Regionaler Fokus

  • Noureddine Ferchichi, stv. Generaldirektor von Socotu.

18.04.2017 Von: Jutta Iten


Artikel Nummer: 18683

Jederzeit offen nach aussen

Während vieler Jahrtausende ist Tunesien immer nach aussen offen gewesen. Das Land hat durch den internationalen Handel seine Wirtschaft weiter entwickelt, indem es seine Güter mit allen Ländern rund ums Mittelmeer und darüber hinaus ausgetauscht hat. Dies erklärte Noureddine Ferchichi, stv. Generaldirektor von Socotu, gegenüber dem ITJ.


 

Das heutige Tunesien bewegt sich in jeder Beziehung, um das Interesse im Ausland für eine Teilnahme an der Entwicklung des Landes zu wecken, erklärte Noureddine Ferchichi.

 

Die internationale  Investitionskonferenz «Tunisie 2020» beispielsweise,  die Ende 2016 in Tunis stattgefunden hat, zog eine hohe Anzahl von hochrangigen Teilnehmern an. Sie bot eine gute Gelegenheit, auf die Vorzüge Tunesiens hinzuweisen, um das notwendige Kapital für die Realisierung verschiedener Projekte zu beschaffen und damit gleichzeitig die Wirtschaft wieder zu beleben sowie die Wettbewerbsfähigkeit erneut zu stärken. Die Investitionsversprechen waren beachtlich: Einige Länder und internationale Institutionen wie die AFD, Fades, EIB, WB, SFI und EBRD* haben die Finanzierung der Wirtschaft mit rund 15 Mrd. USD in Aussicht gestellt.

 

Anpassen an internationale Standards

Gleichzeitig führt Tunesien Reformen  auf verschiedenen Ebenen durch, die eine Anpassung an internationale Standards und die Gewinnung weiterer Investoren aus dem In- und Ausland zum Ziel haben. So wurden neue Investitionsrichtlinien angekündigt ebenso wie eine  fortschrittliche Steuerreform. Weitere konkrete Ziele sind der Ausbau des  Strassennetzes sowie der Häfen, Logistikzonen, Informationstechnologie etc. und einer Reihe von potenziellen Neugründungen. Dies soll die Wirtschaft wieder ankurbeln und die Arbeitslosigkeit unter den Universitäts-/Fachhochschul-Absolventen aufhalten. «Letztere bilden mit ihren Qualifikationen einen grossen Trumpf und müssen nur in die richtigen Bahnen gelenkt werden, um Wohlstand zu schaffen», führte Ferchichi aus.

 

2016 haben sich Verbesserungen bei der verarbeitenden Industrie, dem Bergbau und dem Dienstleistungssektor gezeigt. Die Exporte sind um 5,6% angestiegen (+6,5% in der verarbeitenden und +15,7% in der mechanischen/und elektrischen Industrie). Die Importe sind um 5,3% gewachsen (+9,9% bei der verarbeitenden Industrie und Halbfabrikaten, +9,6% für Ausrüstung, +10,5% für Konsum- und –19,2% im Energiesektor).

 

In den Häfen haben die Abfertigungsvolumina der Güter um 4% zugenommen, die Anzahl der umgeschlagenen Container sind in Teu gemessen um 10% und diejenige der geladenen und gelöschten Neuwagen um 4% angestiegen. «Diese Belebung der Wirtschaft wird sich mit den oben erwähnten finanziellen Beiträgen selbstverständlich auf die an der Lieferkette Beteiligten (Spediteure, Transporteure und Logistiker) auswirken»,  so Ferchichi.

 

Socotu bleibt optimistisch

In seinem Unternehmen, der im Jahre 1900 gegründeten Socotu Société Commerciale Tunisienne mit Hauptsitz in Radès in unmittelbarer Nähe des Hafens, sehe man den kommenden Jahren optimistisch entgegen. Neue Kontrakte aufgrund von Angeboten oder Verhandlungen mit grossen Gruppen seien bereits im Portfolio vorhanden. Die Nachfrage werde sich weiter entwickeln, und viele Gelegenheiten seien in greifbarer Nähe.

 

Daher unternimmt Socotu grosse Anstrengungen, um entsprechend dieser Nachfrage den Anforderungen (Transportlösungen, Investitionen, Informationstechnologie, Mitarbeiterstab etc.) gerecht zu sein.

 

Im Übrigen zählt das Unternehmen darauf, in der nahen Zukunft Logistikdienstleistungen mit einem höheren Mehrwert  anzubieten, indem es sich vermutlich mit Operateuren verbindet, die über ein nachweisbares Know-how in diesem Sektor verfügen.

 

* AFD: Französische Agentur für Entwicklung; Fades: Arabischer Fonds für Wirtschafts- und soziale Entwicklung; EIB: Europäische Investitionsbank; WB: Weltbank; SFI: Internationale Finanzierungsgesellschaft der Weltbank-Gruppe;  EBRD: Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung.

 

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