Heavylift / Breakbulk

  • Vorteile durch seine Ausstattung vor Ort geniesst Steder u.a. in Dschibuti.

09.09.2015 Von: Christian Doepgen


Artikel Nummer: 11463

Global auf gleichem Niveau

Die Auswahl der Standorte kann in der Arena der heutigen Projektvergabe bisweilen beachtliche Vorteile bringen. Gleichzeitig muss mit der Dislozierung ein für den Kunden einschätzbares Qualitätsniveau einhergehen. Wie die Steder Group aus den Niederlanden die Sache anpackt, hat Peter van Nieuwkasteele im Interview mit dem ITJ Christian Doepgen erläutert.


Peter, es fällt bei der Steder Group auf, dass das Netzwerk der Standorte den Emea-Raum abdeckt.

Tatsächlich liegen die Standorte neben Rotterdam und Antwerpen mit Konstanza, Dschibuti und Dubai in diesem Gebiet. Das beschränkt aber unseren weltweiten Einsatzraum nicht.

 

Das kleine Dschibuti am Horn von Afrika bildet den Anschluss an ganz Ostafrika, steht zu vermuten.

Wir nutzen vor allem den Korridor von Dschibuti nach Äthiopien. Neun von zehn Aufträgen gehen tatsächlich dorthin, denn wir verzeichnen einen wirtschaftlichen Aufschwung – es werden u.a. mit internationalen Geldgebern wie dem IWF viele Projekte in der Infrastruktur vorangetrieben. Die Pipeline ist mit Aufträgen gut gefüllt, wir sind zu 80 bis 90% unserer Kapazitäten ausgelastet.

 

Seit wann ist Steder dort präsent?

Anfang der 1990er Jahre haben wir als Spedition angefangen. Wir haben enge Verbindungen nach Äthiopien, u.a. als Agent der Ethiopian Shipping Lines in den Niederlanden. 8 Jahre haben wir eine Linienverbindung von der Türkei und dem Schwarzen Meer nach Dschibuti unterhalten. Aufgrund des Umbruchs im Land haben wir schliesslich 2011 einen eigenen Standort in Dschibuti aufgebaut.

 

Wir haben viel in die eigene Ausstattung investiert, zunächst in 7 Auflieger mit Zugmaschinen. Die Ashegoda Windfarm war unser erstes Grossprojekt, für die wir 54 Turbinen von Dschibuti nach Äthiopien transportiert haben.

 

2015 haben wir uns zu einem professionellen Schwergutbetrieb für Sondertransporte gewandelt. Unsere derzeit 23 Auflieger mit Zugmaschinen stocken wir in Kürze um weitere 15 auf, so dass wir Fracht bis 300 t befördern können.

 

Welche besonderen Herausforderungen erleben Sie in Äthiopien?

Die Strassenverhältnisse verlangen uns viel ab. Wir haben Steigungen bis zu 12% mit 200 t Gewicht zu bewältigen. Reifen sind unserer grösster operativer Kostenfaktor. Alle Konvois werden ausserdem von Wartungsfahrzeugen begleitet.

 

Auf welchen Transport in diesem Jahr sind Sie dort besonders stolz?

Im Juli haben wir einen Transport von sechs Transformatoren abgeschlossen. Es handelte sich dabei um vier Module von 98 t bzw. zwei mit 117 t. Letztere wiesen eine Höhe von 5,2 m auf. Nach dem Umschlag im Hafen haben wir die Transformatoren nach Gebre Guracho und Chancho in Äthiopien verbracht – über 1000 km von Dschibuti entfernt. Das Projekt wurde trotz der Regenzeit, die die Schotterstrassen beeinträchtigte, zeitgerecht abgeschlossen.

 

Wechseln wir den Standort. Warum haben Sie sich für Konstanza entschieden?

Wir nutzen die rumänische Hafenstadt als Hub für Aufträge in der ganzen Region, denn am Schwarzen und am Kaspischen Meer werden weitere Öl- und Gasvorkommen erschlossen.

 

Hat die Rohstoffkrise auf diese Tätigkeit keine Auswirkungen?

Von mangelnder Nachfrage spüren wir bislang im Bereich Öl & Gas wenig. Die laufenden Projekte werden in jedem Fall abgearbeitet, die Bohr- und Baggertätigkeit setzt sich fort. Natürlich gibt es Druck auf die Margen, aber das ist unser geschäftlicher Alltag.

 

Haben Sie auch dort eigene Assets?

Nein, wir haben angesichts des dortigen Angebots z. B. keine eigenen Schiffe. Unsere neun Kollegen, seit 2012 in Kons-tanza aktiv, kümmern sich um den operativen Ablauf und steuern die Projekte.

 

Welche Klientel bedient Steder dort?

Der Schwerpunkt unserer Tätigkeiten liegt auf internationalen Kunden mit Standorten in Konstanza. Es kommt uns entgegen, dass es auch viele niederländische Akteure im Markt gibt.

 

Wo liegen hier die Herausforderungen?

Wir sind teilweise, so bei Aufträgen im Umfeld des Kaspischen Meeres, auf die Wasserstrassen in Russland angewiesen. Witterungsbedingt stehen diese nur saisonal zur Verfügung, was viel Planungsaufwand bedeutet. Es geht aber: Kürzlich haben wir eine zerlegte Gasturbine, deren Bestandteile, insgesamt 1204 m³ Fracht, aus Norwegen, Italien und Estland zugeliefert und in Konstanza konsolidiert wurden, über das Asowsche Meer und Rostow bis nach Turkmenbaschi in Turkmenistan transportiert. Aus Rumänien steuern wir aber auch überseeische Projekte, so kürzlich das Verbringen von Bagger- ausrüstung in die Karibik – innerhalb eines Zeitfensters von nur drei Wochen.

 

Welche Rolle spielt der Standort Dubai?

Hier sind wir seit geraumer Zeit aktiv und zunächst einem Kundenprojekt gefolgt. Seit zwölf Jahren betreiben wir ein Büro, das heute im Dubai Cargo Village liegt. Die Luftfracht steht im Vordergrund, den Bereich Seefracht bauen wir zur Zeit auf.

 

Die Frage der Standorte hat eine strategische Bedeutung für Steder. Haben Sie über die bestehenden fünf Standorte hinaus dahingehende Pläne?

In der Tat wollen wir unser Netzwerk erweitern. Der Planungsstand erlaubt es uns aber nicht, diese Information zum jetzigen Zeitpunkt zu veröffentlichen.

 

Wie lautet Ihre Firmenphilosophie?

Im Hauptquartier verfügen wir über eigene Charter-Abteilungen, so dass wir mit Spedition und Projektlogistik den ganzen Dienstleistungsbereich abdecken können. Es ist nicht notwendig, einen 3PL in Aufträge mit einzubinden. Wir glauben an ganzheitliche Angebote, in-house-Lösungen und eigene Assets.

 

Eine solche Bandbreite erfordert Personal. Wie viele Mitarbeiter zählt Steder?

Im Hauptquartier in Rotterdam verfügen wir über 95 Mitarbeiter. Mit Antwerpen sind es an den internationalen Standorten weitere 65 Personen. Dazu gehört auch das Personal unseres Zollverschlusslagers in Rotterdam, die Kranführer etc.

 

Wodurch unterscheidet sich Ihrer Wahrnehmung nach Steder von den anderen Marktakteuren?

Wir bieten ein Dienstleistungsniveau, das den Standards unseres Hauptquartiers in Rotterdam entspricht – egal, wo der Auftrag ausgeführt wird. Das ist zwar aufwändig, aber ein Erfolgsrezept.

 

 

 

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