Regionaler Fokus

  • Der Grenzübergang von San Diego nach Tijuana.

21.02.2018 Von: Marco Wölfli


Artikel Nummer: 22155

Wechselspiel an der Grenze

DHL Global Forwarding und UPS investieren an der amerikanisch-mexikanischen Grenze. Das zeigt, dass die Region trotz politischer Dissonanzen wirtschaftlich weiter zusammenwächst.


 

Die Grenze zwischen den USA und Mexiko ist die am stärksten frequentierte der Welt. Seit das Freihandelsabkommen Nafta im Jahr 1994 zwischen Kanada, USA und Mexiko in Kraft getreten ist, hat sich der Gütertransport vervielfacht. Mittlerweile fahren jährlich fast 6 Mio. Lkw von Mexiko in den Norden. Durch den Freihandel entwickelte sich in den grenznahen Mexikos zahlreiche Industrie-Cluster, insbesondere in der Automobilindustrie.

 

Trotz den Vorteilen, die der Freihandel mit den Staaten im Norden Mexiko gebracht hat, kam die Wirtschaft des mittelamerikanischen Landes zuletzt etwas in Stottern. Im ersten Halbjahr 2017 gab es zwar noch ein Wachstum von 2,3%, was mehr als erwartet war. Im zweiten Halbjahr verlangsamte sich das Wachstum jedoch auf 1,8%. Die Inflation dämpfte die Konsumlust und verschiedene Reformen im Bereich Energie und Telekommunikation entfalten bisher noch nicht die gewünschte Wirkung. Auch die mexikanischen Präsidentschaftswahlen kommenden Juli wirkten bisher eher hemmend für die wirtschaftliche Entwicklung.

 

 

Grenzstädte im Zentrum

Mittelfristig jedoch wird die Region beidseits der Grenze zunehmend auch als vernetzter Wirtschaftsraum wahrgenommen. Das zeigen kürzliche Ankündigungen der Logistikdienstleister DHL Global Forwarding und UPS. Der deutsche Logistikkonzern will seine Präsenz in den sechs amerikanischen Grenzstädten San Diego, Tucson, Nogales, El Paso, Laredo und McAllen stark ausbauen. In den neuen Niederlassungen mit rund 300 Mitarbeitern will DHL Dienstleistungen für Luft- und Seefracht, Zollabfertigung und Lagerung anbieten. David Goldberg, CEO U.S. bei DHL Global Forwarding sagt: «Die Präsenz vor Ort hilft die Beziehungen zu bestehenden Kunden zu pflegen, aber auch Neukunden zu gewinnen.» Die ausgewählten Städte zeichnen sich alle durch ein starkes Exportwachstum in den letzten Jahren aus und kanalisieren die Handelsströme von und nach Mexiko. El Paso beispielsweise ist mittlerweile der zehntgrösste Exportstandort der USA.

 

 

Der Kolben im Wirtschaftsmotor

Auch UPS hat den Wert von El Paso und seinem mexikanischen Pendant Ciudad Juárez erkannt. Bis Ende dieses Jahres will UPS in El Paso ein neues Logistikzentrum in Betrieb nehmen. Die Anlage in der Nähe des Flughafens verfügt über eine Fläche von rund 14 000 m² und kostet 41 Mio. USD. «El Paso ist das Tor zu einem der wichtigsten Industriekorridore zwischen Mexiko und den USA und UPS ist der Kolben im Motor dieses Wirtschaftswachstum», sagt Craig Wiltz, Präsident von UPS Texas-Oklahoma. Das neue Logistikzentrum richtet sich insbesondere an die Unternehmen aus den Bereichen Automobilindustrie, Elekronik- und Haushaltgeräte, die in dieser Region ansässig sind. Sie sollen von schnelleren Lieferungen und verbesserter Sortierung profitieren.

 

Die optimistischen Ankündigungen können aber nicht darüber hinweg täuschen, dass das Nafta-Abkommen unter Druck steht, seit US-Präsident Donald Trump eine Neuverhandlung angekündigt hat. Ob dies allerdings zum Nachteil Mexikos wäre, ist offen. Eine Umfrage des Logistikunternehmens Agility hat ergeben, dass 50% der Befragten davon ausgehen, dass eine Neuverhandlung keine oder sogar positive Auswirkungen für Mexiko hat. Nur gerade 21,8% befürchten, dass ein überarbeitetes Nafta-Abkommen dem Handel mit beiden Partnern im Norden schaden würde.

 

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