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  • Fabrice Panza (r.) mit Teammitgliedern.

Von: Andreas Haug


Artikel Nummer: 41368

Die Branche nutzt die Krise

Im Gespräch mit Fabrice Panza, Manager Global Cool Chain Solutions, Etihad Cargo.   2022 werden wahrscheinlich doppelt so viele Impfstoffe gegen Covid-19 produziert als letztes Jahr – und 40% davon per Flugzeug verteilt. Fabrice Panza erklärt ITJ-Redaktor Andreas Haug, wie die Luftfracht allgemein und Etihad Cargo im Besonderen zum Vorteil der Logistikkette und der Endkunden zusammenrückt – getreu dem Ratschlag Winston Churchills, keine Krise ungenutzt verstreichen zu lassen. Der Franzose ist seit 1998 in der Luftfahrt tätig und verantwortet nach über 20 Jahren bei Air France seit zwei Jahren die Entwicklung der auf verderbliche Güter ausgerichteten Produkte von Etihad Cargo.


Herr Panza, was hat sich seit 2020 bei Etihad Cargo im Pharmabereich getan?

Binnen zwei Jahren wurde das gesamte Luftfrachtgeschäft von Etihad Airways umgeformt. Für die Verdreifachung unseres Pharmavolumens gegenüber 2020 spielen aktive und passive Kühlkettenlösungen eine entscheidende Rolle.

Neu und für eine Fluglinie ungewöhnlich ist unser Engagement im Hope Consortium [vgl. ITJ 11-12/2021, S. 6], in dessen Rahmen wir den Vortransport zum Lager in Abu Dhabi sowie die globale Weiterverteilung von medizinischen Gütern übernehmen. So haben wir innerhalb von 18 Monaten eine Viertelmilliarde Impfdosen gegen Covid-19 in ca. 40 Länder transportiert. Dass diese Impfstoffe nur 30% unseres Pharmavolumens ausmachen, spricht für die Effizienz der vergleichsweise kleinen Etihad Cargo.


Was liegt für Etihad jetzt unmittelbar an?

Wir haben in eine neue Pharma-Infrastruktur investiert, die im Juni den Betrieb aufnehmen wird. Darüber hinaus dehnen wir die Verwendung von thermischen Abdeckungen der neuesten Generation auf unser ganzes Netz von 70 auf den Pharmatransport spezialisierten Stationen aus.


Wie steht es um die digitale Dimension?

Da arbeiten wir an einer Art «Pharmakorridor 2.0», der einen Sendungsstatus komplett digital nachverfolgbar macht. Das erlaubt uns, zu jeder Zeit die tatsächlichen Daten über Standort und Temperatur einer Sendung abzurufen, sie mit dem vorgesehenen Status zu vergleichen und bei Abweichungen sofort korrektiv einzugreifen. Starten wollen wir auf der Strecke Abu Dhabi–Brüssel.


Ist diese Lösung innerhalb der Fluglinie selbst entwickelt worden?

In den letzten Jahren wurde das Wort «Kooperation» mit Leben gefüllt. Beispiele bei uns sind das Hope Consortium und die Interessenvertretung Pharma.Aero, mit deren anderen Mitgliedern wir uns gezielt ausgetauscht haben. Ergebnisse waren die Bildung dieses Korridors, aber auch die Gründung der Pharma Supply Chain Master Class mit einem zweiten Jahrgang im September in Abu Dhabi. Hier tauschen sich Forschung und Industrie direkt aus und entwickeln konkrete Projekte, z.B. auf den Gebieten KI oder Verpackung.


Welchen Stellenwert hat der von Ihnen verantwortete Bereich bei Etihad Cargo?

Der Anteil des Geschäfts mit temperaturempfindlichen Gütern ist seit 2020 um zehn Prozentpunkte auf 20% der gesamten Tätigkeit von Etihad Cargo gewachsen.


Welche «frischen» Neuigkeiten haben Sie sonst noch zu berichten?

Auch für verderbliche Güter richten wir ein exklusives Lager ein und generalisieren den Einsatz von thermischen Abdeckungen. Wie bei Pharma setzen wir auf Compliancy und haben uns nach CEIV Fresh zertifizieren lassen. Zuletzt kam CEIV Live Animals hinzu, was uns zu einer der ersten Fluglinien mit dem Iata-Trio «Pharma», «Fresh» und «Live Animals» macht.

 

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