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20.02.2013

Artikel Nummer: 66

Die drei Japaner dämpfen ihren Optimismus - Die Realität gewinnt die Oberhand

Die drei japanischen Reedereikonzerne Mitsui O.S.K. Lines, Ltd. (MOL), Kawasaki Kisen Kaisha, Ltd. («K» Line) und Nippon Yusen Kaisha (NYK) rücken von ihrer optimistischen Einschätzung für das Finanzjahr 2012 ab.


Noch im Juli, zu Beginn des zweiten Quartals des japanischen Finanzjahres, gingen die drei grossen Reedereien Japans, NYK, «K» Line und MOL, trotz roter Zahlen in ihren Ergebnissen davon aus, dass sich die Lage aufgrund ihrer Massnahmen zur Kostensenkung bald verbessern würde. Diese Erwartungen haben sich nicht bestätigt. Vielmehr mussten die Reedereien ihre Vorausschätzungen für 2012 teilweise dramatisch nach unten korrigieren.

So geht MOL mittlerweile davon aus, zum Ende des Geschäftsjahres anstatt eines Reinertrags von 3 Mrd. JPY (37 Mio. USD) einen konsolidierten Nettoverlust von 24 Mrd. JPY (knapp 300 Mio. USD) zu verbuchen. Von der Zahlung einer Zwischendividende sieht MOL daher ab. Auch «K» Line wird vorerst nichts ausschütten. Das Unternehmen prognostizierte im Juli einen Reinertrag von 8 Mrd. JPY (100 Mio. USD) für das Geschäftsjahr 2012. Inzwischen ist nur noch von 2 Mrd. JPY (25 Mio. USD) die Rede, immerhin ein Unterschied von 75%. Noch extremer sieht es bei NYK aus. Japans grösste Reederei erwartete nach Ende des ersten Quartals noch einen Reinertrag von 20 Mrd. JPY (250 Mio. USD) für 2012, nun hat sie ihre Prognose auf lediglich 1 Mrd. JPY (12,5 Mio. USD) gesenkt. Dennoch wird das Unternehmen eine Zwischendividende von 2 JPY (0,025 USD) pro Aktie auszahlen.

 

Ratenerhöhung war nicht nachhaltig

Die Gründe für diese veränderten Erwartungen sind die altbekannten. «Die Raten für Capesize- und Panamax-Schiffe haben einen absoluten Tiefpunkt erreicht», erklärt ein Sprecher von MOL. Zudem bricht die Zahl der Anlieferungen neuer Massengutschiffe alle Rekorde und verschärft so nach seinen Worten das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage in diesem Segment noch weiter. Hinsichtlich der Öltanker sieht die Situation zwar etwas besser aus, aufgrund der verringerten Nachfrage in der Sommersaison konnte dieser Geschäftsbereich die Verluste in den anderen Segmenten aber nicht auffangen. Und auch die Frachtraten im Containerbereich sinken wieder. Sah es im Frühling noch so aus, als könnten neue Zusammenschlüsse und die Praxis des «super slow steamings» das Ratenniveau verbessern, so ist spätestens seit Ende des Sommers klar, dass diese Entwicklung nicht nachhaltig war.

 

Fernost–Europa-Strecke macht Sorgen

Den Containerlinien macht insbesondere ein Rückgang des Ladungsvolumens auf der Hauptstrecke zwischen Fernost und Europa zu schaffen, das wirkt sich auf die Raten aus. Trotz Rettungspaketen für Krisenländer in der Eurozone lassen sowohl die Nachfrage nach Konsumgütern als auch Investitionen in Europa insgesamt nach. Strenge Sparauflagen und unsichere Arbeitsmärkte hinterlassen hier ihre Spuren. Der Markt in den USA bietet den Reedereien derzeit ebenfalls wenig Anlass für Optimismus. Zwar hat die US-Notenbank im September eine dritte Runde geldpolitischer Massnahmen verkündet, um die Wirtschaft des Landes anzukurbeln. Wie es weiter geht, ist aber noch schwer abzusehen. Das Wirtschaftswachstum in China nimmt ebenfalls ab.

 

Trübe Aussichten für Q3 und Q4

Die Marktbedingungen insbesondere für die Containerschifffahrt sind also nach wie vor schlecht. Die drei Unternehmen sind sich einig: es ist bis zum Ende des Finanzjahres nicht mit einer Verbesserung zu rechnen. Weitere Neuanlieferungen werden einen hohen Druck auf die Frachtraten haben und es ist anzunehmen, dass sich der Trend sinkender Frachtraten daher weiter fortsetzt. Zwar sind die Aussichten für das Segment der Öltanker und der Massengutschiffe für das Winterhalbjahr besser. Ein starker Yen sowie steigende Bunkerpreise bereiten den Japanern jedoch zusätzliche Sorgen. Im Containerbereich wird die Strategie sein, weitere Rationalisierungen vorzunehmen. Das bedeutet eine erneute Reduzierung von Abfahrten sowie eine Neuorganisation von Fahrtgebieten. Mit diesen Massnahmen wollen die Reedereien einen erneuten Anlauf starten, um das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage auszubalancieren. In wie weit diese Mittel helfen werden, die Ergebnisse für den Jahresabschluss zu verbessern, bleibt abzuwarten.

 

 

www.nykline.co.jp

www.mol.co.jp

www.kline.co.jp

 

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