Heavylift / Breakbulk

  • Die Verladung von Ölbohrmaterial Anfang Februar in Kalifornien.

05.05.2015 Von: Andreas Haug


Artikel Nummer: 10169

Wenn Zeit Geld ist

Paul Furlonger kennt die AN124 fast von der ersten Stunde an, arbeitet für Ruslan seit ihrer Gründung 2006 und hofft, dort bis zum Ende seines Berufslebens zu bleiben. «Langlebigkeit» ist eine Eigenschaft, die das Unternehmen und seine Services treffend beschreibt.


Herr Furlonger, Ruslan fliegt in ihr zehntes Betriebsjahr. Wie verlief die Reise?

Indem wir die AN124 der beiden wichtigsten Betreiber, unserer Muttergesellschaften Antonov Airlines und Volga-Dnepr Airlines, effizienter einsetzen, d.h. die Wartungskosten verringern, die Lebensdauer verlängern und Kunden freie Kapazitäten vermitteln, haben wir das erste Etappenziel erreicht. Der zweite Schritt besteht darin, die Konformität des Fluggeräts mit bestehenden und zukünftigen Vorschriften zu sichern. Unser letztes Bestreben ist, dereinst eine verbesserte Version der AN124 in Serie herzustellen.

 

Lassen dies die Geschäftszahlen zu?

Auch wenn wir nicht immun gegenüber den globalen Wirtschaftstrends sind, war Ruslan doch jedes Jahr profitabel. Da der Umfang friedenserhaltender Missionen, die wegen der Beschaffenheit der AN124 immer schon wichtig für uns waren, zuletzt verringert wurde, ging unser Umsatz im letzten Geschäftsjahr zurück, wobei wir weiterhin Gewinne machten. Wir erwarten, dass die allmählich genesende Weltwirtschaft, die relative Euroschwäche und der niedrige Ölpreis zu steigenden Exporten von hochtechnologischen Industrie-Erzeugnissen aus Europa und damit einem höheren Kostenvorteil bei der Nutzung unseres Fluggeräts führt. Davon dürfte unser Geschäft profitieren.

 

Was steht konkret für dieses Jahr an?

Wir wollen unsere Marke stärken und mit neu eingestellten Marktspezialisten noch besser auf die jeweils besondern Bedürfnisse unserer Kunden eingehen.

 

Können Sie überhaupt mit einer Stimme sprechen? Ruslans Basis befindet sich ja in London und ihre Anteilseigner sitzen in Russland und in der Ukraine...

Die aktuelle politische Situation hat kaum einen Einfluss auf unser Geschäft. Aus­serdem verstehen wir uns als eine multinationale Gesellschaft, die Menschen mit ganz verschiedener Herkunft beschäftigt. Unser globaler Ansatz bestärkt uns darin, dass wir trotz mancher Krisen irgendwo auf der Welt weiterhin erfolgreich sind.

 

Was machen Sie anders als Ihre Wettbewerber – und gibt es diese überhaupt?

Die einzigen AN124, die im letzten Vierteljahrhundert ununterbrochen kommerziell verfügbar waren, waren jene von Antonov und Volga-Dnepr, die seit neun Jahren von Ruslan gemanagt werden. Andere Betreiber kamen und gingen. Dies spricht in meinen Augen sowohl für die hohe Wertigkeit unseres Angebots als auch für die Fähigkeit des Flugzeugs selbst. Ein Einzelstück fliegt sonst noch bei Maximus aus den VAE. Die umfangreiche Flotte der russischen Luftstreitkräfte enstpricht zu grossen Teilen nicht allen aktuellen Ansprüchen hinsichtlich des Geräuschpegels und der Navigation. Darüber hinaus scheiden sie als eigentlich militärisches Fluggerät von vornherein bei den meisten Ausschreibungen aus.

 

Ihre Schwergutkunden kommen aus verschiedenen Branchen. Wie werden sie ihren jeweiligen Ansprüchen gerecht?

Man könnte meinen, ein Charterflug ist halt ein Charterflug. Aber es kommt sehr selten vor, dass wir identische Packstücke über einen längeren Zeitraum auf derselben Strecke transportieren. Wir sind davon überzeugt, dass Wohl und Wehe eines Projekts davon abhängen, ob man den Kunden versteht, sein Vorhaben und seine Aktivität kennt und weiss, warum er für seine Sendung den Luftweg wählt.

 

Und warum sollte man den denn wählen?

Luftfracht allgemein und übergrosse Luftfracht im Besonderen werden des Preises wegen oft als letzte Zuflucht genutzt, insbesondere von den Firmen, die normalerweise auf dem Seeweg transportieren. Entscheidend ist jedoch folgender Punkt: Ja, dieses Transportmittel ist vergleichsweise teuer, aber es kauft Ihnen Zeit – das einzige Gut, dass man nicht wiedererlangen kann. Somit ist die Kostengleichung viel komplexer als die blosse Gegenüberstellung des Preises pro kg für den Charter per Schiff oder per Flugzeug.

 

Was ist das Geheimnis des lange anhaltenden Erfolgs der AN124?

Es gibt einfach keinen besseren, schnelleren und einfacheren Weg, um übergrosse und -schwere Stücke von und zu jedem Ort der Welt zu transportieren. Kein anderes ziviles Flugzeug ist mit front- und rückseitigen Laderampen, internen Laufkranen und eigenen Gewinden ausgerüstet. Mit Ausnahme ihrer grösseren Schwester AN225 kann keine andere Maschine Einzelstücke mit mehr als 100 t Gewicht, 6 m Breite oder 4 m Höhe aufnehmen. Hinzu kommt, dass die AN124 so wenig Bodenunterstützung benötigt wie kein anderes Flugzeug. Dieses genial einfache Design hat dem Luftfrachtmarkt einen ganz neuen Sektor eröffnet, von dem Verlader und von Katastrophen heimgesuchte Menschen rund um die Welt profitieren. Derartige Flüge seit dem armenischen Erdbeben im Dezember 1988 verschaffen dem AN124-Einsatz die grösste Genugtuung.       

 

 

 

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