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  • Das P3-Netzwerk soll mit 255 Schiffen operieren.

19.07.2013 Von: Antje Veregge


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Artikel Nummer: 2513

P3 wirbelt den Markt auf

In der Containerschifffahrt zeichnet sich eine Trendwende ab: Die drei branchengrössten Unternehmen Maersk Line, MSC und CMA CGM wollen ihre Aktivitäten ab kommendem Jahr in einer gemeinsamen Allianz koordinieren und so für bessere Ergebnisse sorgen.


Die Top Drei der Containerschifffahrt Maersk Line (Dänemark), MSC (Schweiz) und CMA CGM (Frankreich) haben im Juni mit ihrer Meldung, sich zu einer langfristigen Allianz zusammenzuschliessen, die Branche aufgerüttelt (siehe ITJ Daily breaking news vom 19.07.13). Ihr sogenanntes P3-Network soll mit 255 Schiffen 29 Dienste anbieten und über eine Kapazität von gesamthaft 2,6 Mio. TEU in den Verkehren im Transatlantik, Transpazifik und zwischen Asien und Europa verfügen. Davon wird Maersk 42%, MSC 34% und CMA CGM 24% zur Verfügung stellen. Die drei Unternehmen erhoffen sich durch diese Entscheidung deutliche Kosteneinsparungen durch verbesserte Skaleneeffekte und eine grössere Stabilität der Frachtraten. Das neue P3-Netzwerk wird bereits bestehende Abkommen zum Austausch von Schiffen oder Stellplätzen beenden.

Geplant ist, die Allianz ab dem zweiten Quartal 2014 zu starten. Vorher muss sie jedoch von den zuständigen Regulierungsbehörden in Europa, den USA und China genehmigt werden. In der EU fällt sie beispielsweise unter die Verordnung 823/2000, die besagt, dass ein Konsortium dann in den Genuss einer Freistellung von den Wettbewerbsregeln kommen kann, wenn der Marktanteil dieses Zusammenschlusses auf jedem einzelnen der Märkte, auf denen es tätig ist, weniger als ­30% der beförderten Gütermenge beträgt. P3 wird nach jetzigem Stand zwar über mehr als 40% an nominaler Gesamtkapazität verfügen, auf den meisten Routen konkurrieren jedoch noch ca. 15 unabhängige Linienreedereien miteinander. Um Einwänden der Regulierungsbehörden zuvor zu kommen, haben sich die drei Linien dazu entschlossen, ein unabhängiges Unternehmen mit Sitz in London und Singapur zu gründen, das sich lediglich um den Ablauf der Geschäftsabläufe kümmern, mit kommerziellen Belangen aber nichts zu tun haben wird. In diesen Bereichen wollen Maersk, MSC und CMA CGM auch zukünfitg vollständig eigenständig agieren.                  

 

www.maerskline.com

 

www.mscgva.ch

 

www.cma-cgm.com

 

 

KOMMENTAR

Ein notwendiges Übel

«Der Starke ist am mächtigsten allein», davon zumindest ging Schillers Wilhelm Tell aus. Tatsächlich jedoch dürfte der Starke dann am kraftvollsten sein, wenn er sich mit anderen mächtigen Partnern zusammenschliesst. Genau das ist beim geplanten P3-Netzwerk, bestehend aus den drei Branchenriesen Maersk Line, MSC und CMA CGM, der Fall. Mit der Vereinigung ihrer Kräfte werden die drei Unternehmen über 40% der Gesamttonnage im Markt verfügen. Die Allianz soll Dienstleistungen bündeln, die operationelle Effizienz erhöhen und das volatile Ratenniveau stabilisieren. Davon könnten auch andere Anbieter profitieren, so dass die Bilanz unterm Strich für alle Linien positiv ausfallen könnte. Eine Marktstabilisation in der Linienfahrt ist schliesslich dringend notwendig.

Das wäre die optimistische Lesart. Es gibt jedoch einen bitteren Beigeschmack: Schliessen sich die Top Drei der Branche zusammen, so existieren künftig noch weniger Unterscheidungsmerkmale in Hinblick auf den Service. Für Verlader sind das weniger erfreuliche Nachrichten. Zudem wird P3 über eine sehr starke Verhandlungsposition verfügen, was neben den Kunden auch Terminalbetreiber vor neue Tatsachen stellen wird. Letztlich zeigt die Allianz von drei Unternehmen, die bislang grössten Wert auf Unabhängigkeit gelegt haben und sich nicht eben als enge Vertraute betrachteten, aber vor allem eins: die Lage in der Branche ist noch ernster, als bislang gedacht.

 

Antje Veregge, Redaktorin ITJ

 

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