Regionaler Fokus

  • Martin Haller, Leiter Kombinierte Verkehre bei der SBB Cargo.

12.02.2014 Von: Christian Doepgen


Artikel Nummer: 4989

Basel Nord wird konkret

Nach der Studie ist vor der Studie: Mit dem Abschluss des Mediations-verfahrens des Bundes ist die Entscheidung für den trimodalen Terminal Basel Nord gefallen. Bei der SBB Cargo liegt nun die Federführung der Detailabstimmung, die die sachlichen Fragen ebenso wie die Beteiligung Dritter klären muss. Mit dem Verantwortlichen von SBB Cargo, Martin Haller, sprach für das ITJ Christian Doepgen.


Herr Haller, ist die Planung Basel Nord ein Danaergeschenk des BAV an Sie?

So würde ich es nicht bezeichnen.  Natürlich haben wir einen gewissen Vorwärtsdruck, die hochkomplexe Terminallandschaft der Schweiz auf zukunftssichere Füsse zu stellen. Die Verantwortung ruht ausser auf der SBB Cargo auch auf unserem Partner Schweizerische Rheinhäfen, mit denen wir eine Planungsgemeinschaft gebildet haben.

 

Die Schweizer Terminalbetreiber wollen bei dem Projekt dabei sein. Wie bewirbt man sich hierfür?

Die Partnerschaftsfrage ist für uns von zentraler Bedeutung. Wir haben bereits früh deutlich gesagt, dass wir Partner willkommen heissen, wobei uns Knowhow wichtiger ist als Kapital. Wir sind bereits mit vielen Interessenten im Gespräch. Es ist wichtig, das Rollenverständnis aller Teilhaber sauber zu definieren. Der Terminal Basel Nord muss steuerbar sein und im Markt diskriminierungsfrei arbeiten.

 

Auf welches Knowhow zielen Sie ab?

Die Palette reicht weit. Es geht um Einzelfragen z.B. des Leercontainer-Managements oder die Anbindung des kontinentalen Verkehrs, de facto letztlich aber um die gesamte Lieferkette. Wir haben einen trimodalen Terminal zu entwickeln.

 

Welche Rolle spielen die prognostizierten Volumen-Zuwächse? Hier kursierten unterschiedlichste Zahlen...

Die Einigung über das künftig zu erwartende Mengenwachstum stellte für mich einen wichtigen Konsens der Mediation dar. Mit ein bis zwei Prozent Zuwachs über dem Wirtschaftswachstum haben wir eine realistische Planungsgrösse für die Kapazitäten. Dass der Gateway Limmattal nun neu bewertet wird, lag bekanntlich an der Bedarfsanalyse.

 

Es wird bisweilen moniert, dass noch kein Business Plan für den Terminal auf dem Tisch liegt.

Der Business Plan wird notwendigerweise von dem noch nicht abschliessend bestimmten Investorenkreis abhängen, ebenso von dem gewünschten Qualitätsniveau der Terminal-Dienstleistungen und den Abstimmungen mit den Verladern. Das ist eine heikle Information, die am Ende der Verhandlungen  von der Betreibergesellschaft kommuniziert werden wird.

 

Welche Verhandlungen stehen für Basel Nord zunächst ins Haus?

Wie angekündigt bilden wir fünf Arbeitsgruppen zu den Verkehrsträgern Strasse, Schiene und Schiff sowie zu den Themen Markt und Leercontainermanagament. Es werden die an der Mediation Beteiligten beigezogen, z.T. wählen die Verbände ihre Vertreter aus. Ich rechne mit ungefähr fünf Ansprechpartnern pro Bereich. Hier macht sich die Vorarbeit bezahlt. 

 

Wann starten die Arbeitsgruppen?

Wir wollen im Februar 2014 arbeitsfähig sein und bis Ende April in jeder Gruppe bereits zwei bis drei Sitzungen durchgeführt haben.

 

Und wie sieht der weitere Zeitplan aus?

Zunächst muss das Partnerschaftskonzept stehen, das auch die Diskriminierungsfreiheit garantiert. Danach definieren wir die physische Gestaltung des Terminals und wollen im vierten Quartal 2014 das Plangenehmigungsverfahren auf den Weg bringen. 2015 werden nach der Detailplanung die Baumassnahmen beginnen. Im Dezember 2016 wollen wir die ersten Gleise freigeben.

 

Das sind ehrgeizige Meilensteine.

Der Plan ist anspruchsvoll, aber erreichbar. Der Tenor in der Mediation lautete: Nicht zu lange zögern! Daran halten wir uns und entwickeln parallel unser Angebot weiter, z.B. Direktverbindungen von Basel nach verschiedenen Destinationen.

 

Mancher Kritiker sieht die SBB Cargo ungern als Schirmherr des Projekts.

Die SBB Cargo hat hierfür das Terrain erworben, als noch niemand von Basel Nord sprach. Wir haben das Projekt im Vorfeld mit erarbeitet, das im übrigen kein Selbstläufer ist, wie so mancher Beobachter zu glauben scheint.

 

Wie meinen Sie das?

Die alleinige Sicht auf die Terminallandschaft Schweiz ist zu eng. Wir befinden uns nicht in einem internationalen Wettbewerb der Terminals, sondern der Warenketten. Um den Erfolg von Basel Nord sicherzustellen, müssen wir interkontinental denken. Das gilt insbesondere auch für den Hinterlandverkehr.

 

Das ITJ wird Basel Nord in kommenden Ausgaben mit weiteren Ansprechpartnern erörtern.

 

 

 

 

 

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