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11.02.2015

Artikel Nummer: 9129

07-08/2015 Keine Angst vor Plastikgeld!


Für unsere Branche in Japan und in der Schweiz ist besonders bedeutsam, dass beide Länder eine starke Exportwirtschaft aufweisen. Doch während die Unternehmen hierzulande seit der überraschenden Aufhebung des Mindestkurses ihrer Landeswährung gegenüber dem Euro am 15. Januar über den nunmehr noch höheren Wert ihrer Waren im Ausland klagen und um ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit fürchten, verfügt das fernöstliche Land mit dem Yen, dessen kleinste Münze eher Plastikgeld ähnelt, über eine schwach bewertete Landeswährung. Und die verschafft ihm nicht nur im Ausland eine Menge Vorteile.

Davon konnte ich mich gerade auf einer Pressereise ins «Land der aufgehenden Sonne» überzeugen. In deren Rahmen gab Prof. Dr. Franz Waldenburger, Direktor des Deut­schen Instituts für Japanstudien, fasziniert Einblicke in das nach Auslandsguthaben «reichste Land der Erde», das nach den USA und China immer noch die drittgrösste Volkswirt­schaft aufweist. «Nach Platzen der spekulativen Blase in den 1990er-Jahren», stellte der Wirtschaftswissenschaftler fest, «hat sich das Land wieder erholt.» Grund seien gut ausgebildete Arbeitnehmer und die unangefochtene Technologie-Führerschaft. Mehr noch – und ein Hoffnungsschimmer für Europa, insbesondere Bulgarien und Griechenland: Die Deflation, die Japan als erstes Land nach dem Zweiten Weltkrieg erfasst hat, verbreitet dort keinen Schrecken, da die Nachfrage stabil bleibt und praktisch Vollbeschäftigung herrscht.

Wer dann noch meint, die Schweizer Nationalbank wegen ihres Kurswechsels kritisieren zu müssen, sollte sich mit deren Simulation «Mopos 3.0» im Internet (www.iconomix.ch) beschäftigen: Hier kann jeder in die Rolle eines Zentralbankpräsidenten schlüpfen und Geldpolitik im Gesamtinteresse seines Landes führen. Wir wünschen ein glückliches Händchen beim Durchspielen verschiedener Szenarien wie z.B. «Deflationsgefahr».

 


Andreas Haug
Ressortleiter Luftfracht

 

 

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