Heavylift / Breakbulk

  • 900 t senkrecht gestellt.

07.12.2016 Von: André Ballin


Artikel Nummer: 17081

Sibirische Tiger

Der Aufbau einer riesigen Petrochemieanlage in Tobolsk ist für den Konzern Sibur eine logistische Herausforderung. Beim Schwerlasttransport der grössten Objekte des Komplexes war ITJ-Korrespondent André Ballin vor Ort.


 

Über 100 m ragt die Last in den grauen Oktoberhimmel. Der Kran des niederländischen Heavylift-Experten Mammoet hat das rund 900 t schwere Modul angehoben und versucht, es nun in die Senkrechte zu bringen. Rund drei Stunden nimmt die Justierung in Anspruch, ehe die riesige Metallröhre ihren endgültigen Standort gefunden hat. «Bis zum heutigen Tag wurden bereits 114 Anlagen, darunter 23 Einheiten grosstonnagige Geräte aufgebaut», erklärt Montageleiter Denis Tarabarow anschliessend. Das Gesamtgewicht der bereits gelieferten und verbauten Schweranlagen liegt nach seinen Angaben bei 5400 t. Die für die Polymergewinnung nötigen zwei C3-Strömungsteiler sind mit je 106 m Länge, 6,80 m Durchmesser und 917 t Gewicht die grössten Einzelobjekte. Der kom- plexe Hebe- und Richtevorgang ist für sie Schlusspunkt einer vier Monate dauernde Reise.

 

Es wird auch Zeit, denn im Oktober beginnt in Tobolsk der Winter. Bald liegt der Schnee in Sibirien meterhoch, und der Fluss Irtysch friert zu. Dann ist die Chemieanlage Zapsibneftekhim für Schwertransporte nicht mehr erreichbar. Wegen dieser Bedingungen haben Planung und Vorbereitung des für Schwertransporte verantwortlichen Logistikdienstleisters Deugro Project drei Jahre gedauert.

 

Von Südkorea über Kirkenes auf die Flüsse

Der Transport selbst nahm in Südkorea seinen Anfang, wo ein grösserer Teil der Ausrüstung hergestellt wurde. Im Hafen Ulsan schiffte man die fünf grössten Module im Juni ein. Ein Spezialschiff der Arktis-4-Klasse mit zwei Heavylift-Kränen nahm die Röhren an Bord. «Durch den Indischen und den Atlantischen Ozean wurden sie zum norwegischen Hafen Kirkenes gebracht, wo sie auf vier Frachter umgeladen und durch den Ob-Busen den Irtysch hinunter bis zum Hafen in Tobolsk geschleppt wurden», skizziert Roman Maximow, Leiter des Überlandverkehrsabteilung für Schwerlastgüter bei Zapsibneftekhim, den Weg.

 

Insgesamt wurden während der zeitlich begrenzten arktischen Schifffahrtssaison 2016 rund 60 000 t an Schwerlastausrüstung aus China, Japan, Südkorea, aber auch Deutschland und Italien auf dem Seeweg nach Sibirien verfrachtet. Beteiligt an der Wasserweglogistik sind das russische Zentrale Marineforschungsinstitut, Belfreight, die Morwenna Shipping Company und die Ob-Irtysch-River Shipping Company, während Mammoet für die Landstrecke verantwortlich ist.

 

Der Seeweg dauerte rund zwei Monate, ehe die Güter im August von zwei Raupenkränen mit einer Hebeleistung von 1250 t und 750 t im Hafen von Tobolsk entladen wurden. Die rund 28 km lange Strecke vom Hafen bis zur Baustelle nahm drei Tage in Anspruch.

 

Es wurden Modulfahrzeuge verwendet, zwei Blöcke mit jeweils 16 Schwerlastachsen. Aufgrund der Überlänge lag die Geschwindigkeit bei gerade 1,5 km pro Stunde. Weitere Module wurden bis Ende November vom Hafen auf die Baustelle gebracht, dann war die Saison zu Ende. Zwar werden auch 2017 noch einzelne Schwertransporte erwartet, doch der «grösste Brocken» ist mit der Lieferung der beiden Strömungsteiler bereits jetzt schon geschafft.     

 

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