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20.02.2013

Artikel Nummer: 54

Nach Pannenserie bleiben B787 vorerst am Boden Das «Dreamliner»-Desaster

Von Entsetzen wie «Ein Alptraum» bis Häme wie «Gut für Airbus» reicht die Palette der Reaktionen auf das Grounding des neuesten Boeing-Modells – Zeit für Fakten zur Einordnung dieses Langstrecklers mit den gestutzten Flügeln im Frachtgeschäft.


Seit dem 17. Januar ist keine B787 mehr am Himmel. Über dem als «modernstes und energiesparendstes Flugzeug» angetretenen «Dreamliner», dessen Reichweite und Frachtraum (137 m3) ihn auch für die Logistikindustrie attraktiv macht, wurde ein weltweites Startverbot verhängt. Es ist das erste Mal seit 1979 und der DC-10, dass alle Flugzeuge eines bestimmten Typs am Boden festgehalten werden.

In welcher Flotte flog die B787 schon?

Auf Premierenkunde All Nippon Airlines, der das erste Modell am 25. September 2011 mit dreieinhalb Jahren Verspätung eingeflottet hat und heute mit 17 Stück über die meisten der 50 bislang übernommenen Einheiten verfügt, folgten Japan Airlines (sieben), Air India und United Airlines mit je sechs, Qatar Airways (fünf), Ethiopian Airlines (vier), LAN Airlines (drei) und LOT (zwei). Weitere sollen aufgrund der Vorkommnisse und bis zu ihrer vollständigen Klärung nicht ausgeliefert werden, wie Boeing am 18. Januar mitteilte.

 

«Des einen Leid, des andern Freud»?

Es war zu lesen, dass Airbus aus der Pleite Kapital schlagen könnte. Das Image des US-Flugzeugproduzenten ist sicher angekratzt, aber es bleibt abzuwarten ob sein europäischer Konkurrent von seinen Fehlern profitieren kann. Und Geduld ist sicher angebracht, immerhin hat Airbus die Entwicklungszeit des in seinen Eigenschaften vergleichbaren Modells, des A350, immer wieder nach hinten korrigiert. Das stiess zwar bei seinen Kunden  auf Kritik, aber wenn es hilft, die von Boeing gemachten Fehler zu vermeiden...

 

Wie geht es weiter?

Die meisten Kunden, die das rund 200 Mio. USD teure Modell bestellt, aber noch nicht übernommen haben – insgesamt stehen noch 799 Lieferungen aus –, bekräftigen wie Aeromexico ihre Absicht, an den Zusagen festzuhalten. Qantas schraubt die Zahl der Bestellung herunter – aber nur um eine Einheit. Zu glatten Stornierungen kann es kommen, sollte sich die offizielle Untersuchung mehrere Wochen oder gar Monate hinziehen. Manche Betreiber wie Air India und LOT prüfen bereits die Forderung auf Schadenersatz wegen des Flugverbots. Dann wäre der Ausfall für Boeing auch materiell zu beziffern. Immerhin: Menschen bei keinem «Dreamliner»-Einsatz zu Schaden.

 

www.boeing.com

 

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