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  • Freuen sich über die Einigung: M. Bubendorf und M. Fausel (rechts).

27.07.2017 Von: Christian Doepgen


Artikel Nummer: 19578

Logischer Übergang

Das Geschäftmodell der Reedereiagenturen hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Dass es in der Schweiz funktionieren kann, belegt die aktuelle Einigung zwischen Ozean und Agility, Muttergesellschaft von Natural Shipping, zur Übernahme der ACL-Vertretung. Michael Bubendorf und Marek Fausel sprachen hierzu mit Christian Doepgen.


 

Meine Herren, Glückwunsch zur Vereinbarung Ihrer Häuser, die ACL-Vertretung von Natural Shipping an Ozean abzutreten. Wie ist es dazu gekommen?

Fausel: Für Natural Shipping haben wir den Kontakt mit Ozean Brokerage & Shipping gesucht – und sind sofort auf offene Ohren und Interesse an der ACL-Vertretung gestossen.

 

  Bubendorf: Als aktive Vertretung von Grimaldi freuen wir uns über die Chance, mit ACL den achten Prinzipal in unser Portfolio aufnehmen zu können. Ab dem 1. August sind wir offiziell operativ.

 

 

Wie sieht die Vereinbarung aus?

Fausel: Wir wollten eine Lösung, die dem Markt, der Reederei und den Mitarbeitern gerecht wird. Das ist gelungen.

 

Bubendorf: Franco Forlin und seine Kollegen bringen zusätzliche Expertise in unser Team – und wir haben mit ACL glücklicherweise keinen Konflikt mit einem bestehenden Prinzipal.

 

 

In welchem Kontext ist diese Entscheidung zur Reedereivertretung zu sehen?

Bubendorf: Es herrscht mehr Druck im Kessel als früher. Bei sinkenden Frachtraten der Reeder ist das Geschäftsmodell auf Effizienz und Synergien angewiesen.

 

Fausel: Agility möchte sich klar auf ihre Kernaktivitäten konzentrieren, die See- Luft-, Landfracht- und Logistikdienstleistungen. In unserem strategischen Ansatz steht insbesondere die Spezialisierung auf Branchenlösungen (Pharma, Nutrition, Retail, Machinery) im Vordergrund.

 

 

Wie hat sich das Geschäft verändert?

Fausel: Die Hanjin-Pleite hat die Volatilität des Marktes vor Augen geführt, und die Konsolidierung der Reeder hat sich auch bei den Agenten widergespiegelt.

 

Bubendorf: Es gab drei Arten von Reaktionen – manche Reedereien haben eine eigene Vertretung aufgemacht, andere das Modell vollständig aufgegeben. Und Dritte wiederum haben die Tätigkeit an Profis ausgelagert.

 

 

Wie hat der Reeder reagiert?

Bubendorf: Wir waren bereit, dem Reeder gegenüber Zugeständnisse bei der marktgerechten Anpassung der Kommission zu machen. Dafür wurde aber das uns zugeteilte Kontingent erhöht – und wird sich bis zum 1. August verdoppeln.

 

Fausel: Wir haben die verfügbare allocation immer voll auslasten können und sehen eine stetig steigende Nachfrage.

 

 

Von welcher Ladung sprechen wir?

Bubendorf: Es handelt sich um werthaltige Ladung in guter Durchmischung, so um Reefer, Breakbulk etc. Für ein kleines Land wie die Schweiz bestreiten wir einen überproportional hohen Anteil des Frachtaufkommens der Reederei.

 

Fausel: Dieses Beispiel zeigt, dass die Schweiz nach wie vor ein Agentenmarkt ist. Das wurde lange anders gesehen.

 

 

Welches Profil gewinnt Ozean dadurch?

Bubendorf: Wir dürfen sagen, dass Ozean heute mit Nischenplayern eine weltweite Abdeckung anbieten kann. Zum 1.8. 2016 haben wir z.B. die Stream Lines Agentur übernommen. Je weniger unterschiedliche Ansprechpartner, desto mehr Nutzen für den Kunden.

 

Fausel: Wir freuen uns, dass die Kollegen in ein produktives Umfeld wechseln und sich auch durch die personelle Kontinuität die Möglichkeiten für die Marktpartner weiter verbessern.

 

 

Sie haben in den Tagen der Due Diligence eine ungewöhnliche rasche Entscheidung gefällt. Was war die Grundlage?

Bubendorf: Wir haben die Chance erhalten, unser Portfolio und unser Team zu erweitern. Warum sollten wir diese gute Gelegenheit auslassen, wenn noch dazu die Chemie passt?

 

Fausel: Die Lösung erscheint allen logisch – auch dem Reeder. So war eine sachliche Einigung, also ein «friendly handover», in kürzester Zeit möglich.

 

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