Heavylift / Breakbulk

  • Steile Strassen sind nur eines vieler Themen.

20.09.2017 Von: Christian Doepgen


Artikel Nummer: 20199

Turbinen über die Anden

Bolivien plant seit 2015, mit der technischen Unterstützung von Siemens seine Stromerzeugung bedeutend zu erhöhen und über die Grundversorgung hinaus Überschüsse für den Export zu erzeugen. Die für die Ausstattung der drei unterschiedlichen bolivianischen Kraftwerke zur Erweiterung notwendigen Teile transportiert bis 2019 Geodis nach Bolivien – unter bisweilen extremen Bedingungen.


 

Nachdem Siemens im Mai 2016 die Verträge über die Erweiterung von drei Wärmekraftwerken mit dem staatlichen bolivianischen Energieversorger Ende Andina SAM unterzeichnet hatte, wurde nunmehr Geodis mit dem Projekttransport von rund 400 Schwergutverladungen aus drei verschiedenen Kontinenten nach Bolivien beauftragt.

 

 

Extreme Bedingungen

Die räumlichen Bedingungen sind eine Herausforderung: Während das Kraftwerk Termoelectrica del Sur im Süden Boliviens nahe der argentinischen Grenze liegt, befindet sich die Termoelectrica de Warnes im Tiefland im Bezirk Santa Cruz und das Kraftwerk Entre Rio in Cochabamba, 220 km südöstlich der Hauptstadt La Paz. Die Ladung besteht aus 14 Industriegasturbinen, 11 Dampfturbinen sowie weiterer Ausstattung. Die Technik von Siemens soll die Strom- erzeugungskapazität von Boliviens nationalem Verbundnetz um 66% bzw. mehr als ein Gigawatt erhöhen.

 

Die ersten zwei Turbinen wurden bereits im April dieses Jahres in Schweden verladen. Hergestellt wurden sie im Siemens Industrial Turbomachinery Werk in Finspang, ihr gemeinsames Gewicht betrug 170 t. Die Verladung erfolgte im Hafen von Norrköping auf ein Schwergutschiff. Von dort traten sie ihre 14 000 km lange Seereise zum Hafen von Arica in Chile an. Nach der Entladung in Arica wurde die Ladung von Siemens weiter auf der Strasse zu den Kraftwerken in Bolivien transportiert. Hierzu wurden Tieflader eingesetzt, die das Material auf einer Strecke von über 1800 km bis zu ihren Bestimmungsorten beförderten.

 

Die Passage durch den Panamakanal und die Durchquerung der Anden erfolgt unter extremen Wetterbedingungen und bei Höhenlagen von bis zu 4680 m. Geodis wird insgesamt 94 Schwergut-Ladungen von jeweils rund 160 t bis zum geplanten Abschluss des Projektes im April 2019 abwickeln. Das schlecht ausgebaute Strassennetz zwischen Chile und Bolivien, das unwegsame Gelände und die extremen Wetterbedingungen gehören zu den grössten Herausforderungen, denen sich das Geodis-Team bei der Durchführung dieses Projektes stellen muss.

 

Im Pflichtenheft stehen neben Seetransport, Abfertigung in den Häfen, Be- und Entladen der Schiffe und Stras-sentransport die Versanddokumentation inklusive Einholung aller Genehmigungen. Peter Anetsberger, Geodis Regional Segment Leader for Power at Industrial Projects in Europe, erläutert: «Das Zeitfenster für die Anlieferung ist bei diesem Projekt sehr eng, und unsere Teams haben eine hohe Anzahl an Sendungen aus Deutschland, Schweden, Tschechien, Italien, Indonesien, Brasilien und China zu bearbeiten. Zudem mussten wir Stras-senarbeiten auf der Transitroute durch die Anden durchführen. Trotz dieser Einschränkungen sind wir zuversichtlich, diese Herausforderungen zu bewältigen und die von Siemens gesetzten Vorgaben zu erreichen.»

 

Das Projekt soll dazu beitragen, die Bevölkerung künftig zuverlässig mit Strom zu versorgen und eine Grundlage für einen möglichen Stromexport in die Nachbarstaaten zu schaffen.

 

Seinen Anfang nahm der Transport in der rumänischen Hafenstadt Konstanza, wo die Mitarbeiter von Rontransmar die Intercombi-Plattformwagen von Scheuerle auf einem Binnenschiff platzierten. Mit Schiffskränen wurde der 11,40 m lange, 4,20 m breite und 4,30 m hohe Transformator umgeschlagen und im Anschluss unmittelbar auf den Fahrzeugen abgesetzt.