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16.06.2015

Artikel Nummer: 10674

23-26/2015 Weniger ist mehr!


Es ist soweit, die Ferienzeit beginnt. Diese muss nicht unbedingt so üppig ausfallen wie beispielsweise in Frankreich, um erholsam zu sein. Durch eine Kombination von gesetzlich vorgeschriebener Ferienzeit und einer Verrechnung von Überzeiten der 35-Stunden-Woche (réduction du temps de travail) können sich Angestellte im neben Deutschland wichtigsten Industrieland Europas ggf. über bis zu zwei Monate Ferien freuen. Es wäre ein Einfaches, daraus eine Ableitung zu der immer noch schlechten wirtschaftlichen Situation in der Grande Nation herzustellen. Dennoch: Die Produktivität französischer Angestellter gehört zu den höchsten Europas und übertrifft die ihrer Kollegen in Deutschland oder England.

Nach Angaben der OECD leisten Angestellte in Frankreich über 100 Arbeitsstunden mehr als beispielsweise ihre Kollegen in Deutschland. Das liegt zugegebenermassen unter anderem daran, dass französische Unternehmen lieber darin investieren, Arbeitskräfte einzusparen als neues Personal einzusetzen. Mit 1500 bzw. 1400 Arbeitsstunden im Jahr liegen jedoch beide Länder sowie die Mehrzahl der europäischen Mitgliedstaaten im untersten Bereich beim Zeitvergleich.

 

Die Internetseite Expedia bringt es in ihrer «vacation deprivation study» auf den Punkt: Europäer können sich in Sachen Ferienzeit wahrlich nicht beklagen. Im Durchschnitt beziehen sie 28 Urlaubstage pro Jahr – 12% mehr als der weltweite Durchschnitt. Hier in Asien können viele von diesem Ausmass an Freizeit indes nur träumen. In Singapur erhalten reguläre Angestellte bei Arbeitsbeginn sieben Urlaubstage im Jahr, pro weiteres Jahr kommt einen zusätzlicher Tag hinzu, bis schliesslich 14 erreicht sind. Die Sache hat allerdings einen Haken: u.a. geschäftsführende Positionen sind von dieser Regelung ausgeschlossen. Dabei haben akademische Studien wiederholt gezeigt, dass Urlaub zu einer gesteigerten Produktivität führt. Viel hilft nicht immer viel, vielmehr sorgen geringere Arbeitsstunden oftmals für eine höhere Arbeitsleistung, das belegte zuletzt eine OECD-Studie. Machen wir also Schluss mit den Überstunden und setzen auf Qualität statt Quantität.

 

In diesem Sinne: Ich hoffe, Sie geniessen etwas freie Zeit in den kommenden Monaten! Wir werden Sie natürlich dennoch über die Trends und Hintergründe unserer Branche informieren. Und falls Sie mit leichtem Gepäck an ihr Urlaubsziel reisen: Unser Heft ist auch als E-Paper erhältlich. Viel Spass!

 

Antje Hanna Veregge
Stellv. Chefredaktorin

 

 

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