Regionaler Fokus

  • CSAV blickt derzeit hauptsächlich ostwärts nach Deutschland.

13.03.2014 Von: Antje Veregge


Artikel Nummer: 5422

Der Blick über den Teich

Die chilenische CSAV macht derzeit aufgrund der potenziellen Zusammenlegung ihres Containergeschäfts mit Hapag-Lloyd Schlagzeilen. Grund genug, die Hintergründe der grössten Containerlinie Südamerikas etwas genauer zu beleuchten.


Die Compañía Sudamericana de Vapores (CSAV) blickt auf eine lange Tradition zurück. Mit dem Zusammenschluss der Compañía Chilena de Vapores und der Compañía Nacional de Vapores im Jahr 1872 gegründet, ist das Unternehmen bereits seit 1893 an der chilenischen Börse notiert.

 

Während sich die Linie anfänglich noch auf die Küstenschifffahrt und den Transport von Früchten und Mineralien aus dem eigenen Land konzentrierte, änderten sich die Marktbedingungen ab 1914 grundlegend: Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurden die Schiffe des bis dahin grössten Mitbewerbers Pacific Steam Navigation für Kriegsaktivitäten eingezogen. Mit der Öffnung des Panama-Kanals im gleichen Jahr war schliesslich nichts mehr wie gehabt. Um die Ostküsten Süd- und Nordamerikas zu bedienen, können Schiffe seitdem auf die lange und gefährliche Reise um das Kap Horn verzichten. Diese Entwicklung sorgte allerdings für einen verstärkten internationalen Wettbewerb. Insbesondere aus den USA drängten neue Anbieter in den Markt. Die Marktbedingungen verschärften sich und zu Beginn der 1920er Jahre verbuchte CSAV kräftige Verluste. Hilfe kam damals seitens der chilenischen Regierung. Der Ausbruch der Grossen Depression im Jahr 1929 brachte die Linie allerdings erneut in Schwierigkeiten. Da Natronsalpeter und Kupfer, zwei der wichtigsten Exportgüter Chiles, weitaus weniger Einkünfte für das Land generierten, sanken auch die Importe aus Übersee. Mitte der 1930er Jahre schliesslich erholte sich der Handel und CSAV erweiterte ihre Dienste sukzessive in Richtung Fernost, Japan und Südostasien.

 

Konzentration auf Kerngebiete

Mit der Übernahme verschiedener Firmen strebte die Linie bis 2011 eine globale Netzabdeckung an. So gehört beispielsweise seit 1999 die brasilianische Linie Libra zu CSAV. Seit 2003 ist mit Montemar Marítima ein Unternehmen aus Uruguay Teil der CSAV-Gruppe, so dass auch die Ostküste Südamerikas abgedeckt ist. Seit 2000 sind darüber hinaus die Dienste der Norasia in die Gruppe integriert, womit diese ihre Ost–West-Routen verstärken konnte.

 

Seit 2011 ist die Linie grösstenteils in den Händen der Familie Luksic, einer der reichsten Familien Chiles. Nach einer Kapitalerhöhung im Februar 2012 hält sie durch ihre Holding Quiñenco derzeit Anteile in Höhe von 45,9%. Quiñenco ist einer der grössten Grosskonzerne in Chile. Das Unternehmen kontrolliert neben CSAV beispielsweise die Banco de Chile, den Getränkehersteller CCU, den Konzessionsträger des Mineralölkonzerns Shell in Chile Enex sowie den Verpackungshersteller Madeco.

 

Verlust von Marktanteilen

Derzeit liegt der Anteil vons CSAVs Tonnage mit 1,5% auf Rang 20 der weltweit 30 grössten Linienreedereien. Das Unternehmen operiert mit einer Flotte von 52 Einheiten mit gesamthaft 260 050 Teu Kapazität, davon stehen 15 Schiffe im eigenen Besitz. Das Orderbuch sieht darüber hinaus 73 700 Teu verteilt auf acht neue Schiffe vor.

 

Die Aussichten für die Zukunft sind jedoch nicht eben rosig. Die Linienaktivitäten der CSAV sind unprofitabel. Nach Berechnungen des Analysten Alphaliner hat Quiñenco seit 2011 ca. 1,157 Mrd. USD (842 Mio. EUR) in CSAV und sein Terminalgeschäft SAAM investiert. Der Wert der Anteile vor Bekanntgabe eines möglichen Zusammenschlusses mit Hapag-Lloyd (siehe Box) lag allerdings bei lediglich ungefähr 699 Mio. USD  (508 Mio. EUR). Alphaliner berechnet für Quiñenco daher einen negativen Return von 40% innerhalb der vergangenen drei Jahre.

 

Zudem verliert CSAV kontinuierlich Marktanteile. Im Kerngebiet Lateinamerika sind es derzeit 9%, 2011 waren es noch 13%, so Alphaliner. Daher fand 2009 ein Grundsatzwandel statt: Obwohl die Linie nach wie vor auf fünf Kontinenten aktiv ist, liegt der Fokus wieder auf den Aktivitäten im amerikanischen Raum. Ein Zusammenschluss mit Hapag-Lloyd, deren Stärken im Verkehr zwischen Fernost und Europa liegen, könnte daher vorteilhaft sein. Sicher ist hingegen, dass die beiden Traditionshäuser mir einer transatlantischen Verbindung ganz neue Wege beschreiten würden.    

Kooperation mit Hapag-Lloyd?

Am 22. Januar unterzeichneten CSAV und Hapag-Lloyd eine nicht bindende Absichtserklärung zur Zusammenlegung der Containeraktivitäten. Derzeit befinden sich die Verhandlungen in der Due-Diligence-Phase. Die kombinierte Flotte der beiden Unternehmen würde ca. 200 Schiffe umfassen. CSAVs Anteil läge bei ungefähr 25%. Durch die Kooperation würden CSAV und Hapag-Lloyd mit 5,6% (ca. 1 Mio. Teu) an der weltweiten Tonnagekapazität auf den 4. Platz auf der globalen Rangliste vorrücken. Kürzlich gab die Linie CSAV bekannt, dass sie im Zusammenhang mit dem möglichem Zusammenschluss eine weitere Kapitalerhöhung vornehmen werde (siehe ITJ 09-10/201, S. 14).