Regionaler Fokus

  • Zwölf Häfen werden 2019 ULCV-tauglich.

19.11.2018 Von: Christian Doepgen


Artikel Nummer: 25417

Gute Aussichten

Weitgehender Stillstand war in den Jahren 2013 bis 2017 für den Containerumschlag im westlichen Afrika die traurige Devise. Dirk Visser und Matthieu Neering von Dynamar sind aber optimistisch, dass ein kräftiger Aufschwung von bis zu 5% pro Jahr bevorsteht.


 

Wer wie der Dynamar die Verkehre in Westafrika analysieren will, muss einer fragmentierten Region Rechnung tragen: Sie umfasst allein 25 unterschiedliche Nationen, darunter fünf Binnenstaaten, mit 9700 km Küstenlinie. Die in der Region 535 Mio. Menschen erwirtschaften ein BIP, das auf 802 Mrd. USD geschätzt wird, während jährlich Handelswerte mit einem Schätzwert von 294 Mrd. USD umgeschlagen werden. Warum aber wuchs der regionale Containerhandel in den Jahren von 2013 bis 2017 dann nur um etwa 1,4% pro Jahr? Und warum soll die Zukunft hier rosiger aussehen als anderswo in Afrika? Dirk Visser und Matthieu Neering von Dynamar haben darauf Antworten parat.

 

 

Marktreife und Investionswille

«Die Märkte in Westafrika haben in ihrer Entwicklung ein Stadium der Reife erreicht, das sich z.B. im Vergleich zu Ostafrika deutlich abhebt», so Visser. Er führt als Belege einerseits die grösseren Häfen und Schiffe an –  allein in 2017 liefen 285 Containerschiffe über sieben interkontinentale Routen westafrikanische Destinationen an, darunter ein von MSC  betriebenes 13 600 TEU-Schiff, das von Lomé aus regionale Häfen anbindet.

 

Daneben haben viele internationale Investoren wie APM Terminals, Bolloré,
China Merchants Ports, DP World, ICTSI, Portek, in westafrikanischen Terminals und Häfen investiert und treiben die Modernisierung der Anlagen voran. Gleiches trifft für verschiedene Carrier bzw. ihre Töchter zu, so die TIL Group (MSC), CMA CGM ebenso wie Grimaldi in Nigeria und Nile Dutch in Angola.
Gute Umschlagmöglichkeiten aber ziehen bekanntlich nicht zwangsläufig mehr
Ladung nach sich.

 

 

Ölpreis und Volumenwachstum

Der Ölpreis ist der Schlüssel, wie Neering festhält: «Als 2015 die Preise für Rohöl einbrachen, schrumpfte der Wert des westafrikanischen Warenhandels zwischen 2013 und 2017 um ein Drittel auf ca. 294 Mrd. USD.» Jetzt sehen die beiden Analysten mit der Erholung des Ölpreises auch einen kräftigen Aufschwung der Volumina im Containerumschlag von ca. 5% pro Jahr bis 2021 als wahrscheinlich an. Damit wäre in drei Jahren ein Niveau von etwa 4,3 Mio. TEU erreicht.

 

Die Konzentration der Reedereien hinterlässt zwar ihre Spuren – so werden zur Zeit ca. 54 Containerdienste in Richtung westafrikanischer Häfen angeboten, 2014 waren es noch 71 Dienste – aber die  grösseren Containerschiffe halten auch  hier Einzug. Es sind wie bereits erwähnt teilweise die Carrier selbst, die investieren. Ab 2019 sollen jedenfalls bereits ein rundes Dutzend Häfen in der Lage sein, Schiffe mit Kapazitäten von 6000 bis 10 000 TEU in Westafrika abzufertigen.

 

Es ist aber nicht alles Gold, was glänzt. Ein Beispiel für die bestehenden Herausforderungen stellt der nigerianische Hafen Lagos dar, der grösste Hafen innerhalb der grössten Volkswirtschaft der Region ist. «Es war das westafrikanische Land, dem im Jahr 2015 das höchste Potenzial beigemessen wurde – es ist aber in Bezug auf Linienverbindungen nur noch an fünfter Stelle.» Die mangelnde Anbindung ans Hinterland bedroht die Entwicklung. Es bleibt also weiterhin nicht bei Häfen und Terminals allein.