Regionaler Fokus

  • Singapurs Hafen schlug im vergangenen Jahr 31,6 Mio. TEU um.

24.09.2013 Von: Antje Veregge


Artikel Nummer: 3208

Der Löwenstaat zeigt Stärke

In den 1990er Jahren machte Singapur als einer der asiatischen Tigerstaaten von sich Reden. Einbrüche durch die Südostasienkrise oder das Virus Sars haben zwar zu vorübergehenden Einbussen in der wirtschaftlichen Entwicklung geführt, von der Weltwirtschaftskrise blieb das Land jedoch grösstenteils verschont. Singapur ist immer noch das mit Abstand wichtigste Drehkreuz Südostasiens.


Die Republik Singapur ist zwar flächenmässig der kleinste Staat Südostasiens. Seit der Gründung im Jahr 1819 durch den Briten Sir Thomas Stamford Raffles gehört sie jedoch zu den weltweit wichtigsten Handelsplätzen. Sowohl der Flug- als auch der Seehafen des «Löwenstaates» gehören zu den bedeutendsten Drehkreuzen der Region und auch als Standort für Logistikunternehmen erfreut sich Singapur seit vielen Jahren zunehmender Beliebtheit.

 

In der Mitte Südostasiens

Der grösste Vorteil des Stadtstaates ist wohl seine zentrale geografische Lage in Südostasien. Die Region profitiert von einer wachsenden Mittelschicht von ca. 600 Mio. Menschen, deren zunehmende Kaufkraft die Wirtschaft ankurbelt. Zudem investiert eine Reihe von südostasiatischen Staaten seit einigen Jahren verstärkt in den Ausbau der Infrastruktur, was ebenfalls zu mehr Nachfrage im Transport- und Logistiksektor führt. An der Spitze der Wachstumsstaaten in der Region liegen ganz klar die Philippinen, die im ersten Quartal 2013 um 7,8% zulegen konnten. Indonesiens Wirtschaft wuchs um 6%, gefolgt von Thailand mit 5,3% und Vietnam mit 4,9% (Quelle: Transport Intelligence). Singapur selbst ist zwar bereits hoch entwickelt. Für dieses Jahr wird dennoch ein Wachstum von 3,5% erwartet. Dieser Wert liegt zwar unter dem Durchschnitt von 5,6% im Zeitraum zwischen 2007 und 2013, ist aber dennoch beachtlich für eine entwickelte Nation. Mittelfristig geht die singapurische Regierung von ca. 2 bis 3% Wachstum jährlich aus.

Das Niveau der Infrastruktur innerhalb der südostasiatischen Länder fällt sehr unterschiedlich aus, ein Umstand, von dem Singapur profitiert. Der Ort fungiert aus diesem Grund nicht nur als Umschlagplatz für Ladung aus und in die Region und die restliche Welt, sondern zunehmend auch als «Kompetenz-Hub», wo Personal für den Einsatz in Ländern wie beispielsweise Thailand oder Indonesien ausgebildet wird. Das ist insofern wichtig, als dass Firmen die Herstellung von Produkten mit niedrigen Fertigungskosten nach wie vor in Länder wie Vietnam, Kambodscha oder Laos verlegen. Die Ankündigung des Kameraherstellers Nikon, seine Produktion von China nach Laos zu verlegen sorgte erst im Frühjahr für Aufsehen.

Logistikdienstleister wie UPS, Schenker und Damco ziehen nach in die Regionen. UPS unterhält als erster weltweiter Expressdienst eine hundertprozentige Tochtergesellschaft in Vietnam, wo das französische ­Unternehmen Norbert Dentressangle kürzlich ein neues Büro eröffnete. Auch Thailand ist als neuer Standort nach wie vor interessant, wie aus der Eröffnung von FedEx Trade Networks erster Niederlassung im Land zu erkennen ist. Und auch singapurische Unternehmen bauen im Logistikbereich aus: Singapore Post (SingPost) kündigte kürzlich an, sich stärker im Logistiksektor engagieren zu wollen und aus diesem Grund Anteile in Höhe von 62,5% am Speditionsunternehmen Famous Holdings für ca. 60 Mio. SGD ­(36 Mio. EUR) zu übernehmen.

Dienstleistungen werden zwar immer bedeutender für die Wirtschaft des Inselstaates, die Herstellung von Gütern trägt jedoch noch immer stark zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Insbesondere elektronische Waren fallen mit einem Anteil von 5% ins Gewicht, diese Gruppe macht 25% aller hergestellten Produkte aus. Auf Platz zwei rangieren pharmazeutische Güter.

Doch auch Singapur spürt, dass Länder wie die USA, Europa und China, in die die meisten Exporte aus Südostasien gehen, nicht in dem gleichen Masse wie zuvor nachfragen. Der Flughafen Changi verzeichnete deshalb in 2012 einen Rückgang beim Frachtaufkommen (vgl. S.63). Der Umschlag des Hafens, mit Abstand der bedeutendste in der Region und nach Schanghai (China) der weltweit grösste, erlebte im vergangenen Jahr hingegen ein Rekordhoch von 31,6 Mio. Teu ein Plus von 5,7% im Vergleich zum Vorjahr.

 

Alles hat seinen Preis

Bei all seinen Vorzügen – der Standort Singapur bringt ein Problem mit sich, nämlich verhältnismässig hohe Kosten. Der Stadtstaat hatte 2012 nach Qatar und Luxemburg weltweit das höchste BIP pro Kopf (Quelle: Internationaler Währungsfonds). Zum Vergleich: Die USA liegen im internationalen Vergleich auf Platz sechs, die Schweiz auf Platz acht und Deutschland rangiert auf dem 18. Rang. In Bezug auf Arbeitskraft begegnen einige Logistiker diesem Umstand mit der Umstellung auf einen höheren Automatisierungsgrad. So hat zum Beispiel Texas Instruments kürzlich ein neues, von DHL betriebenes automatisiertes Distributionszentrum eröffnet. Für Arbeiten, die einen niedrigen Qualifikationsgrad erfordern, insbesondere im Bausektor, setzen Firmen in Singapur indes auf kostengünstige Arbeiter aus den direkten Nachbarländern, Indien oder Bangladesch. Deren Lebens- und Arbeitsbedingungen in Singapur stossen allerdings nicht überall auf Zustimmung.

Auch die Grundstückspreise im Inselstaat schiessen in die Höhe, schliesslich ist Land knapp. Das hat Folgen: PSA Singapore Terminals (PSA) beispielsweise investiert derzeit zwar in den Ausbau seiner Terminals in Pasir Panjang nahe der City, wird langfristig jedoch sämtliche Containeraktivitäten ausserhalb in Tuas konzentrieren (siehe ITJ 49-52/2012, S.19) und somit den Weg für eine andere, lukrativere Nutzung der Fläche freimachen.

Trotz dieses Wermutstropfens tragen die Anstrengungen der singapurischen Regierung Früchte, für Unternehmen ein stabiles und geschäftsfreundliches Umfeld zu bieten. Neben der Funktion als Integrator und Koordinator für Aktivitäten in der Region bietet Singapur schliesslich vor allem eins: Stabilität. Deren Bedeutung in wirtschaftlicher und finanzpolitischer Hinsicht ist insbesondere in diesen Zeiten nicht zu unterschätzen. Es gibt kein anderes Land in der Region, das Ähnliches bieten kann. Aber das hat eben auch seinen Preis. 

 

 

 

 

Mehr zum Thema