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  • MSC bringt es für Antwerpen.

06.11.2015 Von: Björn Helmke


Shipping
Artikel Nummer: 12202

Antwerpen überflügelt Hamburg

Eine Trendwende war im ersten Halbjahr 2015 in den grossen Containerhafen in der Nordsee zu beobachten. Antwerpen und Rotterdam bauen ihre Position zu Lasten der deutschen Seehäfen aus. Die Fernost-Allianzen spielen dabei eine wichtige Rolle. Aber auch die Russland-Krise macht den Hamburgern schwer zu schaffen.


Es hatte etwas von einem Erdrutsch an sich, was sich im ersten Halbjahr 2015 an den grossen Containerterminals an der Nordsee abspielte. Während sich die Antwerpener Terminals über ein Umschlagplus von 9,5% freuten, verlor Hamburg im gleichen Zeitraum 6,8% seines Containerumschlags.

 

Antwerpen (4,83 Mio Teu) löste damit Hamburg (4,5 Mio. Teu) als zweitgrösster europäischer Containerhafen ab. Und das in einem Gesamtmarkt, der sich –Rotterdam, Bremerhaven, Zeebrügge und Wilhelmshaven eingeschlossen – mit einem Wachstum von einem Prozent als ziemlich stabil erwies.

 

Hoher Seegang

Was ist also los an der Nordsee? «Die Bewegung bei den Reeder-Allianzen war eindeutig vorteilhaft für Antwerpen», analysiert Luc Arnouts, Chief Commercial Officer des Port of Antwerp. Ein wesentlicher Wachstumsfaktor war die Strategie der 2M-Allianz, in der die weltgrössten Reedereien Maersk und MSC zusammenarbeiten. MSC verlegte seine Aktivitäten im Fernostgeschäft von der rechten auf die linke Schelde-Seite im Deurganckdock und nutzt diesen Hub intensiv für Transshipment, aber auch für Hinterland-Mengen. Dem Vernehmen nach soll auch eine zweite Allianz in Antwerpen kräftig zugelegt haben: Die Ocean3-Allianz, in der CMA CGM, China Shipping und die arabische UASC kooperieren. Alle drei Reedereien sind auch gute Hamburg-Kunden.

 

Trendwende im Transhipment

Vor allem der Transhipment-Umschlag scheint sich von Nord nach West verlagert zu haben, wie ein Blick in die Hamburger Umschlagbilanz beweist: Hamburg verlor 20% seiner Transshipment-Mengen, während der Umschlag auf die Landverkehrsträger Bahn und Lkw sogar um 2,3% wuchs. Die Zahlen verstärken die Nervosität in der Hansestadt in Bezug auf die Elbvertiefung, über die in den nächsten Wochen voraussichtlich das Bundesverwaltungsgericht entscheidet. «Ein besonders grosses Containerschiff könnte nach einer Fahrrinnenanpassung einkommend und ausgehend bis zu 1800 beladene Container (Teu) mehr transportieren», sagt HHM-Vorstand Axel Mattern. Dies würde Hamburg auch für Transshipmentmengen wieder attraktiver machen.

 

Der Ost-Verkehr lahmt

Ein weiterer Grund für die mässige Entwicklung in Hamburg ist die Russland-Krise. Allein dieses Geschäft brach um mehr als 35% ein – die russischen Häfen sind nach China die wichtigsten Partner Hamburgs.

 

Deutlich weniger dramatisch als in Antwerpen und Hamburg verlief die Umschlagsentwicklung in den anderen gros-sen Containerhäfen: Der Marktführer Rotterdam gewann 3,5% und lag im ersten Halbjahr bei 6,4 Mio. Teu. Mit einem Minus von 3,5% müssen die Bremischen Häfen (2,74 Mio. Teu) leben. Neben der allgemeinen wirtschaftlichen Situation mussten die Bremer einen schweren Unfall im North Sea Terminal Bremerhaven (NTB) verdauen, der vorübergehend die Umschlagkapazitäten reduzierte. Ausserdem gerieten die Terminals in Bremerhaven in den Sog des Nachbarterminals in Wilhelmshaven, der mit 200 000 Teu erstmals wahrnehmbar auf der Landkarte der Containerterminals auftauchte. Zeebrügge verlor deutlich Mengen an die anderen Westrangehäfen.

 

Keine guten Aussichten

Im zweiten Halbjahr wird sich die Entwicklung tendenziell in allen Containerhäfen nach unten orientieren. Gerade die Schwäche im Fernostverkehr, die sich vor allem im Sommer durch Streichung von Abfahrten bemerkbar machte, wird keinen Standort verschonen.