Regionaler Fokus

  • Hupac hat ab 2016 lediglich lärmarme Güterwagen.

20.05.2014 Von: Claudia Benetti


Artikel Nummer: 6300

Im Gotthard wird es leiser

Der neue Gotthard-Basistunnel wird massive Kapazitätssteigerungen für den kombinierten Verkehr bringen. Das Schweizer Transportunternehmen Hupac bereitet sich schon heute mit der Einrichtung einer neuen Geschäftseinheit auf das wachsende Transportvolumen vor und investiert darüber hinaus in lärmarmes Rollmaterial.


Ende 2016 soll die erste Flachbahn auf der Nord-Süd-Achse durch den neuen Basistunnel verkehren. Die neue Gotthardstrecke wird dann 50 km kürzer sein als heute und kann ohne Mehrfachtraktionen durchgängig von Güterzügen befahren werden. «Das wird die Kosten reduzieren, aber auch mehr Konkurrenz im Schienengüterverkehr durch die Alpen bringen», erklärte Verwaltungsratspräsident Hans-Jörg Bertschi an der Bilanzmedienkonferenz in Zürich.

 

Voll leistungsfähig wird die gesamte Nord-Südachse allerdings erst 2020 sein, wenn auch der Ceneri-Basistunnel eröffnet ist und der Korridor durchgängig ein 4-Meter-Profil aufweist. Erst zu diesem Zeitpunkt sollen gemäss aktueller Planung auch die Ausweichgleise bereitstehen, die für den Einsatz von längeren Zügen – 750 m statt wie heute nur 550 m – nötig sind und zusätzliche Produktionssteigerungen bringen werden. Als Drahtzieher der Schweizer Verlagerungspolitik fordert Hupac den Bundesrat nun auf, die Infrastrukturanpassungen rascher als geplant anzugehen und bis 2017 zu realisieren. Italien hat bereits die Fertigstellung der Ausweichgleise auf «seinem» Gebiet mit Schweizer Finanzhilfe per 2017 in Aussicht gestellt. Der Hupac-Terminal Busto Arsizio-Gallarate im Westen Mailands ist ebenfalls schon für diese langen Züge ausgelegt. Und für den geplanten Terminal Smistamento östlich von Mailand hat der KV-Operateur mit Partnern ein Finanzierungsgesuch beim Bundesamt für Verkehr eingereicht. Wird dieses genehmigt, kann der Terminal gemäss Bertschi ebenfalls schon 2017 seinen Betrieb aufnehmen.

 

Ab 2016 nur noch lärmarme Züge

Kräftig investieren will der KV-Operateur in lärmarmes Rollmaterial. Bereits in den 1990er Jahren hat Hupac erste Züge mit Flüsterbremse angeschafft; ab 2016 sollen nun nur noch lärmarme Güterwagen im Einsatz stehen. Züge mit einer  K-Sohle aus Kunstharz-Verbundstoff fahren etwa 10dB leiser als Züge mit alten Metallbremsen, was einer Halbierung des subjektiv wahrgenommenen Bahnlärmes entspricht. Parallel zur Umrüstung auf Flüsterbremsen-Züge will Hupac auch Tests mit den neuen Scheibenbremsen durchzuführen. Diese sollen eine weitere Lärmreduktion um 5 dB oder 30% bringen.

 

In Russland investiert Hupac gegenwärtig in einen eigenen Wagenpark. Wie Bertschi ausführte, ist seit letztem Herbst ein speziell für die russische Breitspur entwickelter Prototyp eines 60-Fuss-Containertragwagens bei der Tochterfirma Hupac LLC in Moskau im Einsatz. 100 dieser Wagen sind bereits bestellt, die voraussichtlich ab Mitte 2014 sukzessive auf der Ost-West-Achse eingesetzt werden.

 

Neues Angebot «Company Shuttle»

Neue Marktchancen sieht der Verlader mit seinem neuen Angebot «Company Shuttle». Ab nächsten Herbst will Hupac die Organisation von Ganzzügen für seine Kunden übernehmen, die das Auslastungsrisiko selber tragen wollen. «Das Angebot entspricht einem wachsenden Bedürfnis, da immer mehr Transporteure heute über Volumen für Ganzzüge verfügen», erklärte Bertschi. Die Einführung von «Company Shuttle» stellt die Erweiterung des 2003 eingeführten Slotkonzepts dar, das es Kunden bereits ermöglichte, eine bestimmte Anzahl von Stellplätzen fest zu übernehmen.

 

Ein wachsendes Interesse am kombinierten Verkehr stellt Hupac-Direktor Bernhard Kunz derzeit bei westeuropäischen Speditionen fest. Mit der vermehrten Verlagerung von Transporten auf die Schiene sehen diese eine Chance, gegenüber den osteuropäischen Transporteuren mit ihren Billiglohn-Chauffeuren konkurrenzfähig zu bleiben. Indem sie vermehrt auf den kombinierten Verkehr setzen, können sie ihre Flotten für Nahtransporte sichern.

 

Das Geschäftsjahr 2013 bezeichnete Kunz somit auch als zufriedenstellend. Hupac verbesserte seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 5,7% und erwirtschaftete 480,2 Mio. CHF. Der Reingewinn betrug 6,6 Mio. CHF (+49,5%). Die Verkehrsleistung nahm mit insgesamt 656 877 Strassensendungen um 1,7% zu. Im transalpinen Verkehr, dem Kerngeschäft des Unternehmens, beförderte der Verlader im vergangenen Jahr gesamthaft 380 502 Sendungen, das entspricht einem Plus von 1,9% im Vergleich zum Vorjahr.

 

 

 

 

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