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  • Wilhelm Patzner, CEO von FELB.

13.04.2018 Von: Christian Doepgen


Intermodal / Strasse
Artikel Nummer: 22732

«Stark anziehende Volumina»

Es sind die Chinesen selbst, die Ihre Exporte nach Westeuropa verstärkt auf die Schiene setzen. Einer der wichtigsten Player auf diesen Korridoren ist die Far East Land Bridge (FELB). Wilhelm Patzner, CEO der FELB, erläuterte Christian Doepgen im Gespräch die Resultate des letzten Jahres, den Ausblick auf die Vorgaben und Pläne in 2018 und die Veränderungen, die sich auf der Strecke abzeichnen.


 

Herr Patzner, wie sehen die Ergebnisse von FELB im Jahr 2017 aus?

Wir haben ein schwieriges, aber erfolgreiches Jahr hinter uns. Erfolgreich, weil wir unser Volumen auf 70 000 TEU im Verhältnis zum Vorjahr fast verdoppeln konnten. Den Umsatz konnten wir auf 170 Mio. USD steigern. Schwierig, weil das Wachstum die Grenzen der vorhandenen Kapazitäten aufgezeigt hat und in Polen Stockungen aufgetreten sind.

 

 

Die Transitzeit ist Ihr Argument...

Alle Operateure verkaufen Zeit! In 2016 haben wir effektiv die 16 Tage Laufzeit auf der Strecke zwischen China und Westeuropa erreicht. In 2017 lagen wir durchschnittlich bei 21 Tagen Transitzeit – wegen der kurzfristig angesetzten Arbeiten an der Infrastruktur in Polen.

 

 

Wie haben Sie darauf reagiert?

Begreiflicherweise hatten wir viele Kundenbeschwerden zu verkraften. Mit vielen unterschiedlichen Gegenmass-nahmen konnten wir die Transitzeit aber auf z.Zt. wieder 17 bis 19 Tage senken, trotz weiterhin stark anziehender Volumina auf der Strecke.

 

 

Haben die Kunden das akzeptiert?

Die Kunden haben uns die Treue gehalten, weil wir offen mit ihnen umgegangen sind. Zudem war 2017 auch noch geprägt durch die Auswirkungen des Hanjin-Bankrotts. Viele Neukunden, die aus Not im ersten Halbjahr 2017 buchten, setzen ohnehin wieder auf die See. Etliche haben wir aber dauerhaft hinzu gewonnen.

 

 

Hat sich die Güterpalette verändert?

Die von uns transportierten Güter sind weiterhin höherwertig. Allerdings buchen wir im westwärtigen Verkehr zunehmend für den Einzelhandel bestimmte «Aktions-ware». Das sind neue Produktgruppen, die unsere geringere Transitzeit nutzen.

 

 

Sehen sich auch regional Neuerungen?

Ja. Ein gutes Beispiel ist Italien. 100 Spediteuren dieses wichtigen Markts haben wir vor vier Wochen in Mailand unser Angebot vorgestellt. Heute haben wir für den jüngsten Zug von Westeuropa über Budapest bis Changsha bereits fünfzehn Container italienischer Anbieter gebucht, und die Nachfrage steigt. Es wird auch viel Obst in Richtung China exportiert. Das Geschäft begrenzt zur Zeit aber die zu geringe Zahl von Reefercontainern.

 

 

Wie viele Routen bedient FELB?

De facto gibt es drei Korridore, die Zahl der Routen ist relativ. Mit unseren eigenen Blockzügen fahren wir derzeit sieben chinesische Städte und in Europa sechs Destinationen an. Natürlich bedienen wir viele weitere Destinationen über Partnerunternehmen. Eine Pionierleistung, auf die wir stolz sind, ist die 2017 eröffnete Route von Changsha durch die Mongolei und Russland über Dobra nach Budapest. Und vor wenigen Wochen haben wir einen neuen wöchentlichen 41 TEU-Zug Richtung Osten gestartet.

 

 

Wie entwickelt sich das LCL-Segment?

Darin liegt ein starkes Zukunftspotenzial, gerade für mittelständische Speditionen mit Teilladungen. Wir unterstützen diese Partner sowohl ost- wie westwärts. Auch der chinesische FCL- und LCL -Verkehr Richtung Russland ist seit 2016 zu einem neuen Standbein geworden. Wir sprechen von 10 000 TEU allein im LCL-Regime, v.a. Weiss- und Industrieware.

 

 

Gibt es einen Trend zu grösserer Paarigkeit der Verkehre auf dieser Route?

Wir sind weitaus besser ausbalanciert als andere. So laufen dank des Automotive- Segments bereits 40% der Verkehre ostwärts. In 2018 ist es unser Ziel, 45% ost- zu 55% westwärts zu erreichen.

 

 

Gefahrguttransporte wurden im Oktober 2017 eingeführt. Wie läuft es hier?

So gut, dass wir im Mai mit einem eigenen Ganzzug ins Risiko gehen. Wir haben zusätzlich Anfragen zu Tankcontainern. Da man damit nicht auf die chinesische Schiene darf, gibt es Pläne, über den russischen Pazifikhafen Wostotschny im Short Sea-Verkehr Japan, Korea, und ggf. Schanghai anzubinden.

 

 

Felb besass eine eigene Flotte von 7000 Containern. Ist es dabei geblieben?

Unsere Devise lautet: Asset light. Wir haben diese Zahl jetzt auf 6000 Boxen reduzieren können, in dem wir die Effizienz durch eine höhere Umschlaghäufigkeit pro Container gesteigert haben.

 

 

Was ist Ihr persönliches Motto?

Ich glaube an die Motivation meiner Mitarbeiter, persönlich und betrieblich zu wachsen. Meine grösste Leistung ist, ein so tolles Team aufgebaut zu haben.