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  • Logistik-Start-ups in Deutschland, Österreich und der Schweiz:

13.03.2018 Von: Claudia Behrend


Forwarding & Logistics
Artikel Nummer: 22353

Disruptoren verändern die Logistik

Immer mehr Start-ups bringen frischen Wind in die Logistik. Dies und die zunehmende Digitalisierung zwingen die bestehenden Unternehmen dazu, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken und agiler zu werden. Für Investoren bieten die aufstrebenden Logistik-Unternehmen attraktive Anlagemöglichkeiten.


«Der Siegeszug der digitalen Transformation in der Logistik ist unaufhaltsam. Ob Frachtvermittlung, Transportverfolgung, Sicherheit oder Abrechnung – es gibt flächendeckend für alle Bereiche der logistischen Wertschöpfung schon heute datenbasierte, intelligente Lösungen mit hoher Qualität», sagt Joris D’Incà, Partner und Logistikexperte bei der international tätigen Strategieberatung Oliver Wyman. Wieviele Gründungen es derzeit in der Logistik und in der maritimen Wirtschaft gibt, zeigt die US-amerikanische Plattform Angellist: Allein für die Schifffahrt verzeichnet das Netzwerk derzeit 498 Start-ups, im Supply Chain Management sind es sogar 652 Unternehmen.

 

 

Startkapital ist Risikokapital

Ein weiterer Indikator ist der grosse Einsatz von Kapital. 2017 wurden rund 3,5 Mrd. USD in Logistik-Start-ups investiert. Dabei gingen rund 90% an amerikanische und asiatische Start-ups. Dies ermittelte Oliver Wyman Anfang Februar in ihrer jährlichen Marktanalyse. Die Finanzierung der digitalen Newcomer erfolgt bisher zu einem grossen Teil durch Risikokapitalgeber. Deren Taschen sind zum einen nach wie vor gut gefüllt. Zum anderen gilt das Interesse zunehmend der mit einem Gesamtwert von etwa eine Billion USD starken Transportbranche, wie ein paar Beispiele zeigen.

 

 

Flexport ist Spitzenreiter

So hat die 2013 gegründete digitale Containerspedition Flexport bisher 201,6 Mio. USD Risikokapital erhalten und Ende vergangenen Jahres sogar ganz real ein Frachtflugzeug gechartert. Der israelische Betreiber des Online-Transportpreis-Marktplatzes Freightos bekam bislang immerhin 52,7 Mio. USD. Und das ebenfalls aus Israel stammende Start-up Shipchain gab im Januar bekannt, 30 Mio. USD für den Aufbau einer Fracht-und Logistikplattform auf Basis der Blockchain-Technologie Etherium aufgebracht zu haben. Zudem konnte die Benchmarking-Plattform für Seefrachtraten Xeneta aus Norwegen bis dato 20,5 Mio. USD einsammeln. Der 2014 gegründete Mitbewerber von Flexport und Freightos, die vollautomatische Frachteinkaufsplattform Haven mit Niederlassungen in Singapur, San Francisco und Basel wurde bisher mit Venture-Capital in Höhe von 13,8 Mio. USD finanziert.

 

Spitzenreiter bei den Investitionen sind laut Oliver Wyman allerdings zwei chinesische Unternehmen, die Milliardenbeträge für die Entwicklung ihrer Konzepte erhielten. «Davon sind wir im deutschsprachigen Raum weit entfernt», erläutert Max-Alexander Borreck von Oliver Wyman. Immerhin: Der Digital-Spediteur Freighthub aus Berlin kam auf 20 Mio. EUR, sein Mitbewerber Instafreight, ebenfalls aus der deutschen Hauptstadt, konnte sich bereits über 8 Mio. EUR freuen. Auch die Zahl der für die Branche relevanten Start-ups in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Oliver Wyman zufolge 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 33% von zuvor knapp 40 auf mittlerweile über 60 deutlich gestiegen.

 

 

Etablierte Anbieter ziehen nach

Wie gross der Handlungsdruck für die etablierten Logistikunternehmen ist, zeigen deren zunehmenden Aktivitäten, von sich aus die Digitalisierung ihres Kerngeschäfts in Angriff zu nehmen oder eigene Start-ups für diese Aufgabe ins Rennen schicken.

 

Beispiele dafür sind die marktführende Container-Reederei Maersk, die mit Twill eine eigene Digitalspedition ins Leben gerufen hat und die weltweit drittgrösste Linien-Reederei CMA CGM, die kürzlich an ihrem Unternehmenssitz in Marseille das Start-up-Zentrum Ze Box gegründet hat. Der Logistikdienstleister DB Schenker nutzt für seine digitale Frachtbörse Drive4Schenker indes die Technologie des US-Start-ups UShip, an dem sich der Konzern beteiligt hat. Fiege kooperiert für die Entwicklung von wahrnehmungsgesteuerten Kommissionierrobotern mit dem Münchner Unternehmen Magazino.