranen mit 80 t und mit 400 t Hubkraft. Die Planung zum Erwerb eines Krans mit 200 t Hebefähigkeit liegt bereits auf dem Tisch, um unsere Bandbreite noch zu erweitern.

 

Zentralamerika ist nicht nur gebirgig, sondern auch weitläufig. Wie lösen Sie das Problem der Fläche?

Wir verschieben Fahrzeuge und Krane regelmässig, v.a. per Schiff, sei es auf RoRo- oder auf Containereinheiten.

 

Bis auf die vorgelagerten Inseln?

Obwohl wir hauptsächlich auf dem Isthmus tätig sind, gehen wir in unseren Einsätzen natürlich bis auf die Inseln. Neben den Cayman Inseln und der Dominikanischen Republik, auf denen wir auch tätig waren, läuft zur Zeit ein Projekt in Surinam. 16 unserer Goldhofer-Achsen sind dort für ein Dieselmotorenkraftwerk im Einsatz.

 

Wie halten Sie die Fahrzeuge in Schuss?

Über unser eigenes Wartungszentrum in Guatemala-Stadt. Neben lokalen Kräften haben wir uns für organisatorische Aufgaben beim Aufbau einer eigenen Werkstatt erfolgreich der Unterstützung von Spezialisten des SES (Senior Expert Service), Bonn, bedient.

 

Von welchem Projekt können Sie berichten, bei dem Ihnen selbst das Herz höher geschlagen hat?

Da fällt mir spontan der Transport von drei 300 t schweren Dieselmotoren ein, die für den Zielort La Chorrera bestimmt sind und in diesen Tagen in Panama auf den Weg gehen. Im Hafen von Cristóbal am Atlantik wird der Motor mittels des Schiffsgeschirrs auf einen vorbereiteten Trailer wiederum auf einen Lastkahn umgeschlagen. Der Panama-Kanal wird auf einem Schwergutponton, der von Schleppern gezogen wird, durchquert.

 

Im Pazifik geht die Reise dann in Richtung Westen. 60 km vom Kanal entfernt haben wir in einem Fischer- hafen einen Anlegersteg von 100 m Länge errichtet. Der Motor wird bei Flut angelandet, um den nötigen Tiefgang für das Schiff zu haben. Wenn bei Ebbe der Ponton auf Grund liegt, schlagen wir mittels einer mitgeführten Rampe um. Vom Hafen sind es dann immer noch 30 km bis zur Baustelle, die den eigentlichen Zielort darstellt. Für den Schwertransport haben wir allein drei Brücken abgestützt, die Strasse verstärkt und elektrische Leitungen verlegt.

 

Hier kommen alle Facetten zusammen...

...und deswegen werden wir über diesen Projektablauf einen Film drehen.

 

 

 
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