Regionaler Fokus

  • Die Warenströme von und nach der Schweiz werden sich künftig verändern.

13.03.2014 Von: Antje Veregge


Artikel Nummer: 5410

«Sinnhafte Konstellationen»

Die Contargo hat sich innerhalb der letzten Jahre als Anbieter von integrierten Dienstleistungen im europäischen Transport etabliert. Auf welche Strategie das Unternehmen in Zukunft setzt und welche Richtung am Standort Basel denkbar wäre, erläutert Holger Bochow, Geschäftsführer der Contargo, im Gespräch mit ITJ-Redaktorin Antje Veregge.


Herr Bochow, die Contargo hat ihr Netzwerk in den letzten Jahren stark ausgebaut. Welche Strategie verfolgen Sie?

Wir entwickeln uns kontinuierlich weiter. Neben unserem traditionellen Kerngeschäft Binnenschifffahrt bieten wir mittlerweile auch ein Netzwerk für Bahnverkehre an. In Kombination mit dem Lkw-Verkehr sind wir somit ein vollintegrierter, trimodaler Anbieter für Transporte in das europäische Hinterland. Das grenzt uns gegenüber Anbietern von «Stand Alone Services» ab.

 

Worin liegt der Vorteil?

Die Contargo betreibt 26 Containerterminals, viele davon trimodal. Von und nach diesen Terminals organisieren wir auch unsere Transporte – vorzugsweise. Daneben sind wir aber auch dort aktiv, wo wir keinen Terminal betreiben. Der zentrale Punkt ist: Wenn wir Transporte mit dem Terminalbetrieb verknüpfen, operieren wir nachhaltig innerhalb unseres Netzwerks.  Das ist einzigartig und grenzt uns von Transportdienstleistern einerseits und von reinen Terminalbetreibern andererseits ab. Das ist ein Vorteil, denn wenn man analysiert, welche Terminals in der jüngsten Vergangenheit in Schieflage geraten sind, dann fällt auf, dass es jene sind, die eine «Stand Alone» Position eingenommen hatten.

 

So auch in Charvonay, dessen Terminalbetrieb Contargo Ende 2013 zusammen mit den Partnern SBB Cargo und Planzer übernommen hat. Wie geht es nun weiter?

Seit Anfang Februar ist Charvonay in unseren täglichen Fahrplan von und nach den Basler Terminals eingebunden. Damit erhöhen wir die Attraktivität des Terminals signifikant, denn Basel ist die Drehscheibe für Langstreckenverkehre von und nach den Seehäfen. Dabei decken wir nicht nur das Contargo-Netzwerk ab, sondern fahren z.B. auch Frenkendorf, SBB CT und Basel Bad und damit die Nord- und Südhäfen an. Mit diesem Produkt ist Charvonay mit allen relevanten Relationen für Europas Seehäfen verknüpft – und das täglich. Das war zuvor nicht so.

 

Ist es denkbar, die Zusammenarbeit mit der SBB Cargo auch auf andere Unternehmungen auszuweiten? Ich denke an Basel Nord.

Es ist natürlich so, dass die Vorzeichen für die Entwicklung gemeinsamer Aktivitäten aufgrund unserer langjährigen Zusammenarbeit positiv sind. Wir kooperieren schliesslich bereits seit Jahren mit der SBB Cargo sowohl innerhalb der Schweiz als auch mit der SBB International jenseits der Landesgrenzen. 

 

Dass der Terminal kommt, ist beschlossene Sache, die Betreiberschaft jedoch noch offen. Wie schätzen Sie Ihre Position ein?

Es geht ja vor allem darum, eine sinnhafte Konstellation zu finden. Ein Ergebnis des Mediationsprozess ist, dass bei Basel Nord die Architektur der bestehenden Terminals berücksichtigt werden muss. Wir sind hier in Kleinhüningen der grösste trimodale Terminal. Insofern ist es allein deswegen schon naheliegend, dass man Gespräche sucht. Es besteht sicherlich die Möglichkeit, im Rahmen von Basel Nord die bestehende Plattform hier vor Ort weiterzuentwickeln und auch eine gewisse Aufgabenteilung zu verfolgen. Letztendlich steht im Fokus, dass für die Gesamtnachfrage etwas Sinnvolles kreiert wird. Daher ist es wichtig, dass wir es schaffen, die verschiedenen Einzelbetrachtungen der jeweiligen Teilnehmer zu integrieren, um so ein Projekt mit einem  abgestimmten und gemeinschaftlichen Charakter zu realisieren.

 

Wie könnte so eine Aufgabenverteilung konkret aussehen?

Ich gehe davon aus, dass alle Beteiligten die Gespräche diesbezüglich offen und ohne Vorbehalte führen und im Geiste logistisch sinnvoller Lösungen gemeinsam an diesem Projekt arbeiten werden. Dabei ist Vielen noch gar nicht richtig klar, dass ein solcher Terminal wie Basel Nord vieles verändern wird.

 

Was meinen Sie genau?

Beispielsweise wird Basel Nord die Drehscheibe hier in Kleinhüningen weiter aufwerten und unabhängig von der Frage der Betreiberschaft die Warenströme verändern. Hier wird die Musik spielen, denn über diesen Standort läuft sowohl die Ladung von und aus der Schweiz als auch für die Weiterverteilung innerhalb des Landes. In diesem Zusammenhang muss man sich die Frage stellen, wie wir künftig alternative Standorte bewerten, sei es hinsichtlich bestehender oder geplanter Terminals in der Schweiz. Diese Frage wurde bislang allerdings noch nicht hinreichend adressiert.

 

 

 

 

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