Heavylift / Breakbulk

  • Der Rumpf der Bristol Type 170 auf den Strassen Nordneuseelands.

24.01.2018 Von: Andreas Haug


Artikel Nummer: 21775

Bullige Frachtflugzeuge

Zugegeben: Es gibt schon schräge Vögel am Logistikhimmel! Die noch nicht flugfähigen Airbus-Riesenfrachter sind die neuesten Vertreter dieser Spezies. Eine sehr viel ältere, nicht mehr fliegende Art wurde kürzlich von Neuseeland rückgeführt.


 

Fliegen kann er noch nicht und auch noch nicht einmal eigenständig fahren, aber Anfang Januar hat der neue Beluga XL wenigstens erstmals seine Montagehalle im südfranzösischen Toulouse verlassen. Vor zwei Jahren begann die Produktion des Spezialtransporters auf der Grundlage des Airbus A330-200. «Mitte 2018» soll er dann nicht nur selber rollen, sondern sogar seinen ersten Flug absolvieren, worauf sich das ganze Team freue, wie Programmchef Bertrand George erklärte. Das ist verständlich, liegt man doch schon anderthalb Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitrahmen zurück.

 

Die verlorenen Monate will man aber wieder etappenweise einholen, denn praktisch zeitgleich zum Rollout des ersten neuen «Riesenwals» wurde mit der Zusammensetzung des zweiten begonnen. Ab 2019 soll er seinen Dienst aufnehmen, und zwischen 2020 und 2025 zusammen mit insgesamt vier Geschwistern die fünf in die Jahre gekommenen Vorgänger-Belugas ersetzen. Ihr um 1 m breiterer und um 6 m längerer Frachtraum soll dann in der Lage sein, gleichzeitig zwei A350-Tragflächen zwischen den über Europa verteilten Airbus-Standorten zu transportieren. An eine andere Nutzung wird weiterhin nicht gedacht.

 

 

Rückkehr einer Legende

Ohnehin hätte Aerospace Bristol das nötige Kleingeld für den Lufttransport einer nicht mehr fliegenden Legende gefehlt. So nimmt das Luftfahrtmuseum in Südwestengland derzeit immer noch Spenden entgegen, um einer Bristol Type 170 einen würdigen Altersruhesitz zu bereiten, nachdem sie am 4. Januar im historischen Brabazon Hangar von Filton angekommen ist. Vorangegangen war eine lange Reise auf dem See- und Landweg.

 

Zwischen 1945 und 1958 baute die Bristol Aeroplane Company exakt 214 dieser heute mindestens so eigentümlich wie die Airbus-Belugas anmutenden Frachtflugzeuge mit Bugladevorrichtung, von denen aber nur noch elf erhalten sind. Das nun einzige in Europa stand vorher jahrelang auf dem Ardmore Field (AMZ) in Neuseeland, nahe Auckland.

 

Die kurze Strecke zum Hafen legte Mitte Oktober Ricks Trucking zurück. Dort übernahm Wallenius Wilhelmsen Logistics und lud das Flugzeug auf den RoRo-Frachter Talisman, der es bis nach Singapur transportierte. Hier erfolgte die Umladung auf die Tiger, die für die längste Etappe bis nach Bristol zuständig war. Für den letzten Strassenabschnitt von 15 km, der den dortigen Hafen mit dem Museum verbindet, bediente sich Kings Heavy Haulage zunächst eines Tandemkran-Einsatzes und dann eines 17 m langen Vierachs-Anhängers.