Regionaler Fokus

  • V.l.n.r.: Sebastian Jürgens, Eugenio Grimaldi, Martino Conticelli.

24.08.2016 Von: Jutta Iten


Artikel Nummer: 15667

Grüne Brücke zwischen Süden und Baltikum

Zwei Häfen, Lübeck und Venedig, haben zusammen mit der Grimaldi-Gruppe eine intermodale Verbindung zwischen Griechenland und Italien mit Lübeck als Ausfallstor zum Baltikum geschaffen.


Kürzlich wurde ein Abkommen von den Hafenbehörden Venedig (Autorita Portuale di Venezia) und Lübeck (Lübecker Hafen-Gesellschaft – LHG) und der in Neapel ansässigen Gri- maldi-Gruppe unterzeichnet. Das Ziel dieser Initiative ist es, eine intermodale Verbindung (Schiff-Zug-Schiff) zu schaffen, die Griechenland und Italien mit der Ostsee verbindet, dies in enger Zusammenarbeit mit dem seit November 2015 bestehenden Scanmed-Eisenbahn-Korridor.

 

Damit rücken die Häfen Patras (Griechenland) und Venedig (Italien) samt ihrem Umfeld näher zu den nordischen Ländern wie Schweden, Finnland und Russland.

 

Es werden tägliche Zugabfahrten in beiden Richtungen angeboten, um die diversen An- und Abfahrten der Fährschiffe in den beiden genannten Häfen bedienen. Die Fracht wird auf RoRo-Schiffen von Grimaldi transportiert, die den Hafen Patras in Griechenland drei Mal pro Woche mit Venedig verbinden. Dort werden sie auf einem direkten Zug nach Lübeck in Norddeutschland transportiert. Dieser Hafen dient als Einfallstor zur baltischen Region mit Fährschiff-Anschlüssen von und nach Skandinavien, dem Baltikum und Russland.

 

Die Rolle der Häfen

Lübeck ist der viertgrösste europäische Hub für Fähr- und RoRoschiffe. Er verfügt über vier Terminals und 18 auf diese Verkehre spezialisierte Liegeplätze. Pro Jahr werden nicht zuletzt wegen der guten geografischen Lage über 21 Mio. t Güter und mehr als 700 000 Trailer im Verkehr mit Nordeuropa abgefertigt. Zudem werden eine Reihe von intermodalen Hinterland-Möglichkeiten ausgebaut.

 

Venedig wiederum ist der italienische Hafen, der von seiner Nähe zum Brenner-Pass am besten profitieren kann und ab welchem es zusammen mit dem bestehenden Scanmed-Korridor gelingt, die Ware speditiv von und nach den oben genannten nordischen Destinationen zu bringen. Venedig meldet für die ersten sechs Monate 2016 einen Anstieg des Eisenbahnverkehrs um 31%, dies auch dank einer Reihe von Verbesserungen bei den lokalen Eisenbahn-Verbindungen.

 

Nicht zu vergessen sei die Tatsache, dass die Grimaldi-Gruppe über ihre Tochter Finnlines, eine führende RoRo- und Fährschiffbetreiberin in der Nord- und Ostsee, 38 wöchentliche Abfahrten im Verkehr mit Schweden, 17 von und nach Finnland und zwei von und nach Russland durchführt. Gerade hat Grimaldi die Erlaubnis der finnischen Instanzen erhalten, auch die letzten der Finnlines-Aktien erwerben zu dürfen. Diese werden dann nicht länger an der Börse in Helsinki gehandelt.

 

Eine grüne Lösung

Kernstück des Abkommens ist die Weiterentwicklung der neuen Eisenbahnbrücke zwischen den beiden Häfen Venedig und Lübeck. Es sollen zwei bis sechs wöchentliche Züge mit je 30 Containern oder Trailern eingesetzt werden, die innerhalb von 26 bis 30 Stunden die Ladung befördern und abliefern.

 

Das schaffe eine neue «grüne» und schnelle Verbindung zwischen Venedig zum europäischen Hinterland, zusätzlich zum bestehenden intermodalen Dienst (via Brenner), der bereits in nur drei Tagen Güter aus Süditalien oder Griechenland nach Deutschland und zurück transportiert, so die Initianten des neuen Dienstes.