Regionaler Fokus

  • Nikolaus Kohler (rechts), Geschäftsführer M&M Schweiz.

03.04.2017 Von: Christian Doepgen


Artikel Nummer: 18499

Präsenz ist erforderlich

Der Markt in und um die zentralasiatischen Republiken ordnet sich neu. Chinesische Handelsplattformen werden zunehmend aktiv, KEP-Netzwerke für das wachsende B2C-Geschäft im E-Commerce entwickeln sich und die niedrigen Treibstoffpreise ermöglichen neue Verkehrsverbindungen. Mit Nikolaus Kohler, Kenner der Märkte und Geschäftsführer von M&M Schweiz, sprach Christian Doepgen.


 

Welche neuen Aktivitäten haben Sie in der besagten Region entfaltet?

Seit Anfang Februar ist M&M auch in Aserbaidschan mit einem eigenen Büro vertreten. Hier geht es um Verkehre von China nach Zentralasien.

 

Welcher ist Ihr nächster Schritt?

Wir interessieren uns in der angesprochenen Region u.a. auch für Armenien.

 

Tritt auch hier neben dem B2B-Geschäft das B2C-Element hervor?

Das B2B-Geschäft steht zwar noch im Vordergrund. Das Potenzial für B2C ist aber gross, denn die KEP-Netzwerke in Georgien und Kasachstan, die Zollunion mit Russland und das chinesische Hinterland wirken immer stärker zusammen.

 

Also unter dem Strich: Bahn frei?

Unterschätzen wir die gewaltigen Entfernungen nicht, aber Kasachstan, zwischen China und Europa, hat künftig gute Chancen. Sammelverkehre werden mittelfristig von China aus nach allen Destinationen in der Region kommen, Teilladungsgeschäfte auf der Schiene gibt es bereits.

 

Ist die Schiene vor Ort der Königsweg?

Die derzeitig günstigen Treibstoffpreise machen den Lkw wieder attraktiv – und setzen multimodale Lösungen unter Druck. Beispiele sind die Lkw-Verbindungen zwischen Peking und Aschgabat in Turkmenis-tan oder zwischen Berlin und Ulan Bator, auf 7500 km Distanz, die seit zwei Jahren wieder gefahren werden.

 

Welche Verschiebungen beobachten Sie in jüngerer Zeit?

Nach unserer Beobachtung werden auf dem Lkw-Transport neben den polnischen Unternehmen, die den Transitverkehr stark dominierten, auch zunehmend weissrussische Flotten aktiv.

 

Wie entwickeln sich die zentralasiatischen Märkte in Ihrer Wahrnehmung?

Noch leiden die Märkte unter dem Verfall der Rohstoffpreise, der mangelnden Paarigkeit der Verkehre, da es an containeri- sierbaren Gütern fehlt, und strukturellen Schwächen.

 

So ist z.B. in allen fünf Ländern der Container kein Ladehilfsmittel, sondern eine Ware, die Sie verzollen müssen, wenn sie nicht binnen überschaubarer Frist ausgeführt wird.

 

Wo sehen Sie Aufschwung?

In Kasachstan ziehen seit dem vierten Quartal 2016 die Geschäfte wieder an, und in Usbekistan zielt die neu antretende Regierung auf Diversifizierung und die Ansiedlung neuer Investoren ab.

 

Wie haben Sie aus der Schweiz heraus Ihr Geschäft in der Region ausgerichtet?

Wir haben unsere Angebotspalette erweitert und uns so aufgestellt, dass wir als Destinationen alle zentralasiatischen Staaten, daneben natürlich Russland und den Mittleren Osten, abdecken können.

 

Neukunden-akquisition ist die Devise, denn unser CEO Lothar Thoma hat «Wachstum auf und entlang der Seidenstrasse» als unsere Zielvorstellung ausgegeben.

 

Wie lässt sich diese Erweiterung des Einsatzraums mit dem Team bewältigen?

Wir haben den Vorteil, dass kürzlich ein Team von mehreren erfahrenen Spediteuren, das die Region gut kennt, zu M&M Schweiz gestossen ist. Wir sind gut unterwegs.

 

Verlassen sich die Verlader nicht lieber in dieser Region auf grössere Anbieter?

Als mittelständischer Spediteur für Lösungen in dieser Region leben wir einen Wert, den die Verlader erkennen. Man muss aber in allen Ländern präsent sein.

 

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