Regionaler Fokus

  • Frachtflugzeuge haben es gegenüber den Passagiermaschinen schwer.

23.10.2013 Von: Christian Doepgen


Artikel Nummer: 3570

Air France-KLM-Martinair - Schranken am Himmel

Angesichts der anhaltend schwachen Konjunktur und von Investitionen in Flieger mit geringerem Verbrauch wie den B777, B787 und A350 setzt AF-KLM vermehrt auf Fracht in Passagiermaschinen und verkleinert die Vollfrachterflotte sowie das Personal.


Die gute Nachricht zuerst: AF-KL-MP halten an einer eigenen Flotte von Vollfrachtern fest. Eine Abschaffung oder vollumfängliche Leasing-Modelle stünden nicht zur Debatte. So führte es Erik Varwijk, Executive Vice President, auf der Pressekonferenz am 10. Oktober in Schiphol, Niederlande, aus.

An diesem Standort wird auch der künftige Schwerpunkt der gemischten Frachterflotte mit acht Fliegern disloziert sein, zwei weitere B777 werden am Flughafen Charles de Gaulle bei Paris stationiert. Damit reduziert das Unternehmen allerdings den derzeitigen Bestand von bislang 14 Fliegern im aktiven Dienst auf zehn. Die Verminderung hat auch den Verlust von ca. 300 Arbeitsplätzen in Frankreich zur Konsequenz.

 

«Kapazitätswettbewerb ist vorbei»

Varwijk machte deutlich, dass der «Wettbewerb um Kapazitäten» in der Luftfracht aus seiner Sicht vorbei sei. Optimales Handling der vorhandenen Ladungsvolumina sei entscheidend, so dass der Anteil von Fracht in verbrauchsarmen Passagierflugzeugen künftig steigen werde. Die Investitionen in moderne Flieger-Modelle von B777, B787 und A350 gehen einher mit der Ausmusterung älterer Typen.

Ein Zeitproblem vermag dabei Marcel de Nooijer, Leiter von KLM Cargo und Martinair Cargo, nicht zu erkennen: «Wir haben im Schnitt über zwei Stunden Zeit für den Turnaround der Fracht.» Die erfahrenen Teams bewältigten diese Aufgabe mit Leichtigkeit.

 

Destinationen und Personal 

Im Winterflugplan 2013-2014 baut die Linie ihre Verbindung von und nach Paris um 18 Destinationen aus. Die Anpassungen des Frachterflugnetzes wurden noch nicht bekannt gegeben. Hingegen ist es unstrittig, dass sich der asiatische Markt in China und Japan im Gegensatz zum Passagieraufkommen in der Fracht schwächer entwickelt hat. Die Linie möchte sich aber alle Optionen auf Basis der kommenden Marktentwicklungen offen halten.

Der Abbau des Personals wird nach Auskunft von Alain Malka, Executive Vice President Air France Cargo, in Frankreich an den regionalen Standorten erfolgen. Auch Orly wird aufgelöst, wo allein 110 Personen im Frachtbereich wegfallen werden, was «hart, aber unausweichlich» sei. Diese Massnahmen betten sich ein in den Personalabbau der Muttergesellschaft, die Anfang Oktober die Streichung von 2800 Stellen angekündigt hatte. Der Standort Lyon allerdings wird im Cargo-Bereich erhalten bleiben.

 

Ehrgeiz im e-Geschäft

Die Suche nach Kosteneinsparungen führt auch in anderen Bereichen als der Luftfracht zur Frage nach der IT. Substanzielle Verbesserungen soll es über die anstehende Umsetzung des Programms «e-ambition» geben, wie Sylvie Tardivon, Vice President Information Management, erläuterte. Mit Unterstützung von Accenture werde man ab Mitte 2014 die vorhandene Kunden- und Buchhaltungssoftware der drei ursprünglichen Frachtlinien integrieren und erneuern.

Die papierlose Auftragsabwicklung durchzusetzen stellt einen wichtigen Faktor dar, denn die Zeit für den Umbruch scheint auch auf Kundenseite gegeben. Der Anteil von 15% an papierlos abgewickelten Frachtaufträgen bei AFC in 2013 soll sich in den Folgejahren jeweils verdoppeln. In drei bis fünf Jahren sollen 70% der Fracht diesen Weg gehen.

 

Integration und IT

Integration und IT sind auch die  Stichworte von Chantal de Grandcourt, die seit sechs Monaten im Vorstand für Marketing, Ertragsmanagement und Netzwerk verantwortlich ist. Sie sieht die Herausforderung in der «Zusammenführung der unterschiedlichen Pole». Dies betrifft einerseits die effizientere Steuerung der Kapazitäten und der Flotte, andererseits  die gezielte Zusammenarbeit mit dem  Verkauf, um den Kunden kohärente Offerten anbieten zu können. Die Quote von ca. 70% Fracht in Passagiermaschinen wird sich bei der Gesellschaft in der kommenden Zeit durch laufende Optimierung weiter erhöhen.

 

Luftfracht weiter unter Druck

Es steht ausser Frage, dass die derzeitige Anpassung der Kapazitäten bei Air France Cargo ebenso wie bei den anderen Fluggesellschaften nicht die letzte sein wird. Eine wirkliche Entlastung kann nur ein anziehender Markt mit sich bringen. Die Auguren der Iata hatten Anfang September einen deutlichen Aufschwung gegenüber den Vorjahren und ein Zwei-Jahres-Hoch der Luftfracht gemeldet. Bleibt zu hoffen, dass diese sich anbahnende Erholung im Luftraum Europas auch bald die asiatisch-pazifischen Märkte erreicht.

         

 

www.airfranceklm.com

 

 

 

Mehr zum Thema