Regionaler Fokus

  • Siddique Khan, Präsident und CEO.

10.07.2014 Von: Christian Doepgen


Asia/Pacific
Artikel Nummer: 6709

Antizyklisches Engagement

Auch in den zentralasiatischen Staaten entwickelt sich die Branche weiter. Die Logistik-Gruppe Globalink aus Kasachstan begeht im Jahr 2014 ihr 20-jähriges Bestehen. Auf der «Breakbulk Europe 2014» in Antwerpen fanden Siddique Khan, Präsident und CEO des Unternehmens, und ITJ-Chefredaktor Christian Doepgen Zeit für ein Gespräch über eurasische Pläne, Krisen und Chancen.


 Glückwunsch zum 20. Geburtstag Ihres Unternehmens! Welches Rezept hat Sie bis zum heutigen Tag begleitet?

Wir sehen uns als das grösste Frachtunternehmen in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, das von Westchina bis ins Baltikum aktiv ist. Der Mix macht’s.

 

follow Geben Sie uns einen Einblick in die heutige Struktur Ihres Unternehmens.

Heute verfügen wir gesamthaft über etwas mehr als 1000 Mitarbeiter und erzielen mit unseren 32 Niederlassungen einen Umsatz mehr als 100 Mio. EUR jährlich. Vor 20 Jahren haben wir in Almaty unseren ersten Standort eröffnet.

 

go to link Generiert Kasachstan auch Geschäft?

In zunehmendem Masse. Allerdings gehen noch ca. 40% aller Geschäftsaktivitäten in Kasachstan von staatlichen Trägern aus. Bei Ausschreibungen können nationale Unternehmen auf Basis Ihres Steueraufkommens und der Zahl ihrer Angestellten ihre Chancen verbessern. Das sind staatliche Anreize und Standortvorteile, die wir natürlich aufnehmen.

 

Auf dem internationalen Geschäft liegt Ihr Schwerpunkt. Wie steuern Sie die Abwicklung der Warenströme?

Die Entwicklung Chinas hat unser Unternehmen mitgezogen. Wir haben uns für den Weg der drei Zugänge nach Eurasien entschieden, d.h. wir wickeln 90% der Verkehre über Hubs in den baltischen Staaten, den Vereinigten Arabischen Emiraten und China ab. Ziel unseres Netzwerks ist es, für Vertragspartner Lösungen aus einer Hand zu entwickeln und sie über die ganze Lieferkette zu begleiten.

 

Ist das nicht das Ziel aller – gerade der grossen – Speditionen?

Wir betrachten uns eher als einen multimodalen Transporteur denn als reiner Spediteur. Letztlich kommt es auf die Erfahrung an, die man als Anbieter in der jeweiligen Region anbieten kann, um Transporte erfolgreich abzuwickeln. Die Margen für einen Transport von New York nach Riga sind andere als von New York nach Taschkent, darin liegt unsere Chance als Nischenspezialist.

 

Sie scheuen also nicht wie andere die Investition in Assets?

Im Gegenteil. Wir betrachten es als Vorteil auch für unsere Vertragspartner, dass wir uns mit Assets an die jeweilige Region binden. Somit bleiben wir berechenbar.

 

Wie reagieren Sie dann auf Krisen wie derzeit in der Ukraine?

Indem wir Krisen als Chancen betrachten. Tatsächlich ist die Geschäftstätigkeit in der Ukraine für uns aktuell um 50% zurückgegangen. Wir ziehen daraus den Schluss, zu investieren. Im Moment beobachten wir in der Region einen signifikanten Preisverfall auf Lagerflächen und Rollmaterial im Schienengüterverkehr. Hier setzen wir entsprechend an.

 

Ist diese Strategie neu?

Nein, wir haben beispielsweise ebenso unmittelbar nach der Finanzkrise 2008 reagiert. Damals haben viele Marktteilnehmer gezögert, am chinesisch-russisch-kasachischen Grenzort in Chorgos zu investieren. Während sie diesen Schritt jetzt mit erheblich höheren Kosten nachholen müssen, konnten wir letzten Monat unseren eigenen Fracht­terminal eröffnen.

 

Sie investieren also antizyklisch?

Definitiv. Krisen sind sinnvoll, denn sie passen Märkte den Realitäten an. Infolge dieser Umbrüche lässt sich der günstigste Zeitpunkt für einen Markteintritt ermessen. Wir haben darüber ein bedeutendes Geschäft im Schienenbereich mit eigenen Terminals und Rollmaterial in den GUS-Staaten aufgebaut.

 

Apropos Assets – unterhalten Sie neben eigenen Lagern auch eigene Fahrzeuge?

Aktuell verfügen wir über ca. 100 eigene Lkw und ca. 500 bis 600 geleaste Fahrzeuge. Unseren eigenen Fuhrpark wollen wir in der naher Zukunft verdreifachen. Wir haben festgestellt, dass eine solche Massnahme ein gutes Verkaufsargument ist – wir erhöhen für den Kunden die Zuverlässigkeit und für uns die Flexibilität.

 

 

 

 

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