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  • Die Ladekapazität ist begehrt, der Job in der Fahrerkabine weniger.

14.09.2018 Von: Marco Wölfli


Intermodal / Strasse
Artikel Nummer: 24318

Ohne Truck geht nichts

Sie beflügeln sich gegenseitig. Die Lkw-Branche profitiert von der florierenden Wirtschaft in den USA, dieser Boom ist allerdings nur dank den Millionen von Fahrzeugen möglich, die letztes Jahr 70% der gesamten Gütermenge von A nach B gebracht haben.


 

Kaum ein Land auf der Welt ist derart durch Symbole geprägt wie die USA. Neben den Skylines der Metropolen, und Naturmomumenten wie der Grand Canyon gehören endlose Highways mit chromstahlverzierten Trucks zu den stärksten Bildern, die das Land verkörpern. Allerdings bröckelt diese kolportierte Truck-Romantik. Schlechte Arbeitsbedingungen, Fahrermangel und eine ungewisse Zukunft sind die Probleme der Gegenwart.

 

 

Über 700 Mrd. USD Umsatz

Ein Blick auf nüchterne Zahlen zeigt aber auch, dass die amerikanische Lkw-Welt sich trotzdem in einer robusten Verfassung befindet. Gemäss dem jüngst veröffentlichten Jahrbuch «American Trucking Trends» der American Trucking Association (ATA) erwirtschaftete die Branche im Jahr 2017 einen Umsatz von 700,1 Mrd. USD. Das ist ein Plus von 3,5% gegenüber dem Vorjahr und nahe am Rekordjahr 2015 (719,3 Mrd. USD). Insgesamt flossen fast 80% der gesamten Transportkosten, die in den USA anfallen, in Lkw-Transporte.

 

Für dieses Geld transportierten die Trucks 10,7 Mrd. t Fracht. Das sind 70% der gesamten inländischen Gütermenge. Auch im grenzüberschreitenden Güterverkehr haben die Strassentransporte eine dominante Stellung. Richtung Mexiko waren es im Jahr 2017 69,1% und Richtung Kanada 57,7%. Für ATA-Präsident Chris Spear unterstreicht der Report die Stärke der amerikanischen Lkw-Branche: «Strassentransporte sind die treibende Kraft hinter unserer starken Wirtschaft.Dank der sicheren und zuverlässigen Lkw-Branche können Unternehmen ihre Lagerbestände tief halten und somit viel Geld sparen.»

 

 

Wenig Frauen, viele offene Jobs

Die ATA beschäftigt sich aber nicht nur mit den erfolgreichen Indikatoren der Truck-Welt, sondern auch mit den Schwierigkeiten. Zu den drängendsten gehört, wie auch in Europa, der Fahrermangel. Laut dem Verband fehlen in den USA 63 000 Trucker und mittlerweile macht sich auch eine Lücke bei den Mechanikern bemerkbar. Derzeit sind 7,7 Mio. Personen in der Lkw-Branche tätig, knapp die Hälfte (3,5 Mio.) sitzt hinter dem Lenkrad. Den Vorstellungen entsprechend, ist Lkw-Fahrer nach wie vor ein männerdominierter Beruf, so liegt der Frauenanteil bei 6,2%. Der Mangel an Fahrern, die Güter durch das Land transportieren, dürfte sich künftig noch verschärfen – zumindest so lange sich selbstfahrende Trucks noch nicht durchgesetzt haben. Amerikanische Transporteure investieren nämlich zyklisch und kaufen reihenweise neue Lkw.

 

 

Kaufrausch im Juli

Das Fachportal FTR Transportation Intelligence berichtete kürzlich, dass im Juli 29 000 neue Fahrzeuge bestellt wurden. Der Sommermonat ist in dieser Hinsicht traditionell der schwächste, dieses Jahr jedoch haben sich die Bestellungen gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Über das ganze Jahr gesehen, bestellten die Transportunternehmen 350 000 neue Trucks. Mit Ausnahme des Juni lagen die Bestellungen in jedem Monat höher als im Jahr 2017. Besonders gefragt waren laut FTR Kühltransporter, allerdings habe nach dem eher schwachen Juni auch die Nachfrage nach normalen Trailern wieder zugenommen.

 

Die Analysten gehen davon aus, dass diese Entwicklung, wie auch die Nachfrage nach Gütertransporten, auch im 2019 anhält. Es sei deshalb möglich, dass einige Bestellungen bereits vorgezogen werden, weil in ein paar Monaten ein Engpass befürchtet wird.

 

 

Der geschützte Lkw-Markt

Freude an den vielen neuen, bestellten Trucks haben logischerweise auch deren US-Produzenten, wobei das Länderkürzel quasi ein Pleonasmus ist. Auf den Highways zwischen Atlantik und Pazifik sind nämlich praktisch ausschliesslich Fahrzeuge aus heimischer Produktion unterwegs. Dies hat einen einfachen Grund: Importierte Lkw und Pick-ups sind in den USA mit Zöllen von 25% belegt, deutlich mehr als in Europa.

 

Wenn sich nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage die Preise für Lkw erhöhen, könnte der boomende amerikanische Markt plötzlich auch für europäische oder asiatische Hersteller interessant werden.