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Von: Frank Stier


Artikel Nummer: 41571

Provozierter Stau

Störung im türkisch-bulgarischen Grenzverkehr.   Nahrungsmittel sind aktuell knapp und teuer. Um so unverständlicher ist der Wechsel eines Veterinärdienstleisters an der südlichen EU-Grenze. Es wird Korruption vermutet.


Im grenzüberschreitenden Güterverkehr zwischen der Türkei und Bulgarien ist es kürzlich am Grenzübergang Kapitan Andreewo erneut zu massiven Beeinträchtigungen und langen Lkw-Schlangen gekommen.

Grund dafür war, dass die Bulgarische Agentur für Lebensmittelsicherheit (BABH) am 20. Mai 2022 der Firma Euro Lab ihren Vertrag zur sanitär-veterinären Prüfung von Nahrungsmitteltransporten gekündigt hat.

Sie wirft dem Unternehmen unrechtmässige Geschäftspraktiken vor. Eurolab führt seit zehn Jahren am grössten türkisch-bulgarischen Grenzübergang die phytosanitäre Kontrolle und Bearbeitung der Dokumentation durch.

Seinerseits hat Eurolab-Eigentümer Vasil Dimitrow bereits im Mai 2022 in einem offenen Brief geklagt, seit vergangenen Februar wolle ihm ein der Regierung nahe-stehender Oligarch sein Geschäft wegnehmen. Einem Mittelsmann seines Widersachers habe er in einem Telefonat aber erklärt, «dass ich vertragliche Beziehungen zu über 700 Importunternehmen unterhalte, einen Mietvertrag mit BABH für die Räumlichkeiten habe, in denen ich arbeite, und dass ich nicht die Absicht habe, meine Arbeit aufzugeben.»

Seitdem seien die Eurolab-Mitarbeiter Schikanen der staatlichen Behörden ausgesetzt, gibt Dimitrow an. Inzwischen sind in der Presse Berichte aufgetaucht, die den neu ernannten Direktor des bulgarischen Instituts für Lebensmittelsicherheit, Hristo Daskalow, der Korruption in diesem Fall beschuldigen.

Nach Aussage des Abgeordneten der Regierungspartei «Wir setzen den Wandel fort» (PP) Michal Kambarew passieren jährlich etwa 1,8 Mio. t Lebensmittel den Grenzübergang Kapitan Andreewo. Sie seien nicht nur für Bulgarien, sondern für Europa bestimmt. Ihre Kontrolle werde nun von Inspektoren der BABH vorgenommen.

Dies führte zunächst dazu, dass entnommene Proben zur Prüfung erst nach Sofia transportiert und die Dokumentation wieder zurück nach Kapitan Andreewo gebracht werden müsse. Dadurch erhöhte sich der Zeitaufwand von durchschnittlich einer Stunde auf bis zu 16 Stunden. Inzwischen gibt es Meldungen, dass die BABH die Proben nurmehr provisorisch vornehme, um den Grenzverkehr nicht zu verzögern.

 

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