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09.02.2016

Artikel Nummer: 13309

07-08/2016 Chancengleichheit


Überraschend kam sie dann doch, die Ankündigung des staatlichen chinesischen Chemiekonzerns Chemchina, den schweizerischen Agrarchemie-Konzern Syngenta für43 Mrd. USD zu übernehmen. Chemchina begründet die bislang teuerste Akquisition eines chinesischen Unternehmens im Ausland mitunter damit, dass man sich notwendiges Wissen im Agrarbereich aneignen wolle, um die Versorgung der eigenen Bevölkerung mit Nahrungsmitteln zu verbessern.

 

Mit einem Schlag rücken die Investoren aus Fernost, stärker als je zuvor, in den Blickpunkt der westlichen Öffentlichkeit. Gestern noch Produktionsstandort, heute wird eingekauft: China verfügt über die gewaltigsten Devisenreserven der Welt, das Geld muss investiert werden.

 

Ein kurzer Überblick: 2012 kaufte der chinesische Bau-maschinenkonzern Sany-Group den deutschen Mittelständler Putzmeister, ein Hersteller von Betonpumpen. 2014 gab es eine wechselseitige Beteiligung in Höhe von 10% am österreichischen Kranhersteller Palfinger. Auch Syngenta-Interessent Chemchina war schon aktiv: Erst 2015 kaufte der Staatskonzern den italienischen Reifenproduzenten Pirelli und im Januar 2016 den deutschen Kunststoffmaschinenhersteller Krauss-Maffei. Nun stehen die schweizerischen Agrarchemie-Spezialisten im Fokus.

 

Ähnliche Ambitionen haben die Chinesen in Griechenland. Cosco hat Ende Januar für rund 410 Mio. USD 67% der Anteile am Hafen von Piräus endgültig erworben. Jetzt folgt wahr-scheinlich der Sprung vom Südosten in den Westen Europas: Anfang Februar wurde bekannt, dass der Hafen von Antwerpen mit der Industrial and Commercial Bank of China ein Kooperationsabkommen geschlossen hat. Man darf auf die weitere Entwicklung gespannt sein – es wird nicht der letzte Hafen sein, der in den Fokus Chinas rückt. Langsam wird die Lieferkette aus chinesischer Sicht komplett: Produktion, Transport zu den eigenen Häfen, per Schiff bis nach Piräus und Antwerpen. So weit, so gut.

 

Allerdings sollte sich China dringend darum bemühen, ähnliche Investionsbedingungen zu schaffen, wie sie in den westlich geprägten Ländern üblich sind. Schliesslich ist es bis heute nicht-chinesischen Firmen nur mit Auflagen oder faktisch gar nicht möglich, in chinesische Firmen einzusteigen. Ein solche Öffnung wäre eine Chance für beide Seiten.

 

Eine anregende Lektüre des ITJ wünscht Ihnen Ihr

 

Rüdiger Frisch
Redaktor

 

 

 

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