News

  • Wie digital wird die Zukunft der Schifffahrt?

16.04.2018 Von: Claudia Behrend


Shipping
Artikel Nummer: 22700

Mensch als Risikofaktor?

Die Schifffahrt ist nach Erhebungen nur teilweise zum technologischen Wandel bereit. Besorgnisse gibt es hinsichtlich der jüngsten Beispiele der Cyberkriminalität und fehlender rechtlicher Regelungen für unbemannte Schiffe.


Die maritime Wirtschaft wird sich aufgrund der technologischen Entwicklungen in den kommenden Jahren fundamental verändern. Wie die Akteure in der Schifffahrtsindustrie die Auswirkungen einschätzen, haben das britische Institute of Marine Engineering, Science and Technology (Imarest) und die weltweit agierende Kanzlei Clyde & Co im Rahmen einer Befragung von 220 Führungskräften kürzlich untersucht.

 

 

Smart Shipping setzt sich durch

Dass Smart Shipping, beispielsweise für das Routing anhand von Wetterdaten, die Reiseplanung, den Treibstoffverbrauch, die Emissionskontrolle und die vorausschauende Wartung in der Schifffahrt bereits in zehn bis fünfzehn Jahren eingesetzt werden, glauben 48% der Befragten. 75% gehen davon aus, dass die damit verbundenen digitalen Technologien einen Einfluss auf ihr Geschäft haben werden. Erwartet wird auch, dass Smart Shipping die Mannschaft unterstützen und die Leistungsfähigkeit des Schiffs und der Flotte verbessern wird. Die grösste Herausforderung für die Schiffseigner ist dabei, ein grundlegendes Leistungsniveau als Massstab festzulegen, anhand dessen die Verbesserung durch neu eingeführte Systeme gemessen werden kann.

 

Als wichtigste Hürden werden Anforderungen an die Infrastruktur, Gefahren durch Cyberkriminialität und die Vereinbarkeit mit neuen und bestehenden rechtlichen Regelungen sowie offene Haftungsfragen angesehen. Insgesamt wird sich Smart Shipping nach Einschätzung der Befragten zwar nicht auf die Zahl der Mitarbeiter, wohl aber auf die Fähigkeiten und Kompetenzen auswirken. Zugleich wird befürchtet, dass das operative Wissen zu Lasten digitaler Instruktionen abnehmen könnte.

 


Branche noch nicht bereit für unbemannte Schiffe

Ebenso wie beim Smart Shipping, gehen auch in Bezug auf unbemannte Schiffe 48% der Umfrageteilnehmer davon aus, dass diese in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren implementiert werden. Allerdings halten 77% der Befragten die Häfen und die Hafenbehörden und immerhin noch fast zwei Drittel (63%) die Branche in Bezug auf die Infrastrukturanforderungen für unbemannte Schiffe für nicht vorbereitet. Mit 51% der Befragten ist zudem knapp die Hälfte der Ansicht, dass die Besatzungen nicht über die erforderlichen Fähigkeiten verfügen, um unbemannte Schiffe zu betreiben und zu warten. Obwohl Cyber-Risiken als unausweichlicher Nebeneffekt des technologischen Fortschritts anerkannt werden, hält mehr als die Hälfte der Befragten diese im Zusammenhang mit neuen IT-Lösungen für beherrschbar.

 

Zugleich befürchten 68% der Befragten, dass unbemannte Schiffe ein grösseres Wagnis für die Cyber-Sicherheit darstellen als herkömmliche. Grösstes Risiko dabei: der Mensch, sei es durch Fehler oder bewusste Angriffe. Für Unsicherheit sorgen darüber hinaus bei 64% der Umfrageteilnehmer offene Haftungsfragen. 59% der Befragten stimmen darin überein, dass die Vorschriften in diesem Zusammenhang verwirrend sind. 

 

Mehr zum Thema