Heavylift / Breakbulk

  • Im Kongo liegt ein Schwerpunkt der Tätigkeiten, so A. Luyckx und D. Keller.

21.09.2018 Von: Christian Doepgen


EPC
Artikel Nummer: 24559

Vereinte Kräfte in Afrika

Vielleicht in keinem Bereich der Logistik wird die Verfügbarkeit erfahrener Fachleute so wichtig wie im Break Bulk- und Projektgeschäft. Mit der Fracht AG und Polytra treten seit Jahresmitte 2018 zwei Akteure geschlossen auf, die über Personal mit Erfahrung und Infrastruktur rund um den Kupfergürtel im Kongo und in Sambia verfügen. Das Netzwerk in Ost- und Südafrika wird derzeit ausgebaut.


 

Die Nachfolgefrage wird gerade in einem erfolgreichen Unternehmen oft zur Schicksalsfrage. Für Maurice Velge, der seit 1974 die Geschicke des Afrika-Spezialisten Polytra in Antwerpen lenkt, ging sie jedoch unerwartet gut aus. «Selten habe ich einen so raschen und ununterbrochenen Verlauf der Verhandlungen erlebt», schildert Amaury Luyckx, der CEO von Polytra, im Gespräch mit dem ITJ die Verhandlung mit der Fracht AG aus Basel.

 

Das Zusammentreffen von Velge mit Ruedi Reisdorf von der Fracht AG, einem ebenfalls inhabergeführten Unternehmen, brachte den Durchbruch. Luyckx fährt fort: «Von der ersten Begegnung der Verantwortlichen bis zum Abschluss der Transaktion haben wir weniger als ein Jahr Zeit gebraucht.» Dabei wird im Gespräch zu verstehen gegeben, dass Velge für das Unternehmen mehr hätte erlösen können, wenn er es in verschiedene Assets aufgeteilt und veräussert hätte. Aber genau das Gegenteil schwebte ihm für sein Lebenswerk vor. Seit Ende Juni 2018 bilden also die beiden Firmen eine Einheit, Polytra bleibt als Marke erhalten und sein Team an Bord.

 

 

Personal entscheidend

Die Fortführung der bewährten Linie als mittelständisches, familiengeführtes Traditionsunternehmen mit Verantwortung für Kunden, Aktivitäten und Mitarbeiter ist das eine. Der Aufbau einer gemeinsamen Strategie für zwei Unternehmen, die u.a. ihre Position in Afrika als Projektlogistiker strukturell integrieren und ausbauen wollen, ist das andere.

 

«Entscheidend ist es, die richtigen Leute an Bord zu haben», schildert Dominik Keller, Direktor für internationale Geschäftsentwicklung der Fracht AG, seine Erfahrungen. «Unser wichtigster Trumpf sind die erfahrenen Mitarbeiter», bestätigt Luyckx, «viele sind bereits 15 bis 20 Jahre bei uns im Geschäft. Ihre Mitarbeit ist entscheidend, denn wir verkaufen eine Dienstleistung, keine spezielle Aufgabenstellung.» Neben den Fachleuten vor Ort sind auch die im Hauptquartier in Antwerpen und Basel wichtig, denn sie haben die Vogelperspektive über alle Vorhaben.

 

 

Aufstellung in Afrika

Auch wenn die Marken Polytra und Fracht AG nicht jedem im globalen Logistikgeschäft geläufig sind, trifft dieser Umstand definitiv nicht für den afrikanischen Kontinent zu. «Hier sind wir eine grosse Nummer», unterstreicht Keller. Man unterhält Büros entlang des bekannten «Kupfergürtels», der Minen- und Industrieregion, die sich durch Sambia bis in die Demokratische Republik Kongo (DRC) hineinzieht und eines der grössten Abbaugebiete für Kupfer und Kobalt weltweit ist.

 

Die Herausforderungen sind angesichts der gros-sen Distanzen zwischen den Bergwerken und den Häfen, teilweise unzureichender Infrastruktur und den zahlreichen Grenzübergängen nicht zu unterschätzen. Projektlogistik und Zollabwicklung stehen im Mittelpunkt der Aktivitäten von Polytra und Fracht AG. «Unser Stärke besteht darin, Erfahrung auf diesem afrikanischen Terrain mit europäischen Qualitätsstandards zu verbinden», erläutert Luyckx das eigene Erfolgsrezept. Bei den grossen Verladern, u.a. Glencore, Samsung u.a. ist das Unternehmen als Dienstleister auditiert und gelistet. Es sind nicht allzu viele Konkurrenten, die bei diesem komplexen Geschäft mithalten wollen und können.

 

Auch für andere Akteure wie z.B. chinesische Firmen übernimmt man einzelne Aufgaben, denn dort «fehlt teilweise das Know-how für das Clearing der Ware», wie Luyckx den eigenen Wissens- und Erfahrungsvorsprung auf den Punkt bringt.

 

 

Strategie der fünf Korridore

Die Förderung von Kupfer und Kobalt steht vor einem neuen Aufschwung, Der Preis von Kobalt hat sich in den vergangenen zwölf Monaten von 54 500 auf aktuell 88 500 USD pro Tonne erhöht – ein Plus von mehr als 60%. Mitte März 2018 hat der Preis sogar die Marke von 94 500 USD pro Tonne überschritten. Zum Vergleich: Vor drei Jahren schwankte der Preis noch um 30 000 USD.

 

Zur Zeit stellen Polytra und Fracht AG den Transport von ca. 40 000 t Kupferkobalt sicher, davon gehen 10 000 t ins Exportclearing. Die Förderung wird sich angesichts der Preisentwicklung des Rohstoffs dynamisch entwickeln. «Wir rechnen mit einem Gesamtvolumen von etwa 1,6 Mio. t Kobalt, die im Jahr 2019 im Kupfergürtel gefördert werden», schätzt Luyckx die künftigen Rahmenbedingungen ein.

 

Um seinen Teil vom Kuchen zu vergrössern, baut Polytra/Fracht AG konsequent seine Strategie aus, die Rohstoffzentren über fünf Korridore erreichen zu können. «Wir sind an jedem wichtigen Grenzübergang vertreten», schildert Josef Lenherr, Berater der Fracht AG und Afrika-Kenner, die derzeitige Situation. Der wichtigste Korridor läuft über den Hafen Dar es Salaam in Tansania, über den fast 80% der Exporte abgewickelt werden. Daneben sind die Häfen von Durban in Südafrika, Walvis Bay in Namibia und Beira in Mosambik Umschlagplätze, die per Schiene und Strasse bedient werden. Wo man nicht über eigene Lagerplätze oder Terminals verfügt, ist man - z.B. in Durban – mit den grossen Stauereien vor Ort liiert. Als hochwertige Ware wird das Schüttgut containerisiert und lückenlos per GPS über Tracking & Tracing-Lösungen überwacht. «Sicherheit spielt eine grosse Rolle, und wir können sie dem Verlader bieten», zeigt sich Lenherr selbstbewusst.

 

Daneben befindet sich der Korridor zum Hafen Lobito in Angola noch im Aufbau, der vollständig über die Schienenverbindungen abgedeckt werden soll. «Mit eigenen Lagerplätzen und der vollumfänglichen Lizenz für den Umschlag sind wir hier strategisch gut für die Zukunft aufgestellt», macht Luyckx die eigenen Erwartungen für diese kommende Strecke deutlich.

 

 

Bedingungen vor Ort meistern

Der Aufwand in Transport und Logistik darf nicht unterschätzt werden. «Die Distanzen zu den Häfen sind gewaltig», weiss Keller, «und die Formalitäten bei den Grenzübertritten komplex.» So bestehen derzeit Auflagen beim Transport auf der Schiene bis Lobito, dass die Güterzüge nur mit einer Geschwindigkeit von 10 km/h und einer Maximallast von 40 t pro Waggon fahren dürfen. Zudem wird das rollende Material teilweise nur zur Verfügung gestellt, wenn auch Ladung für die Rückfahrt bereitsteht.

 

«Die Importgeschäfte für die Minen entwik-keln wir weiter», berichtet Lenherr, «so ist u.a. der Bedarf an Schwefel gross.» Es kommen auch weitere Importgüter in Frage. Auf diesem Feld soll u.a. das im September neu errichtete Kontaktbüro im südafrikanischen Johannesburg seinen Teil beitragen. Hier verfügt die Firmengruppe über eine entwickelte Infrastruktur für Projektlogistik und einen engen Draht zu Partnern wie der südafrikanischen Transnet.

 

 

Neue Wege in Afrika

Neben der Vertiefung bestehender Verbindungen macht sich die Firmengruppe Fracht AG/Polytra gleichzeitig auf den Weg, neue Märkte zu er-schliessen. «Ein strategisch wichtiges Büro in Ruanda, das bereits vor der Übernahme geplant war, haben wir kürzlich eröffnet», schildert Keller die weitere Stossrichtung. Als Gateway Richtung DRC

 

kann das Land noch bedeutend werden, ebenso wie das benachbarte Burundi, das aber noch Krisengebiet ist. «Eine Schienenverbindung von Kigali in Burundi nach Tansania auf der gleichen Spurbreite wird für uns wichtig werden», prophezeit Lenherr neue Verkehrswege, die auch Richtung Kongo von Belang sein werden. «Ein neuer Korridor in Ostafrika ist um so interessanter für uns», erläutert Luyckx, «weil Polytra seine Agentur in Ruanda kürzlich verstärken konnte.» Historisch ist in der Region zwar die Güterverbindung nach Mombasa gebräuchlich, aber der Transport nach Dar es Salaam, wo sich ein eigener Terminal befindet, ist eine Zukunftsoption.

 

Hier will man aber nicht stehen bleiben. «In naher Zukunft wollen wir unsere Präsenz durch Niederlassungen in weiteren afrikanischen Ländern in der Region ausdehnen», so Keller. Dabei macht er deutlich, dass das Geschäft in Afrika vor allem «asset-based» funktioniert, d.h. die Investition in eigene Terminals notwendig ist, um entsprechende Geschäfte gewinnen zu können. Dies macht in Ostafrika besonders Sinn, «wo der Markt noch lange nicht gesättigt ist», wie Luyckx unterstreicht. So kann man beispielsweise an dem erneut dynamischen Öl- und Gasgeschäft angesichts der seit 2011/2012 entdeckten Vorkommen vor Ostafrika partizipieren, u.a. beim Transport und der Zulieferung für Pipelines oder Raffinerien.

 

Keiner der Beteiligten verschweigt, dass vor Ort eine Menge Probleme zu lösen sind und dass es für den sensiblen Nischenmarkt in Afrika «eines eigenen Frühwarnsystems bedarf», so Lenherr, um sich auf Überraschungen einstellen zu können. Zur Zeit arbeitet man z.B. daran, den Terminal in Lubumbashi in Haut-Katanga, DRC, besser auszulasten. Die wirtschaftlichen Aussichten recht- fertigen die Anstrengungen.

 

 

Breites Portfolio

Die eigene Tätigkeit im afrikanischen Projektgeschäft kennt dabei keine Grenzen. So ist man z.B. im Projekttransport in Angola zur Zeit bei Zulieferungen für neue Wasserkraftwerke involviert. In Südafrika werden zahlreiche Infrastrukturprojekte vorangetrieben und auch die Solarenergie gefördert, was wiederum für Fracht AG/Polytra neue Geschäfte eröffnet hat. Auch Westafrika stellt keine Terra incognita dar, wo im Rahmen von Brownfield-Projekten zahlreiche Flächen umgenutzt und neue Industrien angesiedelt werden. «Am Transport der ganzen Palette an Ausrüstung für diese Projekte – grosse Förderanlagen, Zerkleinerungsmaschinen, Schüttlader etc. – haben wir unseren Anteil», führt Keller aus. Im Niger wiederum wickelt das Firmenkonglomerat die Zulieferung für grosse Bewässerungsprojekte ab.

 

Am Potenzial Afrikas bestehen dabei keine Zweifel. «Afrika wird noch stärker als ehemals wie Phönix aus der Asche aufsteigen», ist sich Luyckx sicher. Die Fracht AG/Polytra wird ihr Netzwerk weiter verstärken, um die Dienstleistungen für ihre Kunden auszubauen.

 

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