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20.02.2019 Von: Andreas Haug


Artikel Nummer: 26544

Brasilianer werden US-Amerikaner

Das dürfte US-Präsident Donald Trump eigentlich nicht gerne hören. Doch das von Correios lancierte Programm Compra Fora («Kaufe auswärts») kommt neben brasilianischen E-Commerce-Kunden zunächst v.a. US-Unternehmen zugute. Als Startrampe dient der Flug­hafen Miami, in dessen Umkreis vor zwölf Monaten eine weitere Aussenhandelszone eingerichtet worden ist (vgl. ITJ 21-22/2018, S. 40).


Ende Januar hat Correios, das staatliche brasilianische Postunternehmen, in der Hauptstadt Brasilia Compra Fora vorgestellt. Durch ihre Anwesenheit unterstrichen Carlos A. Gimenez, der Bürgermeister des Countys Miami-Dade, und Lester Sola, der Direktor des Flughafens Miami International (MIA), warum die Grossstadt im Süden Floridas auch als «nördlichste Metropole Lateinamerikas» gilt. Denn das neuartige Programm erlaubt Sendungen von Artikeln jeder Grösse, die online irgendwo auf der Welt erworben wurden, via MIA zu fliegen, dort durch Correios vorab zolltechnisch behandelt zu werden, um dann als innerbrasilianische Fracht eingeführt zu werden. Wofür ein brasilianischer Kunde im E-Commerce bisher Wochen oder gar Monate warten musste, soll so innerhalb von wenigen Tagen geregelt sein.

 

 

38% des Luftfrachtanteils

Die Wahl von Correios fiel auf MIA als ersten Partner, weil er als führender US-Flughafen 38% des gesamten Luftfrachtverkehrs zwischen den beiden Ländern konzentriert. Für MIA ist Brasilien der grösste internationale Markt mit jährlich mehr als 1,5 Mio. Reisenden und einem Handelswert von 12 Mrd. USD.

 

In das neue Programm sind zunächst die zwei lokal ansässigen Logistikdienstleister Sinerlog USA und Interport Logistics eingebunden. Produkte, die von im Programm Compra Fora in Brasilien registrierten Kunden gekauft wurden (Abb. unten 1), werden zunächst in der Interport-Anlage, die sich in der Aussenhandelszone befindet, eingelagert. Nach der Inspektion und Entzollung erhalten sie das Correios-Etikett und werden nach Brasilien weitergeflogen, wo sie ins nationale Verteilnetz eingespeist werden. Compra Fora erlaubt brasilianischen Kunden zudem, ihre eigene postalische Netzadresse in den USA zu haben (2), ihre Sendungen zu terminieren und zu sammeln, um Kosten zu sparen (3), allfällige Steuern oder Zuschläge zu zahlen und ihre Bestellung über das System Sinerlog Safety Tracker zu orten (4).

 

 

Zusammenarbeit zahlt mit Zukunft

Die Unterzeichnung eines Partnerschaftsabkommens zwischen der Luftfahrtabteilung von Miami-Dade und der Brasilianischen Flughafenbehörde 2006 wird als ein Grundstein für die Entstehung von Compra Fora gesehen. «Ich bin sehr froh, dass diese Initiative nach vielen Jahren harter Arbeit verwirklicht wird», erklärte Jose «Pepe» Diaz, Chairman des International Trade Consortiums, der mit einem weiteren Boom des bilateralen Lufthandelsaufkommens rechnen darf. Die Marktforscher von Statista gehen davon aus, dass der Wert der lateinamerikanischen Transaktionen im E-Commerce von 29,8 Mrd. USD 2015 auf 64,4 Mrd. USD dieses Jahr wachsen wird. Als grösste Volkswirtschaft Lateinamerikas entfielen auf Brasilien 2018 geschätzt 65% dieser Einkäufe.