Regionaler Fokus

  • Der Barcelona Europe South Terminal übernimmt die Aktivitäten vom Tercat.

05.06.2013 Von: Antje Veregge


Artikel Nummer: 1982

«Logistik als strategisch wichtiger ­Bereich für Katalonien»

Der Hafen Barcelona führt derzeit das umfangreichste Investitionsprogramm in seiner Geschichte aus. Zugleich sorgt die wirtschaftliche Entwicklung im Land weiterhin für negative Schlagzeilen. Der Präsident Sixte Cambra erläutert im ITJ-Gespräch welche Strategie der Hafen mit dem Ausbau verfolgt.


Im ersten Quartal 2013 hat sich das Volumen der Exporte, die über den Hafen Barcelona verschifft wurden, um 7,7% erhöht. Was liegt dieser Entwicklung zugrunde?

Insgesamt bewegen wir uns auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahreszeitraum, als die Exporte gesamthaft um 8,7% zunahmen. Wir profitieren in diesem Zusammenhang von den Unternehmen in unserem Hinterland. Unsere Importe im Land gehen aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage zwar zurück. Der Export von Autos ist allerding ein starker Treiber für unser Volumen. In diesem Bereich hat das Gesamtvolumen um 3,3% zugenommen.

 

Eine Reihe von multinationalen Unternehmen wie beispielsweise Mazda, Honda Logistics und Decathlon nutzen Ihren Hafen als Verteilzentrum für Länder in Europa. Wie stellen Sie sich auf deren Bedürfnisse ein?

Wachstum im Logistikbereich bedeutet Wirtschaftswachstum und somit wachsenden Wohlstand für unser Land. Unser Plan ist, Logistik als strategisch wichtigen Bereich für Katalonien zu etablieren. Dieser Sektor macht bereits 5% der Wirtschaftskraft in unserer Region aus und ist derzeit einer der wenigen Sektoren, in dem die Beschäftigtenzahl aufrechterhalten werden kann. Das ist sehr wichtig für unser Land. Unsere Aufgabe ist es daher zu garantieren, dass Anbindungen in Produktions- und Abnahmegebiete über Strasse und Schiene vorhanden sind. Daher wird Barcelona auch künftig besonderes Augenmerk darauf legen, solche Anbindungen, da wo sie gebraucht werden, in so kurzer Zeit wie möglich zu schaffen. Zudem ist es wichtig, eine kritische Masse an Ladung und regelmässigen Verkehren zu garantieren, und zwar sowohl für Hochsee- als auch Küstenverkehre.

 

Der Hafen Barcelona unternimmt umfangreiche Arbeiten zum Ausbau seiner Kapazitäten. Wie ist der momentane Stand der Dinge?

Für den Zeitraum zwischen den Jahren 2000 und 2014 sind Investitionen in Höhe von insgesamt 4 Mrd. EUR vorgesehen. Dieser Ausbau ist als öffentlich-private Partnerschaft angelegt. Durch die Investitionen werden wir unsere Kapazität von 600 auf 1300 ha mehr als verdoppeln und bis zu 5 Mio. TEU pro Jahr abfertigen können. Mittelfristig werden wir die Möglichkeit haben, mit einer Kapazität von bis zu ­10 Mio. TEU zu operieren. Neben den geplanten öffentlichen Investitionen mit einer Summe von mehr als 100 Mio. EUR für das Jahr 2013 unternimmt der Hafen Barcelona eine Reihe von privaten Investitionen in verschiedenen Bereichen des Hafengeschäfts. Eines der Hauptprojekte ist beispielsweise der neue Tercat/Hutchison Terminal, der ­unter dem Namen Barcelona Europe South Terminal (Best) bekannt ist. Durch Investitionen in Höhe von insgesamt ca. 500 Mio. EUR verfügt er über eine Fläche von 100 ha und eine Kapazität von 2,65 Mio. TEU. Alle bisherigen Tercat-Aktivitäten wurden  bereits zum neuen Terminal verlagert. Daneben bauen wir den anderen Container-Terminal TCB derzeit mit 60 Mio. EUR aus. Er wird dieses Jahr in Betrieb gehen.

 

Wie geht es mit dem Grimaldi-Terminal voran?

Der Bau des Grimaldi-Terminals hier im Hafen Barcelona spielt eine grosse Rolle für den Short-Sea-Verkehr, sowohl in Bezug auf Ladung als auch für Passagiere. Wir erwarten, dass er im Sommer seinen Betrieb aufnehmen wird.

 

Warum sind diese umfangreichen Ausbauarbeiten notwendig?

Auch wenn die momentane wirtschaftliche Lage in Spanien angespannt ist, müssen und wollen wir uns als Hafen auf die Entwicklungen im internationalen Handel innerhalb der kommenden Jahre vorbereiten. Wir wollen die Vorteile, die sich aus unserer geografischen Position ergeben, bestmöglich ausnutzen. Der Aufschwung in der Logistikbranche war in den vergangenen Jahrzehnten aussergewöhnlich. Seit 1960 ist der Aussenhandel dreimal so stark gewachsen wie die Wirtschaft. Wir haben viel unternommen, um unsere Wettbewerbsposition zu verbessern und unser strategisches Ziel zu erreichen.

 

Wie sieht dieses Ziel genau aus?

Wir zielen darauf ab, nicht nur der wichtigste Logistikumschlagsplatz im Mittelmeerraum zu werden, sondern auch der bevorzugte südliche Handelsweg für Ladung von und nach Asien und Amerika. Darum ist unsere wichtigste Aufgabe für die kommenden Jahre neue Dienste für den Hafen Barcelona zu gewinnen. Neben dem Ausbau des Hafens arbeiten wir daher insbesondere daran, unsere Reichweite ins Hinterland zu verbessern. Daneben fokussieren unsere Marketingaktivitäten im Zusammenhang mit diesem Ziel auf das Vorland, also auf andere Häfen, an die wir durch die Dienste der Schifffahrtslinien angebunden sind. Darüber hinaus wollen wir die Spitzenposition unseres Hafens als Destination für Kreuzfahrtschiffe und Hafen für den Umschlag von Autos im Mittelmeer weiter festigen. Wir stehen derzeit mit einer Reihe grosser Schifffahrtlinien und internationaler Logistikunternehmen in Verhandlung, um Barcelona zu ihrem Heimatstandort für ihre Unternehmungen zu machen.

 

Aus diesem Grund haben Sie in der jüngsten Zeit eine Reihe von Vergünstigungen für Schifffahrtslinien eingeführt. Zeigen diese bereits einen Effekt?

Der Hafen Barcelona hat innerhalb der vergangenen Jahre etliche Initiativen lanciert, um die Wettbewerbsfähigkeit seiner Kunden und angeschlossenen Unternehmen zu verbessern. Im vergangenen Jahr hat der Hafen seinen Kunden zudem Rabatte bei den Hafengebühren gewährt. Das bezieht sich auf Schiffe, Passagiere und Ladung. Zudem sind wir mit der Pacht für Terminalgelände im Zusammenhang mit speziellen Ladungsverkehren heruntergegangen. Aufgrund dieser Massnahmen haben wir auf Einnahmen in Höhe von insgesamt 30 Mio. EUR zugunsten der Kunden verzichtet.

 

Was sind Ihre Erwartungen für das laufende Jahr?

In diesem Jahr konzentrieren wir uns darauf, unsere momentanen Projekte zu bewältigen. Wir erwarten ein Wachstum von ca. 5% bei unseren Verkehren. Ein weiteres Ziel ist es, die Wirtschaft der Stadt sowie der Region weiterhin zu unterstützen, indem wir unsere gute Stellung im Kreuzfahrtverkehr behalten. Wir hoffen, dass wir den Rekord an Passagieren aus dem Jahr 2011 wiederholen können. Unser Hafen ist einer der wichtigsten im Mittelmeerraum für diesen Bereich und somit sehr bedeutsam für die Tourismusindustrie. In schwierigen Zeiten wie diesen zählt dies besonders viel.

 

Herr Cambra, wir danken Ihnen für das Gespräch.    

 

   

www.portdebarcelona.cat

 

 

 

 

 

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