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  • Thomas Kargl, Vorstandsmitglied der Rail Cargo Group

30.07.2018 Von: Josef Müller


Artikel Nummer: 23858

RCG ist hungrig

Der Schienenverkehr zwischen Europa und China wächst rasant. Der österreichische Operateur will an diesem Wachstum teilhaben und bis in vier Jahren ein Drittel der ganzen Gütermenge auf dieser Route transportieren.


 

Die Rail Cargo Group (RCG), der Güterkonzern der Österreichischen Bundesbahnen ÖBB, hat grosse Expansionspläne, die bis nach China reichen. Im Vorjahr hatte RCG 115 Mio. t auf die Schienen gebracht, und in den nächsten Jahren will man das Volumen auf 150 Mio. t pushen. Natürlich geht das nicht allein auf dem Heimmarkt, sondern auf dem europäischen Markt mit starkem Fokus Richtung China, wie Thomas Kargl, Vorstandsmitglied der RCG, gegenüber dem ITJ in Wien erklärte. 

 

Das Ziel für 2025 ist ambitioniert: «Bis dahin wollen wir das Volumen um 40% steigern.» Dieser Zuwachs soll international passieren und wird nicht allein organisch gelingen, sondern mit Hilfe von Firmenkäufen, Beteiligungen an Terminals oder Zukauf von weiteren Ressourcen zur Produktivitätssteigerung.

 

 

400 Züge bis Ende dieses Jahres

Die grosse Zukunft orten die ÖBB im schienengebundenen Inter­modalverkehr mit Containern. Verschiedene Operateure, Spediteure und Logistiker entwickeln derzeit rege Tätigkeiten entlang der neuen Seidenstrasse, RCG will sich hier besonders profilieren und bis Ende Jahr 400 Ganzzüge von China nach Europa fahren.  Traktioniert werden die Züge primär über Russland, wobei hier fünf verschiedene Leitungswege in Frage kommen. Da in China die Bahn wie in Europa auf Normalspur fährt (1435 mm) und in Russland auf breiter Spur (1520 mm), erfolgt an den Grenzen die Umladung bzw. Umspurung der Waggons. Fast alle Züge fahren über Weissrussland/Polen nach Europa, doch gibt es hier Engpässe. RCG hält deshalb Ausschau nach Alternativrouten: «Wir haben gute Kontakte zu den Ukrainischen Eisenbahnen und routen die Züge über die Ukraine und Chop/Dobra Richtung Europa», so Kargl.

 

 

Der Staat fördert

In China gibt es rund 30 Projekte von Regionalregierungen, die Züge mit Exportgütern zu den Grenzen bringen, wobei die Züge auf chinesischer Seite von der öffentlichen Hand subventioniert werden. Über staatliche Plattformen werden verschiedene Operateure beauftragt, die Traktion der Züge bis zur Grenze durchzuführen. Die Übergänge werden als Konsolidierungs- und Dekonsolidierungspunkte genutzt. Hier werden die Breitspurzüge gebildet und nach Europa geschickt. «Wir wollen in Europa die Ladung der Züge verteilen bzw. im Verkehr nach China die Ladung einsammeln», betont Kargl.

 

RCG wird in diesem Jahr in Schanghai ein Büro eröffnen, wo künftig die Kommunikations-Fäden für das Operating der Züge zusammenlaufen.  Bis 2022 rechnet man bei der RCG mit einem Transportvolumen von 1 Mio. TEU im Handel China–Europa–China, davon will RCG ein Drittel transportieren. Die derzeit leistungsfähigste Seidenstrasse ist die nördliche via Russland und Weissrussland, weil die Route weitgehend elektrifiziert und zweigleisig befahrbar ist. Die mittlere Route via Kasachstan ist noch eingleisig und hat Entwicklungspotenzial nach oben, auch wenn in Korgos, an Chinas Grenze, moderne Terminalstrukturen hochgezogen werden. 

 

 

Personalprobleme trüben das Bild

Der Blick zurück auf 2017 ist für Kargl ein nüchterner, weil Kapazitätsprobleme auf Schiene und Strasse offensichtlich wurden. Es mangelt an Lkw-Fahrern und es zeichnet sich ein Engpass bei den Lokführern ab.  Vor diesem Hintergrund müsse RCG die Chance nutzen und mit schnellen und hochfrequenten Zugsystemen bei der Verladerschaft punkten.