Regionaler Fokus

  • Auch Costa Rica denkt «interozeanisch».

22.03.2017 Von: Christian Doepgen


Artikel Nummer: 18346

Ein drittes Panama?

Der Panamakanal verzeichnet seit Dezember 2016 Rekordzahlen bei der Passage von Fracht. Der mit Verzögerung eingetretene Boom erneuert Überlegungen für alternative «Kanäle» in Nicaragua oder Costa Rica, deren Machbarkeit aber noch nicht belegt ist.


 

Schon vor der Jahreswende hat der Rekord­lauf auf dem Panamakanal begonnen. Nach dem für den Kanal gebräuchlichen Panama Canal Universal Measurement System (PC/UMS) haben im Dezember 35,4 Mio. t PC / UMS und im Januar 2017 36,1 Mio. t PC / UMS die Wasserstrasse passiert. Im kürzeren Monat Februar lag man zwar insgesamt unter diesen Werten, erzielte aber eine tägliche Durchschnittstonnage von 1,18 Mio. t PC/UMS – mit 1180 Schiffen.

 

Global die Nase vorn

Natürlich strotzen die Verantwort­lichen in Panama, die nach der Eröff­nung des erweiterten Kanals im Juni 2016 ­eine längere Anlaufzeit zu überwinden hat­ten, jetzt vor Selbst­bewusstsein. Seit­dem ­haben inzwischen 850 Neo­pana­max-Schiffe die vergrös­serten Schleu­sen passiert, 53% der Fracht auf Container­schiffen nutzt auf dieser Strecke den erweiterten Kanal und bislang wurden auch elf weitere maritime Liniendienste hierhin umgeroutet.

 

Der Administrator des Panamakanals, Jorge L. Quijano, nahm die Ergebnisse als «Beweis für die wachsende Akzeptanz des vergrösserten Kanals durch die Schifffahrtsbranche» und zeigte sich überzeugt, dass die «wahre Wirkung der verbesserten ­Route immer deutlicher wird.» Da der Jahresstart 2017 beim globalen Konkurrenten Suezkanal in Ägypten verhaltener ausgefallen ist, lässt sich das Frohlocken in Panama nachvollziehen. In der Region jedoch weckt die grosse Nachfrage nach der Passage von Ladung durch Zentralamerika eigene Ideen.

 

Kanal oder Strasse?

Aus Nicaragua hört man allerdings nicht mehr viel. Es ist ruhig geworden um das Projekt des «Gran Canal», für das 2012 die HKND Group den Zuschlag für das «Nica­ragua Grand Canal and Development Project» bekommen hatte. Zwei ­Jahre nach dem vielbeachteten ersten Spaten­stich des interozeanischen Vor­habens ist in Brito am Pazifik bislang nur von Planungen die Rede. Erst Ende 2016 hatte der Präsident von Panama, ­Juan Carlos Varela, das Projekt als «mehr Spekulation denn Realität» bezeichnet.

 

Der Ehrgeiz, es den Nachbarn gleichzutun, besteht aber auch in dem Staat, der zwischen den beiden erstgenannten in Zentral­amerika liegt. In Costa Rica denkt man bereits seit 1988 an eine Überland­verbindung, die zwischen neu erricht­eten Häfen in Parismina am Atlantik und in der Provinz Guanacaste, bei der Halb­insel Santa Elena am Pazifik, verlaufen soll. Das Projekt, «Canal Seco ­Interoceánico» (CSI) genannt, wird von dem Canal-­Seco-de-Costa-Rica-Konsortium (Cansec) vertreten, dass sich gegen 16 andere Bieter in erster Ausschreibung durchgesetzt hatte.

 

Geplant sind hier unter anderem eine Schienen- und eine Strassenverbindung. Die Kosten für das Projekt werden auf ca. 16 Mrd. USD geschätzt. Bis Ende 2017 soll eine neue Machbarkeitsstudie für den CSI vorliegen.