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  • Helmut Kaspers, QFZA representative and head of logistics

16.04.2019 Von: Christian Doepgen


Artikel Nummer: 27358

Regionale Drehscheibe

Nicht nur der nahenden Fussball-WM wegen will Katar seine See- und Logistikkapazitäten ausbauen sowie internationale Investoren in der Region ansiedeln. Mit Helmut Kaspers, Repräsentant der QFZA und Head of Logistics, sprach Christian Doepgen.


 

 

Herr Kaspers, warum steigen Sie nach 30 Jahren, u.a. bei Kühne+Nagel, Logwin, Schenker und Ceva, in Katar ein?

Diese neue Aufgabe hat mich gereizt, nachdem ich lange operative Einheiten von bis 10 000 Mitarbeitern geführt habe. Nun kann ich bei der Geschäftsentwicklung der Katar Freihandelszonen (QFZA) meinen Beitrag leisten.

 

 

Katar hat sich viel vorgenommen...

In der Tat. Es geht um eine Gesamtstrategie, die zeitgleich den Neuaufbau und die Ansiedlung von Industrien, auch zur Substitution von Importen, sowie die logistische Infrastruktur schaffen will. In den letzten Jahren sind fast 70 Mrd. USD in Infrastruktur-Projekte geflossen. Derzeit werden zwei Freizonen entwickelt, eine in der Nähe des internationalen Flughafens und die zweite mit direktem Zugang zum Hafen – die auch auf Mittelständler ausgerichtet sind. Die Perspektive reicht dabei nicht bis 2020, sondern bis ins Jahr 2030.

 

 

Was ist das logistische Kernziel?

Das Emirat liegt nicht an einem Kreuzungspunkt grosser Schifffahrtslinien liegt. Katar stellt sich anders auf als die global Player. Man hat aufgrund Lage, Infrastruktur und dem Rahmen für Investoren die Chance, sich als Drehscheibe für Kuwait, Irak, Iran, der Türkei, Zentralasiens, Ostafrika und Teilen Indiens zu positionieren.

 

 

Welche Hausaufgaben sind gemacht?

Im Hafen von Hamad ist die Erweiterungsstufe II abgeschlossen und die darauf folgende bereits beschlossene Sache. Unternehmen, die sich in einer der Freihandelszonen niederlassen möchten, können jetzt Investitionshilfen aus einem zuvor angekündigten Fonds in Höhe von 3 Mrd. USD beantragen. Die Investitionen greifen ineinander – mit dem Willen, mehr Exporteure nach Katar zu holen.

 

 

Wie sieht Ihre Aufgabe darin aus?

Es geht um zahlreiche Aufgaben: Einzelne Sektoren im Aufbau begleiten, internationale Spediteure zu Investitionen zu ermutigen oder konkrete logistische Themen wie den Ausbau des papierlosen Zollsystems in Doha voranzutreiben.

 

 

Welche Investoren sucht Katar?

In der Diversifikation jenseits von Öl & Gas ist die Strategie u.a. auf «Edel-Sektoren» ausgelegt. Das sind u.a. die Player, die viel Energie für ihre Produktion brauchen oder und regionale Absatzmärkte sehen. Das trifft u.a. für viele medizinische Produkte zu.

 

 

Was bietet Katar neben Geld?

Die politische Sicherheit in Katar ist ebenso wenig zu unterschätzen wie die stabile  Rechtsgrundlage für Investoren. Die geografische Lage macht für viele Player Near-sourcing and Near-selling möglich.

 

 

Wie sieht es derzeit konkret aus?

20% der Gesamtfläche sind bereits erschlossen, sogar ein paar Palmen stehen bereits. Wir erwarten in 12 bis 18 Monaten die Entscheidung grosser Firmen über ihre Ansiedlung. In der Geschäftsentwicklung wird das Team von 65 Leuten stetig um Repräsentationen in Europa und den USA erweitert. Wir verzeichnen Anfragen aus dem asiatischen Raum,
Japan und Korea, auch aus der Logistik.