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  • Foto: Vectorys

Von: Andreas Haug


Artikel Nummer: 42612

Die Wegbereiter

Im Gespräch mit Nabgha Salem, Vectorys. Der franko-tunesische Logistikdienstleister Vectorys geht nicht nur dahin, wo es für andere kompliziert ist. Was ihn persönlich antreibt, ein regionaler Global Player zu sein, schildert Präsident und Eigentümer Nabgha Salem.


Herr Salem, wie wurde Vectorys mit Ihnen zu dem Unternehmen, das es heute ist?

Vectorys ist aus dem auf den Transport zwischen Frankreich und Nordafrika spezialisierten Unternehmen Organisation Transports Internationaux (OTI) entstanden, dessen Generaldirektor für Tunesien ich 18 Jahre lang war. Als die neuen Eigentümer der Muttergesellschaft STE ihr Interesse an OTI Tunisie verloren, habe ich 1996 zusammen mit den zwei bisherigen Mitinhabern – die sich 2015 komplett zurückgezogen haben – das Ruder übernommen. Ich bin zwar ein ausgebildeter Ingenieur, aber im Herzen ein Unternehmer.

Spiegelt sich das im neuen Unternehmensnamen wider?

Wendepunkt war 2008, das als Jahr der Krisen gilt. Auch wir waren gezwungen, unser Geschäft zu diversifizieren, nachdem der Anteil des Automotive-Bereichs des Unternehmens von 95 auf 40% gefallen war. Wir haben diesen Moment jedoch als Chance begriffen, und die Schaffung unserer eigenen Marke soll eine gewisse Dynamik ausstrahlen. Vectorys drückt die Botschaft aus: «Wir sind der regionale Global Player im Mittelmeerraum!»

Wann ging es über Frankreich und Nordafrika hinaus?

2011, als wir in Italien ein KMU mit 25 Mitarbeitern und 3 Mio. EUR Jahresumsatz übernommen haben. Unter Gruppen-Generaldirektor Fabio Mandirola ist aus Vectorys Italia ein Unternehmen mit 45 Mio. EUR Jahresumsatz geworden. Insgesamt strebt Vectorys an, 2022 die Marke von 100 Mio. EUR zu überschreiten.

Welche Rolle spielt Ihr eigentlicher Heimatmarkt?

75% unseres Geschäfts hat mit Tunesien zu tun. Unser neuestes Logistikprojekt im Land ist beispielhaft für unseren Marktansatz: So sind wir nämlich dabei, die 30 000 m2 Lagerfläche, die wir derzeit über Tunesien verstreut haben, an einem einzigen Ort zu bündeln, der mit 100 000 m2 Fläche auf Wachstum vorbereitet und verkehrstechnisch bestens erschlossen ist. Wir sehen uns als «Wegbereiter» und wollen die international gängige Servicequalität in diesem Land heimisch machen. Dabei bleiben wir immer im engen Kontakt mit unseren Kunden.

Das klingt nach einer Floskel...

...ist es aber nicht. Wir bilden nämlich die gesamte Lieferkette von Tür zu Tür selbst ab – und das mit einem Personal, das der Firma treu ist und sich zu grossen Teilen seit 15 bis 20 Jahren für sie engagiert.

Was sind die künftigen Stossrichtungen Ihrer Teams?

Ein grosses Geschäftsfeld der Zukunft öffnet der E-Commerce. Das ist aber noch neu in Nordafrika, und so bauen wir unter der Leitung meines Sohnes Khalil den Bereich von Beginn an auf. Wir bereiten das Feld vor, was nicht einfach ist, aber dafür sind wir die Ersten.

Auch geografisch sind wir häufig da, wo Standardprozesse nicht greifen, und können so die wirklichen Global Player ergänzen. In Marokko, wo die Logistikbranche reifer als in Tunesien ist, sind wir in Casablanca und Tanger präsent und beginnen nun mit der Miete von Lagerfläche.

In Malta sehen wir uns auf dem Weg zur Marktführerschaft im Verkehr mit Europa. In Ägypten starten wir selbst, und in Algerien sowie Libyen haben wir Partner. Darüber hinaus führen wir Versuche durch, im frankophonen Westafrika Fuss zu fassen.

 

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